Goethe-Institut: Lob der Konzentration - WELT
Goethe-Institut

Lob der Konzentration

Von Wieland Freund
Veröffentlicht am 30.06.2007Lesedauer: 2 Minuten

Wolf Lepenies erzählte einmal folgende Geschichte: Während des Ersten Weltkriegs sei Harold Nicolson, der Gatte Vita Sackville-Wests und spätere Verlaine-Biograf, munter durch die Straßen Londons spaziert. Daraufhin habe ihn eine alte Dame angeherrscht, warum er denn nicht in den Schützengräben sei, um dort die Zivilisation zu verteidigen. Nicolsons Antwort: "Madam, ich bin Zivilisation."

Viel frecher, viel schöner lässt sich die Notwendigkeit von Kulturpolitik nicht begründen - sei sie nun Export, Import oder Weltinnenpolitik. Das Goethe-Institut also, mit der Pflege deutscher Sprache und Kultur im Ausland betraut, gehört mit Zähnen und Klauen verteidigt - und, wenn nötig, mit der gleichen Entschlossenheit reformiert. Es ist deshalb keine schlechte Nachricht, dass das Präsidium des Goethe-Instituts die Pläne zur Umstrukturierung seiner Münchner Zentrale gebilligt hat. Zwar ist damit der Abbau von Arbeitsplätzen verbunden - insgesamt jedoch wird die Arbeit des Goethe-Instituts eher gestärkt als geschwächt. Anders nämlich als sein Vorgänger Joschka Fischer hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier die wachsende Bedeutung auswärtiger Kulturpolitik offensichtlich erkannt; erstmals seit Jahren hat der Bund eine Mittelerhöhung versprochen. Dass damit die Abkehr vom alten kameralistischen System einhergehen und Bürokratie zugunsten von Eigenverantwortlichkeit abgebaut werden soll, ist dabei nur konsequent. Weil die Unternehmensberatung McKinsey an den Plänen zur Umstrukturierung beteiligt war, geht das Abendland nicht unter. Nicht immer, wenn einer McKinsey ruft, muss die Kultur den Kopf einziehen.

Denn was wäre, wenn man denn kein Füllhorn hat, die Alternative? Die Schließung von Goethe-Instituten zugunsten von Verwaltungsvorgängen in der Münchner Zentrale? Ein Harold Nicolson, der der empörten alten Dame mit einem "Madam, ich bin die Bürokratie" begegnet? Das Goethe-Institut wird gebraucht - und zwar in Kabul und Kairo, in Brüssel, Berlin und Bordeaux. Das Präsidium des Goethe-Instituts hat deshalb richtig entschieden. Die nun beschlossene Modernisierung dient der Besinnung auf die eigentlichen Aufgaben des Instituts.


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