Glosse: Mehr positive Nachrichten - WELT
Glosse

Mehr positive Nachrichten

Von Rainer Haubrich
Veröffentlicht am 27.06.2008Lesedauer: 2 Minuten

Die Rumänen sollen künftig mehr gute Nachrichten hören. Das Parlament beschloss am Mittwoch, dass Nachrichtenprogramme im Fernsehen und im Radio in gleichem Maße positive wie negative Nachrichten enthalten müssen.

Noch ist nicht klar, ob Staatspräsident Traian Basescu dieses Gesetz wirklich unterzeichnen wird. Aber die Absicht der Initiatoren, Gheorghe Funar von der ultranationalistischen Partei Romania Mare, und Ioan Ghise von der regierenden Nationalliberalen Partei, ist klar: Ihr Ziel ist es, "das allgemeine Klima zu verbessern und dem Publikum die Chance zu geben, das Alltagsleben in ausgewogener Weise wahrzunehmen, sowohl psychisch als auch emotional". Studien beweisen angeblich, dass schlechte Nachrichten schädlich für die Gesundheit sind. "Zutiefst verfassungswidrig" nennt diese neue Regelung dagegen Mircea Toma, Vorsitzender des Presse- und Bürgerrechtsvereins "Agentur zur Beobachtung der Presse". Auch der Vorsitzende der Fernseh-Aufsichtsbehörde CNA, Rasvan Popescu, hält das Gesetz für "nicht anwendbar".

Aus deutscher Sicht ist die Aufregung der Herren Toma und Popescu nur schwer nachzuvollziehen. Denn hier zu Lande gibt es ein solches Gesetz schon seit vielen Jahren. Wie gewissenhaft es befolgt wird, erwies sich auch jetzt wieder nach dem Halbfinalsieg der deutschen Fußballer gegen die tapferen Türken in Basel. Die schlechte Nachricht etwa, dass das Bild ausgefallen sei, wurde durch die positive Nachricht des Kommentators Bela Rethy aufgewogen, dass die deutsche Mannschaft bis an die gegnerische Strafraumgrenze vorgedrungen sei. Nach dem Ende des Spiels wurde die exzellente Chancenauswertung der Löw-Truppe genauso häufig erwähnt wie das unkonzentrierte Spiel der Deutschen. Selbst die Worte "ja!" und "aber ..." waren genau gleich stark vertreten.


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