Überall ist Strindbergshausen - WELT

Überall ist Strindbergshausen

Von Fritz J. Raddatz
Veröffentlicht am 07.02.2009Lesedauer: 12 Minuten

Der Wedekind-Nachfahr Anatol Regnier legt die brillante Biografie des Dichters von "Frühlings Erwachen" vor und liefert dabei ein beklemmendes Panorama aus der Ära des Wilhelminismus

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Frank nannte Bertolt Brecht seinen Sohn, den ihm die - meist zärtlich "Bie" genannte - Geliebte Paula Banholzer am 30. Juli 1919 gebar. Es war des Dramatikers einziger Sohn, er fiel als Soldat der von Brecht zeitlebens wüst verachteten Hitlerarmee bei deren Überfall auf die Sowjetunion. Das klingt bereits wie ein nachhallender Auftakt zu der "Männertragödie", wie Anatol Regnier seine glänzende und temperamentvoll geschriebene Frank-Wedekind-Biografie im Untertitel nennt; denn die Namensgebung war Brechts Huldigung an jenen Bühnenautor, der seinem Nachfahr Vorbild war, und der durch ein unglückliches Leben von hämischen Verrissen begleiteter Misserfolge irrte, ein Frauenverehrer, der die Liebe schmähte, und ein Kämpfer gegen den Zeit-Ungeist, dem man dies mit fast ständigen Verboten seiner Stücke entgalt. Atemlos gebannt sieht man Regniers so sorgsam gezeichnetes Porträt, in dem bis zu bizarren Details eben auch immer das Bildnis des armen BB durchscheint; nicht bedeutungsschwer ausgepinselt, denn Regnier, dem wir ja bereits ein Buch über Wedekinds Frau Tilly und die Töchter Pamela und Kadidja verdanken, führt eine leichte Feder. Was nicht "leichthin" bedeutet. Seine genauen Kenntnisse wie die anekdotenreiche Erzählweise, sein Respekt ohne knieendes Weihrauchschwenken hinterlassen einen Leser im Glück.

Da unser Literaturbetrieb ja dem Geschwindschritt der Aktualität folgt, nehme ich das vielleicht nur Eingeweihten bekannte Ende vorweg. Tilly Wedekind (übrigens des Biografen Großmutter), gefeierte Darstellerin nicht nur der "Lulu", überlebte ihren 1918 mit 53 Jahren gestorbenen Mann Frank Wedekind um 52 Jahre, heiratete nie wieder, hatte zahlreiche Affären - die vielleicht wichtigste, jedenfalls spannungsreichste mit Gottfried Benn. Tochter Pamela (des Biografen Mutter) galt als Enfant terrible der 20er Jahre, verlobte sich 1925 mit Klaus Mann, heiratete 1930 Carl Sternheim und später den Schauspieler Charles Regnier (den Vater des Biografen). Ihre erst 1994 gestorbene Schwester Kadidja, Autorin eines erfolgreichen Kinderromans, war 1949 aus der amerikanischen Emigration zurückgekehrt und verwaltete von da an den Nachlass des berühmten Vaters.

Soweit der Sprung voran. Die eigentliche Familiengeschichte ist bereits so farbig erzählt, dass man über den leisen Karl-May-Beigeschmack gern hinwegsieht. Immerhin hat der Bericht den Vorteil, nicht erfunden zu sein. Jene leicht anrüchige Dame aus dem Etablissement "Tuckers Hall", Emilie, die der auf Diskretion bedachte Vater des Dramatikers, ein Mediziner, sicherheitshalber in Oakland heiratet, ist nämlich schon auf der Rückreise nach Europa hochschwanger, und in Hannover entbindet der Ehemann persönlich. Am Sonntag, dem 24. Juli 1864, wird in der Großen Aegidienstraße 13 Benjamin Franklin Wedekind geboren. Habemus poetam.

Doch ein Sonntagskind im sprichwörtlichen Sinne - auch wenn die Familie bald ein etwas zu protziges "Schloss Lenzburg" im Aargau besitzt - ist der Mann, den wir als Frank Wedekind kennen, nicht. "Strindbergshausen" hätte das schauerliche Gebäude auch heißen können; der Name fällt nicht von ungefähr, wie wir noch sehen werden. Noch als erwachsener Mann mit 44 Jahren erinnert er sich voller Scham der ehelichen Szenen im Elternhaus; sie lassen ihn, ein Schisma betreibend, unheildräuend, ein Lebensmotto formulieren, das seine innere Existenz zermalmen wird: "Die Ehe ist außer unserer Geburt und unserem Tod das Unerbittlichste, dem wir Menschenkinder verfallen sind." Diese Bitterkeit ist das süße Gift einer menschlichen Selbstzerstörung - und ist zugleich der Trank, den er begierig schlürft, um sein Werk formen zu können. Vorerst läuft alles seinen Gang der bürgerlichen Verlogenheit. Abitur. Hausverbot durch den 70-jährigen Vater, der erbost alle Zahlungen einstellt, als sich herausstellt, der Filius ist öfter in Münchener Theatern anzutreffen als im Kolleg, ja genießt gar einen zweifelhaften Ruf als zur Laute singender Vortragskünstler. So ist der Beginn der Künstlerkarriere einigermaßen ungewöhnlich: Im November 1886 beginnt Frank Wedekind einen - heute würde man sagen - "Job" bei Julius Maggi, dem Erfinder jener Gemüsemehle, aus denen man in Minutenschnelle Suppen herstellen kann. Der "Vorsteher des Reklame- und Preßbüros der Firma Maggi" versucht sich als Werbetexter, der Erlös ist mickrig, pro verkaufter Reklame 1 Franken 50, ausbezahlt am Monatsletzten. Der Gewinn ist beträchtlich. Anatol Regnier summiert ihn in seiner angenehmen Saloppheit: "Dr. Wedekind verzeiht, und mehr als das: Um dem Sohn vielleicht doch noch als Autor auf die Beine zu helfen, gewährt er ihm ein weiteres halbes Jahr Unterhalt; erst bei abermaligem Scheitern soll er wieder auf die Universität."

Es häufen sich - gelegentlich gedruckt, öfter abgelehnt - nun ernsthafte literarische Versuche. Und es häufen sich die Amouren, stets nach derselben Melodie intoniert: "Für den Schriftsteller wäre die Ehe ein Verderb"; "Brautnacht ohne Grauen nicht zu denken"; "eher könnte es eine Welt ohne Kriege geben, als eine ohne Prostitution" - denn eine Prostituierte, da von ihr weder häusliche Enge noch regelmäßig geforderter Sexualverkehr droht, jagt ihm nicht die Kastrationsangst vor einer Gefährdung seiner kreativen Kraft ein. Es ist nicht Schlüpfrigkeit, es ist vielmehr analytische Genauigkeit, mit der unser Biograf bis in kleinste Zitatschnipsel die Verschränkung von Lebensentwurf und Werk, gelebter Erfahrung des Mannes Wedekind mit seinen so rabiaten wie beständigen Kunstskandalen verknüpft. Welche Skandale? Wir haben uns klarzumachen: Deutschsprachige Literatur des Wilhelminismus keimte unter einer aus Bigotterie, Verboten und Schimpfierpresse engmaschig gehäkelten Decke.

Wedekind arbeitet - oft als Gast auf dem Familienschloss Lenzburg, mal in Zürich oder München - an einem Stück, das man getrost die brutale Dramatisierung seiner Lebensphilosophie nennen darf (was Anatol Regnier in einem seiner besten Kapitel auch tut). Nachdem er "Frühlings Erwachen" Ostern 1891 beendet, noch im Selbstverlag in Zürich mit einem Umschlag von Franz Stuck, erstmals allerdings unter dem Namen Frank Wedekind publiziert hat, reist der 27-Jährige nach Paris, das er hymnisch begrüßt: "Ein solches Sichüberbieten von Geschmack und Grazie hätte ich nie für ausführbar gehalten." Er schlürft aber auch den Lasterkelch, sammelt Mädchen - gerne auch minderjährige - in Tanzlokalen, Cafés oder Nachtbars auf; mal reicht das rasche Rencontre nur zu "zwei Opfern" (wie er den Orgasmus nennt), mal zu einer kleinen Armee von Filzläusen.

Wedekind, der mit französischen Intellektuellen keinen Kontakt hat, sammelt Typen, Gesten, Gesichter, Frauengeruch wie ein Schmetterlingsjäger seine Falter. Im Juni 1892 hat er während eines Spaziergangs auf den Champs-Elysées die Idee zu einer "Schauertragödie": Lulu ist geboren. Regnier meint: "Als Quelle nennen Forscher eine gleichnamige Pantomime, uraufgeführt 1888 im Pariser Nouveau Cirque. Lulu ist dort eine clownesse danseuse, ein Herz aus Stein spielt eine Rolle. Möglicherweise hat Wedekind auch den französischen Roman ,La femme-enfant' von Catulle Mendès gelesen, in dem ein Maler die Tänzerin Lili wegen ihrer Promiskuität und lesbischen Verstrickung mit seiner Eifersucht verfolgt."

Ein Zwischenspiel in London ist trotz der angeblich 120 000 dort tätigen Huren eher belanglos. Schon im Juni 1894, seine Finanzen erschöpft, die Bewerbung als Büromitarbeiter bei einem deutschen Kaufmann ergebnislos, ist Wedekind zurück in Paris. Flüchtige Bekanntschaften: Mit einem vier Jahre jüngeren Hochstapler, der zwei Frauen schwängert und die Zeit der Niederkunft mit einer Geliebten verbringt, also von Wedekind bewundert wird; mit dem jungen Verleger Albert Langen, zu dem er trotz Mitarbeit am späteren "Simplicissimus" ein enges Band des Hasses knüpft; mit jener Lou Andreas-Salomé, die in Rilkes Leben bald eine so wichtige Rolle spielen wird. Und Arbeit. "Die Büchse der Pandora", wie das Stück erst heißen soll, zu Teilen in englisch und französisch geschrieben und angelegt auf fünf Stunden Spieldauer, muss umgearbeitet werden; von fast allen Stücken gibt es verschiedene Fassungen, oft im Abstand von Jahren neu konzipiert.

Aber wo bleibt der Erfolg, nach dem er hungert? Der Biograf berichtet von einem Debakel, das man getrost Schlüsselerlebnis nennen darf, eine niederschmetternde Erfahrung, die zum Basso continuo des Schriftstellers und Schauspielers (Wedekind interpretiert ja viele seiner Rollen auf der Bühne selber) werden soll. In Max Liebermanns fürstlichem Palais am Pariser Platz will er mit einer Lesung seines Dramas "Der Erdgeist", Januar 1895, Berlin erobern, die Stadt, die "mehr Theater als Kirchen" hat und in der tonangebende Kritiker wie Maximilian Harden oder Autoren wie Otto Julius Bierbaum Einfluss haben. An jenem Abend versammeln sich Heinrich und Justus Hart, der Dramatiker Otto Erich Hartleben, der Regisseur Otto Brahm und Ludwig Fulda. Die Lesung geht in Gelächter unter. Je ernster und feierlicher Wedekind liest, desto mehr wird in Taschentücher geprustet; ein ernsthafter Autor wird in einem Meer unangebrachter Heiterkeit versenkt. An eine Aufführung, auch bei der progressiven "Freien Bühne", ist nicht zu denken. Nicht jetzt und nicht auf lange Zeit.

Es presst einem den Atem ab. Da spaltet sich einer den Schädel und zeigt sein zuckendes Hirn; da reißt sich einer die Brust auf und weist sein blutendes Herz vor - und man achtet nur auf die Haartolle und belächelt ein schlecht sitzendes Hemd. Und hier liegt eines der großen Verdienste von Regniers Buch: Über viele hundert Seiten macht er klar, dass es sich bei Wedekinds Werk keineswegs um ein gradliniges Umstülpen privater Obsessionen, sondern, mit viel mehr Gewicht, um die Demonstration gesellschaftlicher Verwerfungen handelt. Private Traumata sind zugleich die Albträume seiner Zeit.

"Der Erdgeist", inzwischen vom ungeliebten Albert Langen verlegt, wird noch lange nach der schmählich misslungenen Lesung von Paul Schlenther für die "Freie Bühne" abgelehnt. Jeder Strohhalm, nach dem der fast mittellose Dramatiker greift, zerknickt. Die Mutter - nach günstigem Verkauf des Schlosses nun wohlhabende Witwe - schickt nicht einmal dringlich erbetene 20 Mark. Seine derzeitige Geliebte - 1895 vor ihrem Mann August Strindberg geflohen - ist Frida Strindberg; man erinnere sich meiner vorwegnehmenden Namensgebung des ungefügen Schlosses. Sie wird schwanger, während der werdende Vater eine andere Affäre hat. Am 18. August 1897 wird in München Max Friedrich Strindberg geboren - Wedekinds Sohn, den er viele Jahre hindurch nicht zur Kenntnis nimmt, bis der taktlose junge Mann dem per Sie angeredeten Vater eigene Stücke schickt. Der Annäherung ist das Zerwürfnis eingebaut. Ein halbes Jahr nach der Geburt des "versehentlichen" Sohnes findet eine andere Geburt statt. Am 25. Februar 1898 geht im Leipziger Kristallpalast der Vorhang hoch für den "Erdgeist", Wedekind spricht den Prolog im roten Frack, Hetzpeitsche und Revolver in den Händen, Zimbelklänge und Paukenschläge begleiten die Verse. Ein Kind. Ein Stück. Genau genommen sind es zwei Geburten. Die Verrisse hageln: "Dieser crasse Unsinn, ausgeschmückt und verziert mit einer Fülle abstoßender Cynismen in Rede und Handlung erfüllt mit angekränkelten und perversen Lebensanschauungen, in den tragischen Momenten abstoßend, in den komischen unschön wirkend *...*."

Unter dem Titel eines Wedekind'schen Bösspruchs - "Der Mensch wird abgerichtet oder er wird hingerichtet" - ließe sich unschwer eine Anthologie der Presse-Verdikte (und persönlichen Demütigungen) zusammenstellen. Selbst früher dem Dramatiker gewogene Kritiker wie Siegfried Jacobsohn rügen an der Berliner Aufführung von "Franziska" an den Reinhardt-Bühnen 1913 "den peinigenden Eindruck eines Sprechautomaten, der ohne Punkt und Komma immer wieder, immer wieder seine Walze abschnurrt"; von "Geschwafel", "Nonsens", "die abgeschmackte Vergeudung unserer Zeit" ist die Rede. Da hilft auch Erfolg nicht. "Frühlings Erwachen" etwa bleibt 20 Jahre auf dem Spielplan des "Deutschen Theaters" und wurde das meistgespielte Stück der Ära Reinhardt.

Erfolg heißt auch Komfort. Passé die möblierten Zimmer und die erbettelten Honorare. Erfolg hat aber auch doppelten Boden, selbst wenn man inzwischen eine 5-Zimmerwohnung in der Nähe des Berliner Tiergartens bewohnt. Wer ist "man"? Wedekind hat trotz aller Selbst-Abschwörungen die 20 Jahre jüngere Schauspielerin Tilly Newes geheiratet - es wird eine Zeit des grässlichsten Glücks und des wundersamsten Unglücks. "Immer nur war es der mächtige Trieb, aus dem an Freude nichts übrig blieb" notiert er und dekretiert: "Der Schwanz ist der Lebenszweck. Der Kopf ist der Tröster des Schwanzes. Die geschlechtlichen Fähigkeiten bestimmen den Werth des Menschen." Aber genau daran hapert es von Beginn an. Tilly ist eine reizvolle junge Frau, die Kleider und Hüte und elegante Auftritte liebt; sie glänzt als "Lulu" und in vielen Wedekind-Stücken mit ihm gemeinsam auf europäischen Bühnen. Aber - obwohl ein "sehr erotischer Mensch", habe der Ehemann sie nur selten "zur vollständigen Auslösung" (vulgo: zum Orgasmus) gebracht; immer mehr wird Onanie ihre eigentliche Sexualität, was Depressionen, Uninteressiertheit, Traurigkeit bewirkt und sie bald zum Morphium greifen lässt.

Zwischen rasenden - unbegründeten - Eifersuchtsausbrüchen, glanzvollen gemeinsamen Theaterabenden, dem Spott des einstigen Wedekind-Verehrers Kerr ("Ein mattes Werk. Ein halbwirres Werk. Ein dagewesenes Werk. *...* Die Feder stockt ... man braucht sie zum Salut für einen schwach gewordenen Kameraden."), Fluchten in andere Städte oder nicht benannte Hotels, aus denen telegrafische Liebesschwüre heranschwirren, stürzt Frank Wedekind in eine vom Wahn beflackerte Hölle. Höhere Einnahmen, die Geburt der zwei Töchter, auch Applaus können den Schmerz nicht abpolstern, den immer wieder zugefügte Wunden ihm zufügen. Wer liest schon gerne nach einem Vortragsabend "Dutzende von Besuchern seien geflüchtet, andere hätten mit resigniertem Gähnen ihre Eintrittspreise abgesessen. Und am Schluss konnte man zahlreiche Äußerungen hören, es sei eine BLAMAGE FÜR MÜNCHEN gewesen, dass so etwas entsetzlich Armseliges zu Ende gelesen werden durfte!"

Da geht einer unter, dem sogar der dünnlippige Thomas bescheinigte, ein tiefer, gequälter Mensch in seiner erschütternden Lächerlichkeit zu sein; von dem alles, was er seit seiner Heirat geschrieben hatte, verboten oder verrissen wurde; der in seinem männlichen Potenzwahn zermahlen wurde von dem Misstrauen, er könne seiner jüngeren Frau nicht genügen; der noch immer zu beißendem Spott fähig war: Nachdem Hermann Bahr zu Gast gewesen, fragte die fünfjährige Tochter Kadidja: "Warum hat der Herr so furchtbar viel geredet?" Und der liebende Vater tröstete: "Weil er nichts zu sagen hatte."

Der Dramatiker der existenziell Gefährdeten ist krank. Krank am Krieg, dem sogar der mit der berühmten roten Bulldogge bissige "Simplicissimus" huldigt; krank an der Ehe, aus der Tilly sich erst durch einen Selbstmordversuch, dann durch angedrohte Scheidung verabschieden will; und er ist physisch krank - im Februar 1915 findet der Chirurg nach dreistündiger Operation "einen Dachsbau von Verwachsungen und Reste des Blinddarms". Mit 53 Jahren stirbt Frank Wedekind am 9. März 1918 in den Armen seiner Frau Tilly. Als Heinrich Mann vor der Aussegnungshalle des Münchner Waldfriedhofs Abschiedsworte spricht, entfernt sich ostentativ sein Bruder Thomas. So wollen wir uns lieber halten an den bei aller spitzigen Bosheit gerechten Alfred Kerr, der sechs Jahre vor dem Tod des Dichterschauspielers schrieb: "Eines Tages werden sich Menschen erinnern: dass der Dichter dort oben stand; wie Molière auf seiner Szene; Menschen werden sich melden, die Äußerungen tun wie: ,Wir haben ihn damals spielen sehen, es war im Juni 1912 - seine Witwe Tilly war noch dabei.'"

Wir haben ihn nicht stehen sehen, "dort oben". Aber wir haben ihm zugehört, hier unten.

Anatol Regnier: Frank Wedekind. Knaus, München. 460 S., zahlr. Abb., 22, 95 Euro.

Eine Langfassung der Rezension können Sie unter www.welt.de/wedekind online lesen.


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