Stiftung Warentest Bahn unpünktlicher, als sie behauptet
Berlin - Die Stiftung Warentest überprüfte 14.000 Züge und stellte etwa jedes siebte Mal eine Verspätung fest. Das bedeutet einen Anteil von 13,7 Prozent, wie die Organisation in ihrer Zeitschrift "test" schreibt. Nach der offiziellen Bahn-Definition gilt ein Zug dann als pünktlich, wenn er bis zu fünf Minuten nach der planmäßigen Ankunftszeit am Ziel ankommt.
Das Risiko, den Anschlusszug zu verpassen, ist innerhalb des Nahverkehrs und zwischen Fern- und Nahverkehr besonders hoch, wie die Tester ermittelten. Dies habe sich in den vergangenen beiden Jahren nicht gebessert. Innerhalb des Fernverkehrs seien die Züge aber mittlerweile deutlich pünktlicher. Der Reisende erreiche mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit seinen Anschluss. Damit ergab sich hier ein ähnlicher Wert, wie ihn die Bahn angibt, die von 96 Prozent Anschlusssicherheit spricht. Die Prüfer kritisierten jedoch, dass der Bahnsteigwechsel über mehrere Treppen häufig beschwerlich sei.
Als pünktlichste und zuverlässigste Zuggattung fiel den Testern der Interregio auf, der von der Bahn zu großen Teilen aus dem Fahrplan gestrichen wurde. Danach folgten Nahverkehrszüge wie Regionalbahn oder SE. Auf den hinteren Plätzen rangieren danach der ICE und der Eurocity (EC).
Grund für die Verspätungen ist nach Ansicht der Tester das marode Schienennetz in Deutschland, das die Züge immer wieder zwingt, langsam zu fahren. In Hannover, wo Bahnhof und Netz für die Expo modernisiert wurden, seien die Züge doppelt so pünktlich wie an den anderen Bahnhöfen, schreibt Stiftung Warentest. Dies zeige, wie dringend notwendig die Sanierung des Schienennetzes sei.
Die Bahn kritisiert den methodischen Ansatz der Tester. Die Stichproben seien nicht repräsentativ, erklärte das Unternehmen. Außerdem hätten die Tester an 13 Tagen kurz nach dem Fahrplanwechsel gemessen, als sich die Abläufe noch hätten einspielen müssen.