Das schönste Wort der Welt
Warum nur klagen Intellektuelle immer so wortreich über Castingshows? Ist doch ihr Beritt, das Schöne, Wahre und Gute, längst selbst vom Wahn besessen, unentwegt das Schönste, Wahrste und Beste küren zu müssen. Oder dessen Widerpart, das Hässlichste, Unwahrste und Schlechteste. So hat Deutschland einen Wettbewerb, der das "Wort des Jahres" betrifft. Einen, der das "Unwort des Jahres" bestimmt. Eine Ausscheidung, die sich um das schönste "ausgewanderte Wort" kümmert. Und eine, der es um das "meistbedrohte Wort" zu tun ist. Ist diese Neigung zur Selektion überhaupt noch steigerungsfähig?
Sie ist. Unter dem Vorzeichen der Globalisierung, dieser Wegbereiterin empfindsamer Rhetorik. Jetzt wurde bekannt, dass es auch ein "schönstes Wort der Welt" gibt. Der Gewinner ist: "Yakomoz". Es handelt sich um den türkischen Ausdruck für "Widerspiegelung des Mondes im Wasser". Sehr poetisch und zugleich so lakonisch!, befand die Jury. Auf den Plätzen folgen das chinesische Wort "hu lu" (schnarchen) und "volongoto" (das bedeutet in der Bantusprache Luganda so viel wie chaotisch).
Wir sind erfreut. Und bedauern, dass es zu einer Kür des schönsten extraterrestrischen Wortes in absehbarer Zeit nicht kommen dürfte.
Ruhm und Preis, Lob und Ehr von "Yakomoz" sind der Zeitschrift "Kulturaustausch" zu danken. Deren Herausgeber, das Institut für Auslandsbeziehungen, hatte sich zum Jahr der Geisteswissenschaften einen Wettbewerb namens "Das schönste ABC der Welt" einfallen lassen. Die Jury bestand zwar nicht aus Linguisten, dafür aber mit den Moderatoren Marion Brasch und Jörg Thadeusz sowie der Schriftstellerin Inka Parei aus Menschen, denen ein Gespür für Wohlklang zuzutrauen ist. Unter 2500 Einsendungen aus 60 Nationen fanden auch einige deutschen den Weg in das "schönste ABC": Zum Beispiel Bücherbus, Fernweh, Heilbuttschnitten, Kladderadatsch, Kristallklar, Nuckelpinne sowie - sehr aktuell - Schienenersatzverkehr und - passend zur Jury-Auswahl - x-beliebig.