Das Staatstheater Augsburg ist zurück aus der Sommerpause, und nun streben die Sparten des Hauses vehement ins Rampenlicht. Auch wenn sich das Ballett mit Neuem noch etwas Zeit lässt und erst Ende des Monats mit seiner „Cinderella“-Neuproduktion aufwartet, so haben vor ein paar Tagen doch schon die Augsburger Philharmoniker die Sinfoniekonzert-Saison eröffnet, bringt am 10. Oktober die Musiktheatersparte die Kafka-Oper „Die Verwandlung“ auf die Bühne. Dazwischen hat sich das Schauspiel platziert, das jetzt im Abstand von einer Woche mit gleich zwei Premieren aufwartet.
Im Martinipark geht am 2. Oktober ein Stück der zeitgenössischen Dramatikerin Dea Loher an den Start, „Frau Yamamoto ist noch da“. Erst vor zwei Jahren uraufgeführt, entwirft das Schauspiel in 20 Szenen das Abbild einer Gesellschaft, die, wie es in einer Mitteilung des Theaters heißt, aller Geschäftigkeit zum Trotz das Miteinander verlernt hat. Im Zentrum steht das Paar Nino (Julius Kuhn) und Erik (Patrick Rupar), die beide ganz unterschiedliche Vorstellungen vom Leben haben und denen, als sie auf ihre Nachbarin Frau Yamamoto (Ute Fiedler) treffen, nichts weniger entgegentritt als die Frage nach dem Sinn des Lebens.
Nina Mattenklotz inszenierte am Staatstheater schon „Effi, Ach, Effi Briest“
Die Inszenierung, in der auch noch Kai Windhövel, Jenny Langner und als Gast Fynn Engelkes mitwirken, verantwortet Nina Mattenklotz, die in Augsburg zuletzt für ihre Szenografie von „Effi, Ach, Effi Briest“ gefeiert wurde. Die Regisseurin hält „Frau Yamamoto ist noch da“ für „das zugleich positivste und traurigste Stück“ von Dea Loher. Eines, das „die Zeitenwende, in der wir uns befinden, drastisch vor Augen“ führe. Mattenklotz will in ihrer aktuellen Regiearbeit aber nicht nur die im Stück angelegten Absurditäten herausarbeiten, sondern auch dessen humorvolle wie auch hoffnungsvolle Seiten sichtbar machen. Autorin Dea Loher ist in Augsburg übrigens keine Unbekannte, 2006 wurde ihr der städtische Brecht-Preis zuerkannt.
Von Brecht her kennt man in Augsburg auch den Regisseur der zweiten Schauspielpremiere: Tom Kühnel war von 2020 bis 2022 zusammen mit Jürgen Kuttner Leiter des Augsburger Brechtfestivals. Am 9. Oktober kehrt er nun zurück als szenisch Verantwortlicher für die Adaption von Heinrich Bölls „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“. Die 1974 erschienene Erzählung des Literaturnobelpreisträgers Böll stellt eine Frau ins Zentrum, die im Karneval eine Nacht mit einem Unbekannten verbringt, über den sie hernach erfährt, dass er ein Verbrecher sein soll. Katharina Blum gerät ins Visier von Polizei und Boulevardpresse und sieht sich schließlich derart in die Enge getrieben, dass sie selbst zur Mörderin wird.
Katja Sieder übernimmt die Rolle der Katharina Blum
Wobei Tom Kühnel, so vermeldet es das Staatstheater, die Heldin als durchaus ambivalente Figur auf die Brechtbühne zu bringen gedenkt. Skeptisch sieht der Regisseur auch Bölls Tendenz, mit der Titelfigur zu sympathisieren: „Ein Mord an einem Journalisten ist ja mindestens fragwürdig“, gibt Kühnel zu bedenken. In der Inszenierung stehen Thomas Prazak, Sebastian Müller-Stahl, Michael Schrodt, Jannis Roth und Natalie Hünig auf der Bühne. Die Rolle der Katharina Blum übernimmt Katja Sieder.
Apropos Schauspiel-Ensemble: Das Staatstheater vermeldet zwei Neuzugänge. Zwei junge Schauspielerinnen, die in Augsburg ihr jeweils erstes Festengagement an einem Theater haben. Franka Forkel, aus Bretten im Kraichgau stammend, hat ihr Schauspielstudium an der Folkwang Universität der Künste in Esse absolviert. In kleineren Rollen war sie unter anderem bereits am Schauspielhaus Bochum und am Düsseldorfer Schauspielhaus engagiert. Und nun Augsburg – gleich in der ersten Neuinszenierung, in „Frau Yamamoto“, übernimmt Forkel die Rolle von Eriks Nichte Milena.
Für den Auftritt von Soraya Bouabsa, dem anderen neuen Gesicht, wird man sich dagegen noch etwas gedulden müssen. Die Münchnerin gibt Ende November in „Halli Galli“ ihr Debüt am Staatstheater. Bouabsa studierte an der Bayerischen Theaterakademie August Everding und war in München bereits am Residenztheater in der Titelrolle von „Lilja 4-ever“ sowie als Chorführerin in Karin Henkels „Medea“-Inszenierung zu sehen.
Die beiden Premieren am 2. Oktober (Martinipark) und am 9. Oktober (Brechtbühne) beginnen jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es beim Besucherservice des Theaters am Rathausplatz, telefonisch unter 0821 / 324 4900 sowie online unter staatstheater-augsburg.de.
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