Mannheimer Ausgrabung: Lalos "Fiesque"
Einen Zipfel der Unsterblichkeit hat der Komponist Edouard Lalo (1823-1892) sich mit seiner dankbar-virtuosen Violin- und Celloliteratur ergattert - immerhin konzertierte einst Pablo de Sarasate mit Lalos Werken, und bis heute wird die "Symphonie Espagnole" für Violine und Orchester zu Recht gerne gespielt. Als Opernkomponist hatte Lalo weniger Erfolg: Zu seinen Lebzeiten wurde die Oper "Le roi d'
Anlässlich der Schillertage hat das Nationaltheater Mannheim die Oper nun knapp 140 Jahre später doch noch auf die Bühne gebracht. Ein problematischer Versuch. Und dafür ist zum Teil die blasse Regie von Jens-Daniel Herzog verantwortlich, in Verbindung mit dem austauschbaren Bühnenbild von Mathis Neidhardt.
"Fiesque" wird in ein modernes Rathaus versetzt: im Vordergrund die Kantine, im Hintergrund die Türen zum Sitzungssaal, rechts ist die Toilette, links eine Ledersitzgruppe mit Gummibaum - ein höchst langweiliges Ambiente. Auch die Charaktere sind eindimensional gezeichnet. Der skrupellose, machtbesessene Fiesque trägt zum weißen Dandy-Anzug ein schmieriges Dauergrinsen im Gesicht, die Frauen sind oberflächliche Zicken im Schneiderkostüm. Nur Fiesques Gegenspieler Verrina billigt die Regie eine gewisse Menschlichkeit zu in seiner Rolle als trauerndem Vater der vergewaltigten Berta. Das ist zwar keine unlogische Sichtweise. Aber für diese Papp-Charaktere kann man unmöglich irgendwelche Gefühle aufbringen. Nicht einmal hassenswert sind sie, dazu sind sie zu fad. An die Vorbilder aus Politik und Wirtschaft, wie wir sie aus unserem wirklichen Alltag kennen, reichen Herzogs Opern-Puppen bei Weitem nicht heran.
Vielleicht hätte die Regie mehr auf Edouard Lalos Musik hören sollen: Die ließe eine differenziertere Sichtweise durchaus zu. Leonore (sehr eindringlich gesungen von Galina Shesterneva) hat Lalo einige Momente von echter Emotionalität gewidmet, und auch Julies (Andrea Szántó) Schwanken zwischen Koketterie und Ernst ist musikalisch sehr wohl konturiert. Immer wieder gibt es solche Momente, die musikalisch treffend gestaltet sind, und eine lebendige Rhythmik verleiht der Oper eine dramatische Stringenz. Insgesamt ist die Musik aber nicht originell genug, um sich auch ohne eine originelle Regie entfalten und den Zuhörer gefangen nehmen zu können.
Diese Opernausgrabung war vermutlich dem Wunsch geschuldet, etwas Außergewöhnliches zum Thema Schiller ins Programm zu bekommen. Die Begeisterung für das Werk selbst spielte da wohl eher eine untergeordnete Rolle. So blieben auch die Begeisterungsfunken aus - von Götterfunken ganz zu schweigen.