Aquarelle des Grauens
Kitsch in seiner geläufigsten Form hat einen klebrig-süßen Beigeschmack. Der 38-jährige Amerikaner Brian Hugh Warner, der als "Schockrocker" gilt und sich seit 1989 nach seiner Band Marilyn Manson nennt, beherrscht auch die saure Variante. Da er in seinen perfekt inszenierten Bühnenshows allerlei Horrorspektakel zu entfalten vermag, hat er sich den Ruf eines grenzwertigen Künstlers erworben, der a
Vermag seine Musik, namentlich das frühe blasphemische Album "Antichrist Superstar" sensible Naturen noch zu gruseln, bleibt er als Bildkünstler weit unter der Meßlatte, die in punkto Schauerliches die zeitgenössische Kunst längst aufgelegt hat. Seine erstmals in Deutschland gezeigten Aquarelle muten denn auch so grausam an wie die Sahnetorten im Schaufenster einer Konditorei nahebei.
Nachdem seine Werke bereits in verschiedenen amerikanischen Städten zu sehen waren, sind sie jetzt in der Kölner Galerie Brigitte Schenk ausgestellt. Dort hat Mr. Manson höchstselbst die Ausstellung mit 33 fürchterlich bunten Bildern eröffnet.
Die schlimmsten Erzeugnisse sind noch die Darstellung eines Mannes, der seinen Penis von rechts und links mit Zangen traktiert, sowie das Blatt einer liegenden Figur mit durchschnittenem Leib in dekorativer Pose. Beides recht süffig gemalt. Die Malerei erlaube es ihm, Gefühle jenseits der Musik auszudrücken, gibt Warner zu Protokoll.
Das peinliche Porträt Chaplins mit nacktem hermaphroditischem Körper verfehlt dessen Performance als Hitler in "Der große Diktator" gründlich und wird deshalb von der Reklame für die Solo-Schau kurzerhand als Porträt des "Führers" ausgeben. Nach dem Motto: Heute sind wir ganz verworfen und werfen mit Wattebäuschen!
In einigen leuchtend Rot-Gelb-Orange strahlenden Frauenbildnissen wechselt der gelernte Journalist und studierte Theatermann Warner, der das Handwerk des Marketing perfekt beherrscht, wieder vom sauren in den süßen Kitsch und erreicht das Format der Touristen-Maler auf der Pariser Place du Tertre.
Natürlich präsentieren sich sämtliche Bildchen in der Kölner Galerie effektvoll auf schwarzen Wänden in schwarzen Rahmen und schwarzem Bildfond. Doch nicht einmal ein rotes Sofa kann die zahlreichen, größtenteils jungen Besucher zu längerem Verweilen anhalten.
Irgendwie ratlos verlassen sie nach kurzer Zeit die lausige Horror-Picture-Show und mit ein klein wenig Enttäuschung in den Augen. Auch wenn die ausrichtende Kunsthändlerin emphatisch verkündet: "Manson ist wirklich ein Künstler" und im Fernsehen schwadroniert, dessen Bilder drückten sein Leiden an der Welt aus - für einen Musiker malt er ganz ordentlich, wie Elke Sommer als Schauspielerin auch.
Galerie Brigitte Schenk, Köln, bis 5. August