Beginnen wir mit einer Alltagsbegebenheit von der Bahnstrecke zwischen Augsburg und München: Mit fast einer halben Stunde Verspätung zuckelt ein Pendlerzug am Morgen heran, ein Blick durch die Fenster zeigt schon, die Abteile sind gesteckt voll. Ein Blick auf die Anzeige am Bahnsteig verspricht wiederum: Schon in vier Minuten kommt der nächste Zug – so zumindest sieht es der Fahrplan vor. Doch kann man dem vertrauen und gelassen abwarten – oder soll man sich lieber in den ersten Zug noch irgendwie hineinquetschen? Sie werden es ahnen. Die überwiegende Mehrheit der Fahrgäste an diesem Tag hat sich zu einem vorübergehenden Dasein als Ölsardine entschieden.
Die Pendlerzüge zwischen München und Augsburg sind rappelvoll
Wer häufiger in den Pendlerzügen von und nach München unterwegs ist, kennt diese Situation. Nicht zuletzt wegen des Deutschlandtickets ist das unschlagbar günstige Angebot, mit einem Nahverkehrszug zu fahren, sehr verlockend und lässt viele Fahrgäste auch über Unzulänglichkeiten hinwegsehen. Bei allem Gemoser und Gemotze sollte man eines zudem nicht vergessen. Die Bahnunternehmen in Deutschland transportieren den Widrigkeiten zum Trotz zuverlässig Millionen von Menschen und viele Fahrten mit dem Zug verlaufen durchaus angenehm. Dass Deutschlands Schienennetz für eine hoch entwickelte Industrienation eine Schande ist, dürfte trotzdem niemand ernsthaft bestreiten.
Dementsprechend ehrgeizig sind auch die Ausbau- und Modernisierungspläne. So ehrgeizig, dass sie mitunter flugs wieder einkassiert werden. Verschobene Projekte, überzogene Zeitpläne und gesprengte Kostenrahmen gehören beim Unternehmen Bahn ebenso dazu wie kaputte Bordtoiletten oder ein Zug, der mal wieder länger dauert.
Die Bahn als Stiefkind der Verkehrspolitik
Das alles kommt nicht von ungefähr. Lange und nicht zuletzt unter CSU-Verkehrsministern war die Bahn das ungeliebte Stiefkind der deutschen Verkehrspolitik, das nicht nur zu wenig Geld, sondern insgesamt zu wenig Zuwendung bekam. Folge ist bis heute ein Flickenteppich an Zuständigkeiten und Interessen, an dem Bund, Länder und die verschiedensten Unternehmen ihren Anteil haben und dem vor allem eines fehlt: ein klares Muster, nach dem sich alle richten. Was dabei herauskommen kann, war am Beispiel zwischen Augsburg und München zu besichtigen. Dort sollte ausgerechnet die für die Pendler wichtigste Zugart zusammengestrichen werden, die Nahverkehrszüge, welche die meisten Menschen befördern. Das scheint nach massiven Protesten zwar vom Tisch, doch schon tun sich neue Probleme auf. Diesmal geht es ums Geld und der Ausgang ist offen. Aber eine Portion Ungewissheit gehört ja zum Bahnfahren dazu.
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