Kommentar: Kultur ist konservativ - WELT
Kommentar

Kultur ist konservativ

Autorenprofilbild von Berthold Seewald
Von Berthold SeewaldFreier Autor Geschichte
Veröffentlicht am 27.12.2008Lesedauer: 2 Minuten

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In diesen Tagen des Resümierens und der Besinnung sind wir ja schon dankbar für kleine Fingerzeige, dass die allgegenwärtige Krise so apokalyptisch nicht ist. Eine solche Nachricht hält der Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, Stefan Michalk, parat: So rechne die Musikindustrie für 2008 nur mit "einem kleineren Umsatzminus im einstelligen Bereich". Schon 2007 war der Umsatz mit Musikprodukten um 3,2 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro zurückgegangen. Dagegen seien die Erlöse aus Geschäftsfeldern wie Lizenzen, Konzerte und Merchandising gestiegen. Und die Branche eröffne sich, in den USA zumal, immer neue Vertriebskanäle wie etwa Festplatten, auf denen Musikdateien vorinstalliert sind.

Was daran positiv ist? Im Vergleich zu den USA oder Großbritannien seien die deutschen Hörer konservativ, sagt Michalk. "Viele haben ein Handy, mit dem sie Musik hören könnten, nutzen diesen Service aber gar nicht." Für diesen kulturellen Konservativismus ließen sich weitere Beispiele benennen. Handy-Filme, in Ostasien ein Renner, laufen hierzulande noch nicht richtig. Dagegen melden Theater steigende Auslastung und die Museen einen regelrechten Boom. Und selbst gedruckte Medien haben zwar unter der Werbeflaute zu leiden. Doch noch immer sind ihnen Millionen treu. Die von Medienwissenschaftlern immer wieder zitierte Revolution lässt, anders als im angelsächsischen oder skandinavischen Bereich, noch auf sich warten.

Offensichtlich ticken die Uhren in Zentraleuropa ein bisschen anders als in anderen Teilen der Welt. Das heißt nicht, dass viele Neuerungen nicht auch hierzulande Einzug halten werden. Aber es zeigt zumindest, dass kulturelle Prägungen durchaus einen Firnis gegen allzu hektische Trendwechsel sein können.


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