Husten am Hügel
Man zögert, ob ausgerechnet die "Bunte" als Zentralorgan deutscher Kulturverlautbarungen taugt. Der bald 88-jährige Wolfgang Wagner sieht das offenbar so. Der Bayreuther Festspielchef ließ durch seinen Pressesprecher Peter Emmerich an die "Bunte" ausrichten: Er denke nicht an einen Rücktritt noch in diesem Jahr. Er werde das Nachfolgeverfahren keinesfalls in Gang setzen. "Keiner kann Wolfgang Wagn
Das ist wohl wahr. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann kann ihn der Stiftungsrat aufgrund eines Passus im Mietvertrag für das Festspielhaus auf seine Zurechnungsfähigkeit untersuchen lassen. Die Stiftung Bayreuther Festspiele hat die Immobilie nämlich nur an eine geschäftsfähige Festspiele GmbH vermietet, deren einziger Gesellschafter Wolfgang ist - und eben nicht Gudrun Wagner, die längst als heimliche Hügelherrin gilt. Den augenblicklichen Unmut über den miesen "Ring", mittelmäßige Dirigenten und provinzielle Sänger mag der Bayreuth-Gewaltige an sich abperlen lassen. Ebenso mag er das plötzliche Defizit mit der schwindenden Kaufkraft der eingefrorenen Subventionen erklären. Doch solche Vorkommnisse munitionieren nur die Gegenseite. Am Hügel war immer alles öffentlich, vor allem das Hohe Paar vor der Tür beim Premierenaufmarsch. Wenn sich da etwas ändert, sollte man nicht unbedingt die "Lüsternheit" kritisieren, mit der viele auf Wagners Abgang warten würden. Das hat sich der greise Prinzipal selbst zuzuschreiben.
Von Umdenken ist also dort oben weiter keine Rede. "Diejenigen, die in diesem Herbst auf eine Art von großem Knall oder Erlösung hoffen und weißen Rauch aufsteigen sehen wollen, werden enttäuscht werden. Das ist Unfug", so Peter Emmerich. Schließlich habe Wolfgang Wagner schon bis 2013 Regieverträge abgeschlossen. Die müssen erfüllt werden oder es wird teuer - ganz gleich, ob Wagner selbst dann noch da ist. Nike Wagner und Eva Wagner-Pasquier werden dann jedenfalls viel zu alt für Leitungsaufgaben sein. Ein Grund mehr für die Stiftung, noch diesen Herbst die Nachfolgefrage neuerlich zu diskutieren. Und wenn es nur eine Weichenstellung sein sollte: Sie wäre ein Anfang für das Amtsende von Wolfgang Wagner.