In den frühen 1930er Jahren war Deutschland in der Musik ein reiches Biotop, gerade auch dank vieler jüdischstämmiger Künstler. Franz Schreker galt als bedeutender Opernkomponist, Mátyás Seiber leitete in Frankfurt die weltweit erste Jazzklasse, Ödön Pártos hatte sich in Berlin als Solist und Quartettmusiker etabliert. Bis die Nazis kamen und ihren beispiellosen Kulturbruch veranstalteten.
Schreker wurde 1934 vom Herzinfarkt getroffen, Pártos und Seiber konnten sich absetzen, und das gelang, in anderen Zusammenhängen, aber ebenfalls aufgrund der drohenden Vernichtung, auch Mieczyslaw Weinberg, der von seiner Heimat Polen aus tief in die Sowjetunion floh. All diesen Komponisten widmet die Bayerische Kammerphilharmonie das Auftaktkonzert ihrer neuen Spielzeit am Sonntag, 4. Oktober (18 Uhr). Im Kleinen Goldenen Saal erklingen Schrekers Intermezzo für Streichorchester, das Rondo über ein Sephardisches Thema von Ödon Pártos, Mátyás Seibers Notturno für Horn (Solist: Philipp Römer) sowie Weinbergs Concertino für Violoncello und Streicher (Solist: Jens Peter Maintz). Vielleicht nicht un-, aber doch höchst selten Gehörtes.
Programmatisch ist die Kammerphilharmonie auch 2026/27 breit aufgestellt
Fünf Konzerte umfasst die Kammerphilharmonie-Reihe „unerhört“ in der Saison 2026/27. Darin zeigt sich das in Augsburg residierende Orchester erneut breit aufgestellt. Das 20. Jahrhundert – siehe Auftaktkonzert – ist ebenso vertreten wie das Barockzeitalter und Dazwischenliegendes. Mit Concerti grossi von Händel, Corelli und Geminiani sowie einem Konzert für zwei Celli von Vivaldi wartet das „La Follia“ betitelte Konzert am 14. November auf.
Das vom Orchester seit langem gepflegte Konzert rund um Mozarts Geburtstag bringt Ende Januar 2027 ein Wiederhören mit Reinhard Goebel. Viele Jahre ständiger Gastdirigent, kehrt Goebel nun zurück ans Pult des Orchesters, neben zwei Mozart-Rondos standesgemäß mit wenig Bekanntem im Gepäck, darunter ein Violinkonzert eines gewissen Pierre Gaviniès (Solistin: Carolin Widmann). Richtig kammermusikalisch wird’s Ende Februar, wenn neben dem Klavierquintett von Schumann ein ebensolches Werk der US-Amerikanerin Amy Beach zur Aufführung kommt.
Zum Saisonfinale offeriert die Kammerphilharmonie ein Menü
Nach längerer Pause – die Kammerphilharmonie ist 2027 nicht beim Mozartfest vertreten – lädt das Orchester im Juli ins Gögginger Parktheater. In der Moderation des Kabarettisten Martin Zingsheim präsentiert es unter seinem Leiter und Soloviolinisten Gabriel Adorján ein „Klassik de luxe“-Menü, das eine Folge wohlschmeckender Kompositionen verspricht.
Das „unerhört“-Programm ist im Detail online einsehbar unter kammerphilharmonie.de, hier gibt es, neben den üblichen Reservix-Vorverkaufsstellen, auch Karten.
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