In die Notaufnahme ganz ohne Wartezeit: Wie die München Klinik das geschafft hat
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In die Notaufnahme ganz ohne Wartezeit: Wie die München Klinik das geschafft hat

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Notaufnahme ganz ohne Wartezeit: Wie die München Klinik dieses Wunder geschafft hat

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    Die erste medizinische Anlaufstelle: Nach einer Ersteinschätzung gleich am Eingang werden die Patienten zur Behandlung verteilt.
    Die erste medizinische Anlaufstelle: Nach einer Ersteinschätzung gleich am Eingang werden die Patienten zur Behandlung verteilt. Foto: München Klinik

    Der Mann auf dem hellen Loungesessel hat einen Verband um den Arm. Rettungssanitäter bringen den nächsten Patienten auf einer Fahrtrage herein. Und am Ambulanz-Eingang ist an diesem Vormittag Schwester Lydia für die medizinische Ersteinschätzung von Neuankömmlingen zuständig. Doch etwas an dieser Situation ist überraschend: Das Wartezimmer hier in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) der Klinik in Harlaching ist leer. Das Krankenhaus, das zur städtischen München Klinik gehört, hat seine Notfallversorgung in den vergangenen Monaten komplett umgebaut. Mit Erfolg.

    In Harlaching werden täglich zwischen 100 und 130 Notfallpatientinnen und -patienten versorgt. 80 Prozent von ihnen müssen inzwischen nicht mehr unnötig warten, sagt der pflegerische Leiter Florian Lemmink. Das sei bayernweit einzigartig. Vor der Neustrukturierung musste sich die München Klinik wegen Überfüllung an mehr als 200 Tagen im Jahr bei der Rettungsleitstelle . „Früher haben wir den Rettungskräften gesagt: Bitte fahrt woanders hin. Heute sagen wir: Bringt die Leute zu uns, wir haben Kapazitäten.“

    Kein seltener Anblick: Das Wartezimmer der Münchner Notaufnahme ist leer.
    Kein seltener Anblick: Das Wartezimmer der Münchner Notaufnahme ist leer. Foto: München Klinik

    Medizinische Versorgung: Jede zweite Notaufnahme ist regelmäßig überlastet

    Das widerspricht allen Berichten, die man sonst aus deutschen Notaufnahmen kennt. Fast jede zweite ist regelmäßig überlastet. Teilweise so stark, dass die Sicherheit der Patientinnen und Patienten gefährdet ist, wie eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA) ergab. Bei der Umfrage berichteten 45 Prozent der mehr als 270 teilnehmenden Notaufnahmen von einer „gefährlichen Überfüllung“ in den vorausgegangenen 24 Stunden. Eine hohe Zahl, die sich seit Jahren nicht verändert. Die Rede ist von einem System am Limit, einer Struktur an der Belastungsgrenze. Auch in Harlaching kennt man noch Zeiten, in denen Patienten über 30 Stunden im Notfallzentrum saßen. In denen Pflegekräfte völlig überarbeitet ihren Beruf hinterfragten. Vor einem Jahr begann sich das zu ändern.

    Die Klinik holte mit Dr. Tim Flasbeck einen Direktor für Notfallmedizin nach München, der vorher schon die Notaufnahme am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus zur modernsten in Europa umgebaut hatte. Er hat mit dem Münchner Team alles komplett „auf links“ gedreht und rollt gerade an den weiteren drei Standorten der städtischen Klinik das neue Konzept aus. Der „Zu- und Abfluss“ der Patientenströme wurde überprüft, alle Handlungsschritte von der Ankunft bis zur Entlassung oder Weiterverlegung auf die zuständige Fachabteilung. Die Ersteinschätzung erfolgt jetzt direkt am Eingang. Informationen bei der Übergabe vom Rettungsdienst an das Klinikpersonal wurden standardisiert. Eine eigens geschulte Pflegekraft pro Schicht sorgt dafür, dass die Abläufe genau eingehalten werden und Personal dorthin abgeordnet wird, wo man es gerade braucht.

    Chefarzt Florian Demetz zeigt den neuen Schockraum. Notfallpatienten werden vom Hubschrauberlandeplatz per Expressaufzug direkt dorthin transportiert.
    Chefarzt Florian Demetz zeigt den neuen Schockraum. Notfallpatienten werden vom Hubschrauberlandeplatz per Expressaufzug direkt dorthin transportiert. Foto: München Klinik

    Ein zweiter, riesiger Vorteil in Harlaching: Die Klinik ist ein Neubau, ausgelegt auf kurze Wege und deutlich flexibler nutzbar als veraltete Bauten. Ältere Kliniken haben oft nicht die passenden Räumlichkeiten, um immer mehr Menschen zu versorgen, die mit großen Schmerzen oder kleinen Wehwehchen im Wartebereich sitzen.

    Die Holding Area der München Klinik entlastet Notaufnahme und Stationen

    Auf einen Bereich sind Direktor Tim Flasbeck und der Chefarzt für Akut- und Notfallmedizin, Florian Demetz, besonders stolz: die Holding Area. Acht Plätze für Liegendpatienten gibt es hier, dazu acht für Kranke, die selbst sitzen können. Der Trakt ist ruhig und hell, die Zimmer sind geräumig. Hierhin werden Leute verlegt, die bereit sind für den Transport auf die zuständige Station. Somit steht kein Bett auf dem Gang herum, die Pflegekräfte der Fachabteilung können den Kranken selbstständig abholen, sobald es in ihren Ablauf passt. „Natürlich kann nicht jeder Patient in die Holding Area“, erklärt Demetz. „Manche müssen zum Beispiel am Monitor bleiben oder brauchen engmaschige Überwachung.“

    Für das Personal sei die Umstrukturierung „aktuell noch eine Doppelbelastung“, sagt Flasbeck. An neue Abläufe muss man sich gewöhnen. Bis alles sitzt, sind tägliche Schulungen nötig. Dass es sich lohnt, zeigen die Zahlen. In der alten Struktur lag die durchschnittliche Verweildauer eines Patienten in der ZNA noch bei fünf Stunden insgesamt. Heute sind es weniger als drei.

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