Auf dem Motorrad von Dennis Hopper
Mit der großen Ausstellung "Neue Welt: 300 Jahre amerikanische Kunst" wirbt Condoleezza Rice im Moskauer Puschkin-Museum: Auf dem Motorrad von Dennis Hopper
Durch das russisch-amerikanische Verhältnis weht 200 Jahre nach der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen ein kühler Hauch. Spannungen und Zerwürfnisse über die amerikanischen Raketenabwehrpläne, die Lösung des Kosovo-Problems oder die amerikanische Kritik an russischen Defiziten beim Demokratieaufbau und bei der Einhaltung der Menschenrechte lassen es kriseln zwischen Moskau und Washington.
In dieser angespannten Situation setzt das Moskauer Puschkin-Museum ein Zeichen und bietet dem russischen Publikum seit dieser Woche erstmals eine Schau amerikanischer Kunst in diesem Umfang. Die Ausstellung "Die Neue Welt: 300 Jahre amerikanische Kunst" steht absichtsvoll unter der Schirmherrschaft von US-Außenministerin Condoleezza Rice und ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow, die sich an anderen Orten durchaus schon mal diplomatische und weniger diplomatische Streitgefechte geliefert haben.
Der amerikanische Botschafter William Burns verglich die russisch-amerikanischen Beziehungen bei der Ausstellungseröffnung mit einer Straße, auf der der Verkehr in beide Richtungen fließt. Die amerikanische Ausstellung ist die Antwort auf die mit viel Enthusiasmus aufgenommene russische Schau "Rossija!", die in den Jahren 2005 und 2006 im New Yorker Guggenheim-Museum das ganze Spektrum der russischen Kunst vorstellte. Mehr als eine Million Besucher machten das Unternehmen zu einem Ereignis.
Es ist nicht die erste Ausstellung amerikanischer Kunst im Moskauer Puschkin-Museum. Seine Direktorin Irina Antonowa, in den Fragen der Restitution von Beutekunst des Zweiten Weltkriegs eher als hartleibig bekannt, erinnerte an amerikanische Expositionen in den Fünfziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren, sowie an die Andy Warhol-Ausstellung 2001 und die Präsentation von Künstlern des amerikanischen Westens 2003 in ihrem Museum.
Aber so eine umfangreiche Retrospektive habe es bislang weder im Puschkin-Museum noch irgendwo anders in Russland gegeben, würdigte sie die jetzt eröffnete Schau. Gezeigt werden mehr als 100 ausgewählte Arbeiten von Künstlern wie Jackson Pollock, Roy Lichtenstein, Willem de Kooning und Andy Warhol, aber auch von früheren Vertretern wie Charles Willson Peale, Henry Inman und Edward Hopper.
Die Schau ermögliche dem russischen Zuschauer nicht nur die Bekanntschaft mit der Malerei der Vereinigten Staaten, sondern biete ihm auch die Möglichkeit, den "besonderen Geist der amerikanischen Kultur zu fühlen, der offen ist für die schöpferische Suche und für Experimente". Die Antonowa, locker wie selten, schwang sich sogar auf das Motorrad von Hollywood-Star Jeremy Irons. Der war zusammen mit Dennis Hopper auf einem Zweirad von St. Petersburg nach Moskau gereist - eine Idee von Thomas Krenz, Direktor der Guggenheim-Stiftung und Initiator des Projekts.
Die Moskauer haben das Kunst-Ereignis mit Interesse, aber auch mit Distanz aufgenommen. So war die 47-jährige Galina tief enttäuscht von dem, was sie gesehen hat. "Das ist ganz schrecklich, das ist keine Kunst", befand sie. Von einer Supermacht habe sie auch "Super-Kunst" erwartet. Trotzdem ist sie froh, dass sie sich die Kunstwerke ansehen konnte. Kunst habe schließlich nichts mit Politik zu tun.
Das meinen auch Anja und Sweta, beide Mitte Zwanzig. Und wenn man solche Ausstellungen organisiere, könnten die Beziehungen ja so schlecht nicht sein. Alexej, ein 23-jähriger Manager, zeigte sich sehr angetan. "Auch wenn mir nicht alles gefällt, so ist das doch ein Teil unserer Kunst, der Weltkultur."
Die Kunstkritik in den Medien bemängelte bei aller Zustimmung die Auswahl der Exponate. Multimedia-Projekte und Installationen fehlten völlig, merkte die "Nowyje Iswestija" an. Der Besuch der Ausstellung hinterlasse einen Eindruck wie der Besuch bei MacDonalds. Alles sei schnell, bekannt, effektiv und für alle bestimmt: "Art-Fast-Food" eben.