Glückwunsch: Der US-Künstler Cy Twombly wird 80 - WELT
Glückwunsch

Der US-Künstler Cy Twombly wird 80

Von Uta Baier
Veröffentlicht am 25.04.2008Lesedauer: 2 Minuten

Gewöhnlich äußert sich die Liebe zu einem bestimmten Künstler, die Bewunderung eines Kunstwerks im Anschaffen einer Postkarte, vielleicht eines Plakates oder Abreißkalenders. Manche kaufen sich auch das geliebte Bild - doch das sind die Wenigsten. Von Äußerungen des Hasses kann die Kunstgeschichte schon häufiger berichten: Säureanschläge, Messerstechereien, Hammerattacken.

Ganz anders die Französin Rindy Sam. Von spontaner Liebe erfasst, küsste sie im vergangenen Sommer ein zwei Millionen Euro teures Gemälde von Cy Twombly, das damals in Avignon ausgestellt war. Den Lippenstift habe sie vorher nicht mehr abwischen können - sie sei von der Liebe zu der weißen Leinwand überwältigt worden. Der Preis der Liebestat: 4500 Euro für die Restaurierung.

So viel Zuneigung für Cy Twombly, der eigentlich Edwin Parker Twombly jr. heißt, war lange Zeit ungewöhnlich. Denn die Farbspritzer und krakeligen Wörter, die Zahlenkolonnen blieben ein Insidertipp, selbst wenn Sammler Millionen für seine großformatigen Leinwände bezahlten und bezahlen.

In Europa, wo man Einzelgänger liebt und das wahre Künstlergenie gern im Unangepassten, Zeitlosen sucht, fand Twombly schneller Bewunderer als in seiner Heimat. Amerika beachtet den in Rom lebenden Sohn eines Baseballspielers erst seit 1994, als das Museum of Modern Art in New York ihm eine Retrospektive widmete. Im Jahr darauf wurde sein eigenes Museum, die "Cy Twombly Gallery", von der Menil-Collection in Houston eingerichtet. Da hatte der heute vor 80 Jahren in Lexington/Virginia Geborene seine beste Zeit allerdings bereits hinter sich.

Denn schon in den Sechzigern tauchten die Götter der Antike in seinen Bildern auf - allerdings nur als Schriftzüge, halb verwischt, übermalt, wie Andeutungen. Und Andeutung bleibt auch, was die Liniengewirre mit den Götternamen wohl zu tun haben könnten. Twombly faszinierte, weil er verwirrte, sich keiner der gängigen Kunstrichtungen anpasste, weil seine fein gewirkten Farb- und Liniengebilde keinen Sinn preisgeben.

"Zurückgeworfen auf sich selbst" fühlen sich die Betrachter und Kritiker deshalb regelmäßig. Denn zugeben, dass es nichts zu verstehen gibt, wo doch der Name eines griechischen oder römischen Gottes geschrieben steht, will niemand so gern. Als ein großes "Epos des Skripturalen" beschrieb daher der große Ausstellungsmacher und Kurator Harald Szeemann Twomblys Werk.


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