Prinz Harry ist aus seiner Wahlheimat Kalifornien nach London zurückgekehrt, um dort in einem vielbeachteten Prozess gegen die britische Boulevardpresse auszusagen. Seine Vorwürfe wiegen schwer: Große Tageszeitungen sollen mit unlauteren Mitteln Informationen über ihn beschafft und dabei grob gegen Persönlichkeitsrechte verstoßen haben. Der beschuldigte Verlag weist diese Anschuldigungen zurück. Am dritten Tag des Gerichtsverfahrens wurde der Herzog von Sussex in den Zeugenstand gerufen, wo er merklich aufgewühlt schilderte, wie sehr er selbst und seine engsten Beziehungen unter dem Vorgehen der Medien gelitten hätten.
Prinz Harry gegen die Klatschpresse: Worum geht es in dem Gerichtsprozess?
Prinz Harry strengt derzeit eine Zivilklage gegen den britischen Medienverlag Associated Newspapers Limited (ANL) an, der unter anderem die auflagenstarken Boulevardzeitungen Daily Mail und Mail on Sunday herausgibt. Neben Prinz Harry beteiligen sich weitere prominente Kläger an dem Rechtsstreit – darunter Sänger Sir Elton John, Schauspielerin Liz Hurley sowie der ehemalige Parlamentsabgeordnete Sir Simon Hughes.
Wie die British Broadcasting Corporation (BBC) zusammenfasst, wirft die Klägergruppe um Prinz Harry den Journalisten des Verlags vor, sich über viele Jahre hinweg rechtswidriger Methoden zur Informationsbeschaffung bedient zu haben, um mit Geschichten aus ihrem Privatleben gewinnbringende Schlagzeilen zu generieren. Dabei sollen angeblich Privatdetektive eingesetzt worden sein, die unter anderem persönliche Gespräche belauscht und Mailbox-Nachrichten abgefangen hätten. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) streitet die ANL ein solches Vorgehen ihrer Mitarbeitenden ab und weist die Vorwürfe entschieden zurück.
Der Prozess vor dem Londoner High Court begann am 19. Januar 2026. Dort sorgte zunächst die Behauptung des Verlagshauses ANL, Personen aus Prinz Harrys Umfeld hätten regelmäßig Informationen über sein Privatleben an die Presse weitergegeben, für Aufsehen. Drei Tage später äußerte sich nun der Herzog von Sussex im Zeugenstand zu den negativen Auswirkungen der unablässigen Berichterstattung, die er selbst und die ihm nahestehenden Personen zu spüren bekommen hätten. Dabei zeigte er sich überraschend emotional.
Prinz Harry im Zeugenstand: So emotional wurde er bei seiner Aussage
In der Befragung durch die Gegenseite musste Prinz Harry dem Anwalt der ANL Rede und Antwort stehen. „Mein soziales Umfeld war nicht undicht, ich möchte das absolut klarstellen“, entgegnete er laut Berichten der dpa auf die Anschuldigung, ihm nahestehende Personen hätten private Informationen über ihn preisgegeben. In einer 23-seitigen schriftlichen Stellungnahme hatte der Sohn von König Charles III. zuvor darüber berichtet, wie sehr ihn der Verdacht belastete, dass sein engstes Umfeld ihn verraten könnte. Wie der Guardian zitiert, hätten ihn die betroffenen Zeitungen „in unvorstellbarem Ausmaß paranoid“ gemacht und ihn sozial isoliert.
In seiner Aussage im Zeugenstand erklärte Prinz Harry nun, er habe das Gefühl, durch die „obsessive“ Berichterstattung der Boulevardblätter 24 Stunden am Tag unter Beobachtung zu stehen. Und die Situation habe sich seit Beginn des Rechtsstreits „nur verschlechtert“, worunter auch seine Ehefrau, Herzogin Meghan, zu leiden habe. „Sie lassen nicht von mir ab. Sie haben meiner Frau das Leben zur Qual gemacht“, schilderte der 41-Jährige laut Berichten des Guardian mit brüchiger Stimme. Zwischenzeitlich habe er sogar den Tränen nahe gewirkt, behauptet die Zeitung.
In seiner schriftlichen Einlassung gab der Herzog von Sussex an, wie sehr das Vorgehen der Klatschpresse bereits seine vergangenen Liebesbeziehungen beeinträchtigt hätte. Während seiner Partnerschaft mit Ex-Freundin Chelsy Davy, die von 2004 bis 2011 andauerte, habe er in der Hinsicht besonders einschneidende Erfahrungen gemacht. „Das Verhalten der Presse und ihre Behandlung von Chelsy waren nicht normal. Ich hatte wirklich Angst, dass etwas Schlimmes passieren würde“, schrieb Prinz Harry nach Angaben der BBC. Wie die Rundfunkanstalt berichtet, soll die Gerichtsverhandlung rund neun Wochen dauern.
Übrigens: Es ist nicht das erste Mal, dass Prinz Harry gerichtlich gegen die englische Boulevardpresse vorgeht. Sein letzter angestrebter Prozess gegen die Mediengruppe News Group Newspapers kam jedoch nicht zustande, da sich beide Seiten außergerichtlich einigten.
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