Kollegen für Kundera
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Mächtige Verbündete hat er jedenfalls. Nicht weniger als vier Literatur-Nobelpreisträger (Coetzee, Marquez, Gordimer, Pamuk), aber auch viele andere klingende Namen finden sich unter den elf Kollegen, die sich jetzt ohne Wenn und Aber vor ihren tschechischen Schriftsteller-Kollegen Milan Kundera stellen. Sie sprechen von einer "Verleumdungskampagne", die gegen ihn losgetreten wurde, und bekunden ihre "Empörung" angesichts der Vorwürfe, Kundera habe als Student gespitzelt und 1950 einen Anti-Kommunisten angezeigt. Die wortgewaltige Solidaritätsadresse lässt das Schweigen des Beschuldigten umso erratischer erscheinen. Denn Kundera hat dementiert, aber nichts erklärt und nichts erzählt. Er bleibt bei seiner restriktiven Informationspolitik.
Das nötigt einem einerseits Respekt ab. Schriftsteller, die nicht über jedes Stöckchen springen, das man ihnen hinhält, sind selten geworden. Und gerade die Verweigerung gegenüber den oft sehr künstlichen Aufgeregtheiten des französischen Literaturbetriebs, die der in Paris lebende Kundera seit Jahren an den Tag legt, hat ihn in den Augen seiner vielen begeisterten Leser auch menschlich glaubwürdig gemacht. Doch dass er, der sich so differenziert in seinem Werk mit dem Verrat auseinandersetzt, nun selbst in den Verdacht geraten ist, einen Menschen verraten zu haben, ist etwas anderes, als sich bei sogenannten Debatten zurückzuhalten und sich auf Tagungen und in Talkshows nicht zu zeigen. Immerhin liegt ja eine schriftliche Meldung bei der Polizei vor, immerhin wurde der denunzierte Miroslav Dvoracek zu 14 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Da wüsste man denn doch gern Genaueres. Und man wüsste es vor allem gern von Kundera, der diesen Dvoracek in seiner Jugend gut gekannt hat.