Wikipedia siegt über Microsoft
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Zumindest in diesem Fall hat Konkurrenz das Geschäft nicht etwa belebt, sondern es zuerst zermürbt - und schließlich getötet: Der amerikanische Software-Konzern Microsoft hat jetzt angekündigt, sein Internetlexikon Encarta zum 31. Oktober dieses Jahres einstellen zu wollen. Die Art und Weise der Informationssuche habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, lässt das US-Unternehmen wissen. Diese Begründung mag diplomatisch vage klingen, enthält aber gleichwohl verschlüsselt den Punkt, der dem ambitionierten Wissensforum letztlich zum Verhängnis geworden ist: das gestiegene Kostenbewusstsein von Computernutzern, die nach Bildung suchen - oder nur und immerhin nach einer rasch zu erhaschenden Information per Mausklick.
Während nämlich die 1993 gestartete elektronische Microsoft-Enzyklopädie, die auch als DVD und CD-Rom angeboten wurde, niemals umsonst zu haben war, verschenkten die meisten Online-Mitbewerber von Anfang an ihr gesammeltes Wissen. Allen voran die jüngere und in jeder Hinsicht forscher auftretende Online-Enzyklopädie Wikipedia, Jahrgang 2001. Gegen deren bisweilen anarchisch bis dilettantisch anmutende Struktur lässt sich gewiss so manches vorbringen, nicht aber gegen das offenkundig schlagende Argument dieses Mitmach-Lexikons: gänzlich umsonst zu haben zu sein.
Was bleibet aber, stiftet der verdiente Nachruhm: Encarta war vor 16 Jahren löblicherweise angetreten, um den naturgemäß behäbigen Platzhirschen des gedruckten Wissens Paroli zu bieten, zumal der Encyclopedia Britannica. Das Microsoft-Forum, dessen versuchsweise gestreuten Mitmach-Angebote nie verfingen, leistete mithin Pionierarbeit in einer Zeit, in der - wie auch im Bereich der tagesaktuellen Medien - noch nicht absehbar war, dass Online-Wissen und dessen Preis zu einer strategisch bedeutsamen Größe avancieren würde.
Nach der Kapitulation von Encarta dürfte es einstweilen ein bisschen einsam werden um Wikipedia: Die Pläne des altehrwürdigen Brockhaus, teilweise ins Netz zu übersiedeln, haben sich nach dem Verkauf an den Bertelsmann-Konzern bis auf weiteres zerschlagen. Und Knol, das Lexikon-Forum von Google, dümpelt nun schon seit Monaten im Experimentierstadium vor sich hin. Wünschenswert hingegen wäre, dass Konkurrenz neuerlich das Geschäft mit dem Wissen belebt.