Perfekte Fassade mit Rissen: Der Schauspieler, Regisseur, Naturschützer und Präsidentenberater Rober: Der Umweltflüsterer - WELT
Perfekte Fassade mit Rissen: Der Schauspieler, Regisseur, Naturschützer und Präsidentenberater Rober

Der Umweltflüsterer

Von Claudia Lenssen
Veröffentlicht am 18.08.2007Lesedauer: 4 Minuten

Die Filmmetropole kennt er von ganz unten. Robert Redford, der Sohn eines Milchmanns, wurde in einer Vorstadt von Los Angeles geboren, mitten unter Latino-Nachbarn. In seiner Kindheit, betonte er, gab es auf der Straße keine Rassenvorurteile, weil man im Zweiten Weltkrieg ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt habe. Robert Redford, der heute 70 Jahre alt wird, ist davon überzeugt, dass dieses Zusammenleben wieder erreicht werden müsste.

Eine weitere Kindheitserfahrung prägt sein liberal-konservatives Weltbild. Es animiert ihn heute dazu, seine Filmgeschäfte als Sprungbrett fürs politische Engagement zu begreifen. Damals erwischte ihn eine leichte Kinderlähmung, deren Heilung die Mutter auf einem Ausflug feiern wollte. Sie fuhren durch einen Tunnel aus Los Angeles heraus, und da sah er den Yosemite-Park vor sich, zum ersten Mal in seinem Leben Ur-Natur. Das Bild wollte ihm nie mehr aus dem Kopf, es ist der Grund, warum "Mr. Independent" einer der einflussreichsten Naturschützer der USA geworden ist.

Zum Film, gar zum Starruhm kam der hübsche kleine Rotblonde erst als Spätberufener. Zu wild, zu traurig war seine Teenager-Zeit, als die Mutter starb. Charles Robert Redford jr. wuchs zwar mit seinen Baseball-Künsten über die Nachbarkinder hinaus und erhielt deshalb ein Universitätsstipendium. Doch mit viel Alkohol schmiss er alles hin und tat es den vielen jungen Amerikanern nach, die in den Fünfzigern im alten Europa auf Tramptour und Selbstfindung gingen. Als Straßenmaler soll er überlebt haben, sagt die Legende.

Wie so viele Kalifornier blieb er nach seiner Rückkehr in New Yorks Schauspielstudios und an Broadwaybühnen hängen. Redford hatte das Aussehen, das Talent und das Charisma eines kommenden Stars, behielt aber einen Dickkopf und genug Familiensinn, um sich zwischen den Engagements mit seiner Frau und drei Kindern (ein viertes starb den plötzlichen Kindstod) immer wieder ins damals noch idyllische Kreta zurückzuziehen. Er war zu distanziert, um ein echter Hippie zu werden oder sich im aufblühenden "New Hollywood"-Kino vorzudrängen.

Gene Saks' Verfilmung der Beziehungskomödie "Barfuß im Park" an der Seite der widerspenstigen Jane Fonda wurde 1967 sein erster großer Erfolg. Zwei Jahre darauf katapultierte ihn die Rolle des charmanten Bankräubers und Paul Newman-Partners in der Western-Komödie "Zwei Banditen" endgültig an die Spitze.

Mitte der 70er Jahre galt er als der kassenträchtigste Star der USA, und das mit Filmen, die das rebellische "New Hollywood"-Image mit dem Mainstream verschmolzen. Redford spielte Naturburschen, Dandys, Politiker, schräge Vögel, Soldaten und Journalisten und avancierte in jedem Kostüm zum Frauenschwarm und skeptischen Agenten des amerikanischen Traums.

In "Der Kandidat" wie in "Der große Gatsby" interessierten ihn Figuren, denen man anmerkt, dass ihre Perfektion Fassade ist. Seine Schauspielerei geriet in die Kritik, denn angesichts grassierender Marotten unter den Kollegen seiner Generation, z.B. Robert de Niro, Jack Nicholson und Dustin Hoffman, wirkten seine untheatralisch verschlossenen Charaktere manchmal hölzern. Heute schätzen ihn Filmhistoriker als Könner des Weniger-ist-mehr. Redfords lakonischer Kommentar: "Manche haben's mit der Psychoanalyse, ich hab's mit Utah." Seit langem lebt der geschiedene Single in den Rocky Mountains - zurzeit liiert mit der spirituellen deutschen Malerin Sibylle Szaggar.

Redford drehte sechs Filme mit Sydney Pollack, darunter das Trapper-Drama "Jeremiah Johnson", den Agenten-Thriller "Die drei Tage des Condor", das Barbra-Streisand-Vehikel "So wie wir waren", die Cowboy-Elegie "Der elektrische Reiter" und das Super-Melo der Achtziger, "Jenseits von Afrika", in dem er neben Meryl Streep den romantischen Liebhaber und Safari-Mann gab.

Früh gründete er eine eigene Firma und produzierte z.B. "Die Unbestechlichen", jenen Thriller über die Watergate-Affäre, in dem er mit Dustin Hoffman als investigativer Journalist Bob Woodward brillierte. Seine erste Regie, das Sozialdrama "Eine ganz normale Familie" trug ihm1980 einen Oscar ein, für sein Lebenswerk erhielt er 2002 einen zweiten. 1980 etablierte er auch das Sundance-Institut, eine Förderinstitution für den unabhängigen Film, aus der das gleichnamige Festival hervorging, das sich zur Drehscheibe des Arthouse-Kinos entwickelt hat.

Neben seinen filmpolitischen Aktivitäten bewiesen Redfords eigene Filme ein fundamentales Interesse an Fragen der Macht und ihres Missbrauchs in den Medien. Als Regisseur von "Quiz Show" entlarvte er z.B. Machenschaften des populären US-Fernsehens. Nicht zufällig beriet er den Präsidentschaftskandidaten Jimmy Carter bei dessen TV-Auftritten, indem er ihn anhand der Debatten zwischen Kennedy und Nixon über die richtige Rhetorik für die gute Sache instruierte. Heute richtet sich Redford heftig gegen die von Bush favorisierte Lobby der Rohstoff- und Papierindustrie, die die unter Carter erkämpften Naturschutzgesetze rückgängig machen will. Die Demokratische Partei agiert in diesem Kampf viel zu lasch, meint er. Redfords Fernsehkanal Sundance ist zu einem partei-unabhängigen Instrument der grünen Bewegung avanciert.

Tendierten Redfords "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" oder "Die Legende von Bagger Vance" zu schwerem Sentiment in Vater/Sohn-Konstellationen und sein "Pferdeflüsterer" zum Appell "Zurück zu den Wurzeln", so scheint der 70-Jährige zum Polit-Zeitstück zurückzukehren: Für den Herbst ist "Von Löwen und Lämmern" angekündigt, eine Geschichte über amerikanische Soldaten in Afghanistan.


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