Universitäten: 1000 mal studiert - WELT
Universitäten

1000 mal studiert

Von Wieland Freund
Veröffentlicht am 23.08.2007

Ein wenig klingt das nach dem millionsten Käfer, der vom Band gelaufen ist und gewiss verlost wurde, oder dem zehntausendsten Ausstellungsbesucher, der statt eine Eintrittskarte kaufen zu müssen, einen Blumenstrauß geschenkt bekam: Soeben wurde von der AQAS, der "Agentur für Qualitätssicherung durch Akkreditierung von Studiengängen" der tausendste neue Studiengang in Deutschland, wie es heißt: "ze

Im Jahr der Geisteswissenschaften ist das fraglos eine gute Nachricht und in Zeiten der globalisierten Wissensgesellschaft ebenso fraglos auch: Was global sein will, braucht die Kenntnis fremder Sprachen, und der zünftige Wissensgesellschafter hält jede Art von Didaktik hoch. Dass wir nicht etwas, sondern das Lernen lernen müssen, wird uns ja seit geraumer Zeit versichert, sogar die Telekom hat das in ihren Werbefilmchen schon gepredigt.

Tausend allerdings, das klingt auch immer nach Hybris, nach einem gewissermaßen babylonischen Elfenbeinturm - und es kriegt ja auch nicht jeder das derzeitige Nebeneinander von Exzellenz-Initiativen und Bologna-Prozess, der den Universitäten die Master- und Bachelor-Studiengänge erst beschert, zusammen. Er sähe, so sagte es neulich Luca Giuliani, der kluge neue Rektor des Berliner Wissenschaftskollegs, eine Kulturwissenschaft entstehen, die über alles reden könne, aber keine Verankerung im methodischen Handwerk einer bestimmten Disziplin mehr habe.

Giuliani ist Archäologe und vertritt ein Fach mit langer Tradition - das es allerdings, als kleines Fach, im Bologna-Prozess schwer hat. Und so würde man sich, ohne damit die Universität Gießen oder die Fremdsprachendidaktik zu meinen, wünschen, dass nicht nur tausenderlei Neues die Gnade der Gegenwart und ihrer diversen Zertifizierungsstellen fände. Denn womöglich wiegt ein altes Fach ja schwerer als hundert neue.


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