Holleins Absage
Es wird nicht Frankfurter Lokalpatriotismus gewesen sein, der den Österreicher Max Hollein dazu getrieben hat, die noch gar nicht ausgesprochene Einladung nach Berlin abzulehnen. Es ist keine bequeme Lage, wenn man in - dem formellen Verfahren weit vorauseilenden - Personalspekulationen über Monate hin als Favorit in einer prominenten Nachfolgefrage gehandelt wird.
Hollein ist seit 2001 Direktor der Frankfurter Kunsthalle Schirn, seit 2006 auch des Städel und der Skulpturensammlung im Liebig-Haus. Frankfurt hat von seinen Fähigkeiten als Ausstellungsmacher und Manager spürbar profitiert. Hollein spielt virtuos auf der Klaviatur öffentlich-privater Kulturfinanzierung.
Man kommt an dem 37jährigen also kaum vorbei, wenn man in der Hauptstadt über einen Generationenwechsel bei der Leitung der Staatlichen Museen nachdenkt. Der im Zorn aus dem Hamburger Bahnhof geschiedene Kurator Heiner Bastian empfahl ihn als Nachfolger für Peter-Klaus Schuster, der als Generaldirektor der Staatlichen Museen und Direktor der Nationalgalerie im nächsten Herbst in den Ruhestand geht. Von Hollein erwartete sich Bastian eine Aufwertung der Gegenwartskunst, die er unter Schuster sträflich vernachlässigt sah. Nun hat aber auch Schuster selbst Hollein mehrfach für seine Nachfolge ins Spiel gebracht, obwohl es diese Nachfolge so nicht geben wird. Nach dem Willen des Stiftungsrates der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sollen die Ämter des Generaldirektors und des Nationalgalerie-Direktors getrennt werden. Auf Schuster folgen also zwei halbe Schusternachfolger. Ob die ein Ganzes bilden, hängt von den Personen ab. Denen kann es aber einstweilen nur auf dem Spekulations-Karussell schwindelig werden.
In Frankfurt wird man das Berliner Interesse an dem Spitzenpferd im Kultur-Stall zunächst mit Wohlgefallen, dann aber mit wachsender Sorge registriert haben. Einen wie Hollein lässt man in einer Stadt, in der es vom hochtrabenden Metropolen-Anspruch zum Absturz ins Provinzielle nie weit war, nicht gern ziehen. Man wird ihn also nachdrücklich gefragt haben, ob er sich eine Zukunft in Frankfurt vorstellen könne und was aus seinem Projekt einer Erweiterung des Städel werden solle, wenn er Richtung Berlin entschwände. Seine Antwort stärkt seine Frankfurter Position. In Berlin wird man nun hoffentlich etwas vorsichtiger mit öffentlichen Nachfolge-Ratschlägen.