Heesters in Holland: Applaus und Protest - WELT

Heesters in Holland: Applaus und Protest

Von Helmut Hetzel
Veröffentlicht am 17.02.2008Lesedauer: 3 Minuten

Erster Auftritt des Entertainers in seiner Heimat seit 44 Jahren

"Johannes Heesters - wer ist das? Den kenne ich nicht." Henk guckt verblüfft. Mit dem Namen kann der 22-jährige Niederländer nichts anfangen. "Kannst du mir vielleicht sagen, wer Heesters ist?" fragt der Student zurück. Der jüngeren Generation sagt der Sänger und Schauspieler, der einst auch in Holland ein gefeierter Theater- und Filmstar war, kaum noch etwas. Und doch beschäftigt sein Auftritt in seiner Geburtsstadt Amersfoort seit Tagen die Medien. Denn es ist ein verlorener Sohn, der heimkehrte - und mit gemischten Gefühlen empfangen wurde, weil er in Nazideutschland Karriere machte.

Schon lange hatte Heesters, 104, davon geträumt, noch einmal in seiner Heimat aufzutreten. An diesem Wochenende hat er sich den Traum erfüllt. Im ausverkauften Amersfoorter Theater De Flint sollte er seine vermutlich letzte Show in Holland geben. Theaterdirektor Pieter Erkelens, der ihm dies ermöglichte, schwärmte: "Er singt noch immer die Sterne vom Himmel." Seit Mittwoch hatte sich Heesters im Hotel auf die Show vorbereitet.

Der Auftritt sollte unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Die Besucher mussten Absperrungen passieren und Metalldetektoren durchlaufen. Schon seit Tagen hatten linke Gruppen zu Protestaktionen aufgerufen, Gewalt wurde nicht ausgeschlossen.

Vor 44 Jahren stand Heesters zum letzten Mal in seiner Heimat auf der Bühne. Damals spielte er in dem Musical ,,The Sound Of Music" in Amsterdam. Ausgerechnet einen Widersacher von Adolf Hitler. Das nahmen ihm seine Landsleute übel. Heesters wurde ausgebuht - eben wegen seiner Karriere im Dritten Reich. Hitler war ein erklärter Heesters-Fan, und Heesters hatte 1941 das KZ Dachau besucht.

Johannes Heesters bereut diesen Besuch bis heute. Er schäme sich für ihn "abgrundtief", schrieb er vor seiner Abreise nach Amersfoort auf seiner Homepage und betonte: "Ich habe in keinem einzigen Propagandafilm mitgewirkt, der das faschistische System verherrlicht hätte. Von mir finden Sie keine Wahlaufrufe für Hitler. Wo immer es ging, habe ich meine Arbeitsüberlastung vorgeschoben, um Naziempfängen zu entgehen."

Der heute fast blinde Heesters wollte auch nie Deutscher werden. Er hat noch immer seinen niederländischen Pass in der Tasche. "Obwohl Joseph Goebbels wollte, dass ich deutscher Staatsbürger werde, weil ich schließlich mein Geld in Deutschland verdiene, habe ich diesem Wunsch nie nachgegeben."

Unterstützung bekam Heesters inzwischen auch von führenden Historikern der Niederlande. Heesters sei wohl "politisch naiv" gewesen, aber nie ein "Kriegsverbrecher", sagt beispielsweise der angesehene Amsterdamer Historiker David Barnouw. Und auch Vertreter der jüdischen Gemeinde Hollands nahmen Heesters in Schutz und riefen dazu auf, ihn in Ruhe zu lassen.

So mancher Niederländer hält es da mit dem niederländischen Schriftsteller Harry Mulisch, der die Zeit des Zweiten Weltkrieges ziemlich treffend so kommentierte: ,,Am liebsten sind mir die meiner Landsleute, die nach Ende des Krieges in den Widerstand gegangen sind."


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