Verbrechen lohnt sich
Der erste Film der "Ocean's"-Serie zeigte Frank Sinatra und Friends wie im wirklichen Leben
In Deutschland lief der Film "Ocean's Eleven" von 1960 unter dem Verleih-Titel "Frankie und seine Spießgesellen" und deckte damit den ebenso märchenhaften wie biografischen Bezug der Story auf.
Märchenhaft insofern, weil der Coup darin bestand, dass elf ehemalige Kriegskameraden, ihres Zeichens Fallschirmjäger einer legendären Truppe des Zweiten Weltkriegs, die sämtliche Kasinos des damals klassischen Las Vegas - also das "Sahara", das "Sands", das "Riviera", das "Desert Inn" und das "Flamingo" - in einem Sturmangriff an Sylvester mit einem Husarenstreich in konzertierter Militäraktion ausrauben. Und zwar mit allem Drum und Dran, einschließlich Strom-Blackout und Müllabfuhr.
Das Märchenmuster dieses unblutigen Raubzugs ist natürlich das Grimm'sche Märchen "Sechse kommen durch die ganze Welt". Dort holt sich bekanntlich ein um seinen Lohn geprellter Soldat mit seinen Kumpanen, die über überirdische technische Kräfte verfügen, zum Schluss nichts Geringeres als den gesamten Goldschatz des Königs.
Als Doku-Soap zeigt der Film vor allem anderen erst einmal, dass Frank Sinatra und seine Hollywood-Spießgesellen, das so genannte "Rat Pack", wirklich in Las Vegas zu Hause waren, dazu mit der dortigen Mafia-Unterwelt verbandelt wie in einer Symbiose. Und dass sie dort neben ihren glanzvollen Auftritten als Entertainer heftig gesoffen, gezockt und herumgehurt haben, was man ja schließlich auch nirgends besser konnte, damals jedenfalls, als hier, wo die Nacht zum Tage gemacht wurde und platinblonde Masseusen allzeit servicebereit zur Verfügung standen.
Sinatras Spießgesellen, also Sammy Davis junior, Dean Martin und Peter Lawford, treten hier quasi als sie selbst auf, ganz wie im richtigen Playboy-Leben, das als einzige Sause gefeiert wird. Wie anno dazumal natürlich jeder Zuschauer wusste.
Somit entstand die Mutter aller "Oceans"-Filme. Und obwohl die Kritiker, wie nicht anders zu erwarten, von Anfang an die Nase rümpften, wurde "Ocean's Eleven" eine Gattung, die ähnlich wie die Bond-Filme mit dem ersten Erfolg ein eigenes Genre schufen, bei dem die Schlussmoral "crime doesn't pay" (Verbrechen lohnt sich nicht) nur ein Augenzwinkern in dieser Glitzerhauptstadt des legalisierten, vollklimatisierten Verbrechens war beziehungsweise in ihr Gegenteil verkehrt wurde.
Mindestens zwei Hauptdarsteller, und zwar Dean Martin und Peter Lawford, immerhin der Schwager John F. Kennedys, soffen sich dabei allerdings um ihre Leber und um ihr Leben. Aber das stellte sich erst Jahre später heraus.