Elbtal: Die gekrönte Wiesenralle - WELT
Elbtal

Die gekrönte Wiesenralle

Von Eckhard Fuhr
Veröffentlicht am 16.07.2007Lesedauer: 2 Minuten

Der Wachtelkönig ist weder eine Wachtel noch ein König, sondern ein zur Familie der Rallen gehörender Vogel, also mit den Bläss- und den Teichhühnern verwandt. Er wird, sehr viel präziser, auch Wiesenralle genannt. Als Wachtelkönig aber hat er einen festen Platz in der politischen Mythologie. Immer wenn es darum geht, die bedrohte Natur gegen den gefräßigen Moloch der Moderne zu verteidigen, wird

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Man muss sich fast wundern, dass er im Streit um die Brückenquerung des Dresdner Elbtals erst jetzt auf die Walstatt zitiert wird. Naturschutzverbände wollen durch ein Eilverfahren beim Dresdner Verwaltungsgericht den Freistaat Sachsen zwingen, das Brückenprojekt aufzugeben. Um die Wirkung des Zaubers zu verstärken, haben sie dem Wachtelkönig die Kleine Hufeisennase beigesellt, eine Fledermausart, deren Bestimmung es ist, vom Aussterben bedroht zu sein und dem Wachtelkönig als koboldhaftes Gefolge zu dienen. Die Behauptung der Naturschützer, der Bau einer Brücke in einem zwanzig Kilometer langen Abschnitt des Elbtals vertreibe beide Arten aus ihrem Lebensraum, ist in der Sache kühn, entspricht aber den Regeln ritueller Politik.

Vielleicht wirkt der Zauber des Wachtelkönigs. Nur durch Zauber jedenfalls lässt sich die verfahrene Situation in Dresden bereinigen, die, wenn sie noch lange andauert, einen politischen Schaden anrichtet, der in keinem Verhältnis mehr steht zum Anlass des Konflikts. Längst geht es nicht mehr um ästhetische, sondern um Kernfragen der Demokratie und des Rechtsstaates. Dabei kommen die politischen Manieren abhanden, wie man etwa an der Finanzkeule sehen kann, die der Bundesbauminister schwingt, um Sachsen zum Verzicht auf die ursprüngliche, demokratisch und rechtlich immer noch bindende Brückenplanung zu bringen. Wäre der Wachtelkönig dazu in der Lage, den unheilvollen Gang der Dinge nun naturschutzrechtlich aufzuhalten, müsste man ihm in nächtlicher Zeremonie auf den Knien huldigen, umflattert von Hufeisennasen, deren spitzes Gezirp sich mit dem Plätschern der Elbe zu einer wundersamen Musik vereinte.


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