Ein Klavier, drei Hände und manchmal sogar fünf: Zu Besuch beim diesjährigen Klavierfest Augsburg
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Ein Klavier, drei Hände und manchmal sogar fünf: Zu Besuch beim diesjährigen Klavierfest Augsburg

Augsburg

Klavierfest Augsburg: Ein Klavier, drei Hände und manchmal sogar fünf

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    Klavier ist nicht gleich Klavier, schon gar nicht im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert: Sylvia Ackermann und Christoph Hammer stellten beim Klavierfest Augsburg im Schaezlerpalais die verschiedenen klanglichen Physiognomien vor.
    Klavier ist nicht gleich Klavier, schon gar nicht im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert: Sylvia Ackermann und Christoph Hammer stellten beim Klavierfest Augsburg im Schaezlerpalais die verschiedenen klanglichen Physiognomien vor. Foto: Anna Kondratenko

    Wie artistisch darf die E-Musik sein? Artistisch – nicht im Sinne von künstlerisch brillant, sondern im Sinn von geschickten körperlichen Verrenkungen. Bei der Eröffnung des diesjährigen „Klavierfests Augsburg“, Nachfolger des „Stein-Festivals“, gab es nicht nur amüsant inszenierte mimische Interaktion zwischen den Pianisten, sondern auch wahrhaft sportlichen Körpereinsatz an vier Originalinstrumenten aus dem 18. Jahrhundert zu bewundern. Ach, und dann war da ja auch noch die Musik, die natürlich genauso entzückte und den Spaß vollendete.

    Ein wahres Fest, veranstaltet von der Deutschen Mozart-Gesellschaft, gab es am Wochenende im Rokokofestsaal des Schaezlerpalais zu feiern. Unter dem weitgefassten Titel „Paris – Mozart – Augsburg“ stand die Klaviermusik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts im Zentrum der zahlreichen Konzerte und „Claviersalons“. Neben den grandiosen Pianisten waren es aber vor allem die Originalinstrumente selbst, die zum Besuch verlockten.

    Beim Klavierfest war nicht nur der Augsburger Stein-Flügel zu hören

    „Das ist eine wirklich einmalige Gelegenheit, hier vier kostbare Originale nebeneinander zu spielen und zu hören“: Festivalleiter Christoph Hammer war der Stolz bei der Eröffnung anzumerken. Neben dem Augsburger Stein-Flügel von 1785 aus dem Mozarthaus waren es Tasteninstrumente der Stiftung Fortepiano (die ihre Heimat neuerdings in der Augsburger Grottenau haben) sowie von privaten Sammlern. Beim ausverkauften Festivalauftakt waren das ein englischer Stodart-Flügel von 1790, ein Tangentenflügel aus der Regensburger Werkstatt von Schmahl von 1794 und ein zweimanualiges Cembalo von Shudi & Broadwood von 1785.

    Spielerisch arbeiteten sich die vier Interpreten – Sylvia Ackermann, Olga Pashchenko, Costantino Mastroprimiano und Christoph Hammer – mit ihrer Liebe zur historischen Aufführungspraxis durch die seltene Literatur von Petitessen für drei, vier oder gar fünf Hände. In unterschiedlicher Besetzung ließen sie ihre Hände gemeinsam über die Tasten der herrlichen Instrumente im Festsaal fliegen. Mit Komik war manches Zusammenspiel inszeniert. Denn: Bei Noten für ein Stück zu drei Händen (auf nur einem Flügel!) muss eine Hand eines Musikers ja quasi in den Ruhestand geschickt werden. Bei fünf Händen ist das noch schwieriger, denn die schmale Tastatur des Stein-Flügels erstreckt sich nur über fünf Oktaven – gemessen ist das nur knapp ein Meter. Wohin in dem Gedrängel also mit überflüssigen, oft zuckenden Händen? Versteht sich, dass die Werke von Sterkel, Dalberg, Hässler, Metzger, Wagenseil und natürlich Mozart nicht darunter litten.

    Mit den Hämmerchen ließ sich auf den Instrumenten größere Dynamik erzeugen

    Vier Instrumente in unterschiedlicher Bauweise, deren Klangunterschiede sich nicht nur durch die veränderte Mechanik ergeben wie beim Cembalo, dessen Saiten noch angerissen wurden. Mit den anschlagenden Hämmerchen erhielt der Pianist die Möglichkeit, individuelle Klänge zu erzeugen, durch Tastendruck mehr zu differenzieren und mit fließender Dynamik und größerer Klangfülle zu experimentieren.

    „Die Instrumente dieser Zeit waren nicht perfekte Produkte, sondern experimentelle Klangkörper, mit denen man sich beschäftigen muss“, beschrieb Hammer die historische Situation zu Beginn. Besonders der Tangentenflügel von Schmahl, der vor 20 Jahren auf dem Dachboden einer Druckerei entdeckt worden war, beeindruckte in seiner Klangfülle mit verschiedenen Farben, die mit Kniehebel und Zügen noch variiert werden konnten. In Kombination mit den anderen Pianos wuchs er zum orchestralem Klangkörper an.

    Im Claviersalon überragt Olga Pashchenko mit Fanny Hensel

    Eine sensationelle Überraschung bot sich beim Klavierfest am Samstag: Die Claviersalons der einzelnen Pianisten des Eröffnungsabends gruppierten sich um Themen rund um Mozarts Reisen nach Paris und Italien. Nur Olga Pashchenko fiel ganz aus dem Rahmen. Sie interpretierte Fanny Hensels Zyklus „Das Jahr“ auf einem Pleyel-Flügel aus dem Jahr 1839/40, also genau der Zeit, in der der Klavier-Zyklus entstand.

    An diesem eleganten Flügel der legendären Pariser Klavierbauer - Chopins Favoriten - mit seinen dunklen Palisanderhölzern, vergoldeten Schnitzereien sowie den lederüberzogenen Hämmerchen konnte man die Klavierentwicklung nachvollziehen. Mit seinem romantischen Klang, mit dem süß-samtigen ineinanderfließenden Ton gelang Pashchenko ein fantastisches Bravourstück mit überbordenden Kaskaden. Während ihre Finger virtuos über die gesamte Tastatur perlten, gestalteten zwei oder drei ihrer Finger zugleich noch eine besonders ausgestaltete Melodie, ein Thema, das über den ausladenden Läufen zu schweben schien. Technische Brillanz traf hier auf ein tiefes Verständnis eines komplexen Charakterstücks, das die Zuhörer atemlos staunen ließ und Begeisterungsrufe auslöste.

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