"Familie spielt keine Rolle"
Warum Iris und Oliver Berben so gern gemeinsam Filme machen: Ein persönliches Gespräch
Schon immer hat Produzent Oliver Berben Filme seiner Mutter Iris Berben produziert, darunter Mehrteiler wie "Afrika, mon amour", "Die Patriarchin" oder die "Rosa Roth"-Reihe. Heute ist Iris Berben im ZDF in der auch von ihrem Sohn mit entwickelten Serie von Neuverfilmungen alter Simmel-Romane zu sehen. Ihre jüngste Kooperation waren die Dreharbeiten zum ZDF-Dreiteiler "Krupp. Eine deutsche Familie". Peter Beddies hat mit beiden über familiäre Bande gesprochen.
Die Welt:
Geht man nicht, schon aus Prinzip, in eine ganz andere Richtung als seine Eltern?
Oliver Berben:
Nein, nicht unbedingt. Ich hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Von meinem Vater, der ja mit dem Filmgeschäft nichts zu tun hat, habe ich alles Wirtschaftliche gelernt.
Also nie Konflikte mit den Eltern?
Oliver Berben:
Oh doch, aber die normalen. Na ja, all das, was jeder von sich kennt. Aber ich hatte nie diese Rebellenphase, dass ich gesagt hätte, ich möchte das Leben meiner Eltern nicht leben.
Wann haben Sie erstmals realisiert: Mama ist Schauspielerin?
Oliver Berben:
Das muss zurzeit der Serie "Himmlische Töchter" gewesen sein.
Wann wussten Sie, dass aus Ihrem Sohn kein Schauspieler wird?
Iris Berben:
Ziemlich zeitig. Er ist immer schon jemand gewesen, der sich nie in den Vordergrund drängt. Es ist schon sehr schwer, ihn überhaupt mal vor eine Kamera zu bekommen.
Und wann haben Sie es gewusst?
Oliver Berben:
Sofort. Meine Mutter hat mich mal zur Arbeit mitgenommen, da muss ich so fünf gewesen sein. Es ging um einen Auftritt als ihr Filmsohn. Ich sollte nur einmal durchs Bild laufen. Das war für mich der größte Albtraum. Nur herum sitzen und warten. Für diesen Job braucht man Talent; das habe ich nicht!
Frau Berben, Sie sagen gern, dass Sie sich den Luxus leisten, nur mit den Besten zu arbeiten. Schließen Sie Ihren Sohn da mit ein?
Iris Berben:
Ausdrücklich! Das allererste, was mir zu Oliver einfällt, ist seine Leidenschaft und seine Fähigkeit, Menschen zu vermitteln, dass sie die Richtigen sind für den Job. Er ist auch der kühle Rechner, der ein Produzent nun mal sein muss. Da hat ihm sicher sein Studium der Elektrotechnik, Raumfahrt, Mathematik sehr geholfen. Er ist ein Macher. Aber einer mit weniger Kalkül und dafür mehr Herz.
Gehen Sie da mit?
Oliver Berben:
Na ja, Leidenschaft hängt ja auch immer ein bisschen mit Leiden zusammen (lacht). Nein, ich denke schon, Leidenschaft ist für alles im Leben ein wichtiger Triebmotor.
Vom Studium der Raumfahrt zum Film scheint es ein recht großer Schritt zu sein.
Oliver Berben:
Je nachdem, wie man es sieht. Raumfahrt war meine große Leidenschaft.
Iris Berben:
Das kann ich bestätigen. Oliver wollte nie etwas anderes studieren. Deshalb war es ja auch eine Überraschung, als er sich nach Jahren des Studiums plötzlich völlig neu orientierte.
Bekamen Sie gleich so schöne Jobs, als Sie zum Film wollten?
Oliver Berben:
Nein, überhaupt nicht. Ich war unter anderem Kabelträger und Fahrer. Fahrer war ich besonders gern, weil ich damals noch kein Auto hatte.
Wann wurde das zur Gewissheit, ich will zum Film?
Oliver Berben:
Ich habe das ja während der vier Jahre Studium öfter gemacht. Dabei sind die Aufgaben gewachsen. Aufnahmeleitungshilfe, zweite Regieassistenz. Erst als im Umkreis der Regieassistenz war, habe ich gemerkt, wie viel Spaß ich daran habe. Und auf der anderen Seite der trockene Universitätsalltag.
Das klingt nach einer eindeutigen Entscheidung. Aber auch nach einem Machtwort der Frau Mama.
Iris Berben:
Ich habe Oliver während des Studiums sehr kurz gehalten. Er durfte nur während der Semesterferien bei Filmproduktionen arbeiten. Ich wollte ihm zeitig klarmachen, dass Erfolg im Leben nicht selbstverständlich ist. Dass man im Leben durch das einen Namen bekommen soll, was man geleistet hat.
Waren Sie erst mal erschreckt, als er zum Film wollte?
Iris Berben:
Ja. Ich habe ihm auch nicht sofort zugeredet. Ich wollte, dass er sich entscheidet. Oliver hat mich damals gefragt: "Was ist, wenn ich Dich enttäusche?" Ich habe gesagt, dass er mich nicht enttäuschen wird. Wenn er etwas findet, das ihn interessiert, dann wird das keine verlorene Lebenszeit sein.
Hat sich das in Ihrer Erinnerung auch so abgespielt, Oliver?
Oliver Berben:
Das stimmt so nur bedingt. Die Situation war eine andere. Ich war mir damals nicht so ganz sicher, was ich überhaupt machen soll. Nach dem Gespräch war mir klar, dass ich mein Studium abschließen wollte. Das wäre mir sonst wie verschwendete Lebenszeit vorgekommen.
Und was ist nun mit Ihrer Begeisterung für Luft- und Raumfahrt?
Oliver Berben:
Ist nach wie vor da.
Mutter und Sohn sind in der gleichen Branche gelandet.
Oliver Berben:
Richtig ist, wir sind in der gleichen Branche. Aber wir haben nicht den gleichen Beruf. Ich habe von Schauspielerei so viel Ahnung wie vom chinesischen Reisanbau. Ich kann sie aber beurteilen. Das gibt mir eine gewisse Distanz, die sehr gut ist.
Iris Berben:
Sehe ich genau so. Wenn wir uns während der Arbeit sehen, dann ist natürlich das eine oder andere Gespräch schneller geführt. Aber generell ist es so, dass die Professionalität überwiegt und die Familie kaum eine Rolle dabei spielt.
Wenn man einen Film produziert, in dem es um große Gefühle geht, macht man sich da Gedanken, ob wir das oder das von uns preisgeben?
Oliver Berben:
Nein, für mich gilt das auf keinen Fall. Wenn ich einen Film angehe, dann geht es um den Stoff und darum, ob das das Publikum interessieren könnte.
Frau Berben, ist Ihnen dieses Gedankenspiel zu abstrakt?
Iris Berben:
Nein, gar nicht. Das lebe ich seit 40 Jahren. Dadurch treten Mechanismen in Kraft, die einem zur zweiten Natur werden. Über das Arbeiten rede ich gern. Ich weiß auch, dass es manche Leser interessiert, was ich auf welcher Gala trage. Da gehe ich noch mit. Aber was privat ist, sollte auch privat bleiben. Das hat nichts mit Flucht zu tun. Ich bitte nur einfach darum, meine Privatsphäre zu berücksichtigen.
"Gott schützt die Liebenden", heute, 20.15 Uhr, ZDF