British Council schließt Filialen in Russland
Der British Council schließt zwei seiner Filialen in St. Petersburg und Jekaterinburg, völlig aufgeben will er seine Tätigkeit in Russland dennoch nicht. "Unser Büro in Moskau wird, so hoffen wir, seine Tätigkeit fortsetzen", sagte ein Sprecher des Council. Er versicherte, dass Interessierte auch weiterhin über das Internet Informationen über Großbritannien erhalten würden.
Der British Council ist ein dem deutschen Goethe-Institut vergleichbares britisches Kultur- und Sprachinstitut, das seit 1934 existiert. In Russland sind die Briten seit Beginn der Neunziger tätig.
Das russische Außenministerium hatte im Dezember 2007 von London die Schließung der beiden Niederlassungen in den Regionen ab 1. Januar 2008 verlangt, da sie angeblich ohne Rechtsgrundlage tätig seien und keine Steuern zahlten. Die russische Seite behauptet seit langem, die vom Council angebotenen Sprachkurse stellten eine kommerzielle Tätigkeit dar. Der British Council ignorierte die russische Forderung und öffnete die Filialen nach den russischen Neujahrs- und Weihnachtsfeiertagen erneut.
Da griff der russische Inlandsgeheimdienst in seine Trickkiste. Der Leiter der Petersburger Niederlassung, Steven Kinnock, wurde zeitweilig festgenommen, weil er angeblich angetrunken Auto gefahren sei. Bei einer Verkehrskontrolle hätten die Milizionäre einen "starken Alkoholgeruch" festgestellt, was von zwei zufällig des Wegs kommenden Passanten bestätigt worden sei, teilten die Behörden mit. 30 russische Mitarbeiter des British Council in St. Petersburg wurden vom FSB verhört. Daraufhin schloss der British Council die beiden Filialen. Russlands "Einschüchterungs-Kampagne" mache die Arbeit unmöglich, begründete der Chef der Institution, Martin Davidson, in London die Entscheidung. Großbritanniens Außenminister David Miliband warf Moskau ein "verwerfliches Verhalten" vor, das "an ähnliche Angriffe während des Kalten Krieges" erinnere. Das sei "eines großen Landes nicht würdig".
Der seit langem schwelende Streit um den British Council hat damit einen weiteren Höhepunkt erreicht. Moskau signalisierte, dass es unter bestimmten Bedingungen zum Einlenken bereit sei. Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte einen russischen Diplomaten, der das Problem der regionalen Niederlassungen des British Council mit den von Großbritannien unterbrochenen Verhandlungen über eine neue Visa-Vereinbarung und der Unterbrechung der Kontakte zum russischen Inlandsgeheimdienst FSB in Zusammenhang brachte. Würde London diese Entscheidungen revidieren, wäre auch eine Regelung des Konflikts um den British Council machbar. Russlands Außenminister Sergej Lawrow räumte indes ein, dass der russische Druck auf den Council die Reaktion auf die Ausweisung russischer Diplomaten und den Abbruch der Kontakte zum FSB sei. Lawrow erwähnte indes nicht, dass sich London erst durch die Nichtauslieferung des mutmaßlichen Litwinenko-Mörders Lugowoi zu den harschen Maßnahmen gedrängt sah.
P.S. Juri Drosdow, Ex-Spion des KGB, glaubt den wahren Grund für das britische Beharren auf die Filialen in St. Petersburg und in Jekaterinburg gefunden zu haben: Bei einer Aufteilung Russlands wurde das Gebiet zwischen beiden Städten an Großbritannien fallen, Sibirien gehe an die USA, gab er der Staatsagentur RIA Nowosti zu Protokoll.