Ein Geheimtipp für Wanderer: Der Märkische Landweg durch die Uckermark zählt zu den schönsten Deutschlands
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Ein Geheimtipp für Wanderer: Der Märkische Landweg durch die Uckermark zählt zu den schönsten Deutschlands

Wandern

Ein echter Geheimtipp: Unterwegs auf einem der schönsten Wanderwege Deutschlands

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    Wanderer am Templiner Kanal vor dem Hintergrund der Sankt-Maria-Magdalena-Kirche in Templin
    Wanderer am Templiner Kanal vor dem Hintergrund der Sankt-Maria-Magdalena-Kirche in Templin Foto: Oliver Gerhard

    Abendstimmung an der Oder: Der milde Wind bringt die üppigen Wiesen über dem Dörfchen Stolpe zum Wogen, Schwalben sirren zwitschernd um die Köpfe der wenigen Wanderer, die um diese Zeit noch unterwegs sind. Vom Stolper Turm reicht der Blick über die Schleifen der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße und die Flussauen bis zum silbernen Band der Oder.

    Wie ein gigantischer Backsteinmonolith thront der Turm inmitten der weiten Landschaft. Mit einem Durchmesser von 18 Metern gilt er als einer der größten Bergfriede Deutschlands. Unter den umliegenden Wiesen zeichnen sich noch historische Wallanlagen aus slawischer Zeit ab. Dass hier noch weitere Schätze schlummern, erfährt man bei einer Führung durch die „Welt der wilden Grünen“.

    Der Märkische Landweg ist eine Fernwanderroute durch die Uckermark

    „Viele der unscheinbaren Wildpflanzen, die hier wachsen, schlagen jedes Gemüse aus dem Supermarkt“, sagt Marina Delzer: „Je bitterer, desto gesünder. Leider hat man die Bitterstoffe aus den meisten Gartenpflanzen herausgezüchtet.“ Die Forstwirtin hat einen Korb mit Fotos, Essenzen, einem scharfkantigen Feuerstein zum Schneiden und einem kleinen Rehgeweih dabei. „Das ist praktisch zum Ausgraben von Wurzeln“, sagt sie.

    Gemeinsam knabbern ihre Gäste an Giersch (reich an Vitamin C), zerreiben Spitzwegerich (hilft gegen Stiche aller Art), buddeln Löwenzahnwurzeln aus (getrocknet und gemahlen ein leckerer Kaffee) und sprechen über die Verwendung von Kastanien als Waschnüsse. Die Naturführerin erzählt Legenden wie jene von der Ackerwinde, die auch Muttergottesgläschen genannt wird, oder der Wegwarte, einer „verwandelten Prinzessin“.

    Mit Sorge berichtet die Kräuterfrau aber auch von den Auswirkungen der Trockenheit der letzten Jahre auf Tiere und Pflanzen: „Früher konnte man nach einem Regen manchmal kaum über die Straße gehen, weil es überall von kleinen Fröschen wimmelte. Aber das ist vorbei.“

    In Lychen stehen die Menschen Schlange für Brot

    Einheimischen wie Marina Delzer, die sich für ihre Region engagieren, begegnet man immer wieder in den Dörfern entlang des Märkischen Landwegs, einer Fernwanderroute, die sich über 217 Kilometer durch die Uckermark im Osten Brandenburgs zieht. Andere Wanderer trifft man unterwegs nur selten – dafür entdeckt man Rehe, Füchse, Adler und Kraniche.

    Schon kurz nach dem Start in Fürstenberg ist die Stille überwältigend: kein Auto, keine Stimmen, kein Hundegebell. Lebendig wird es erst wieder in Lychen, einem Städtchen zwischen sieben Seen. Vor einem kleinen Laden hat sich eine Schlange gebildet, durch die Scheiben einer gläsernen Backstube sieht man Julien Strittmatter und seinen Gesellen wirbeln – bei nur zehn Quadratmetern Fläche wirkt es fast wie ein Tanz. Hier wird keine Aufbackware verarbeitet, sondern die beiden kneten, formen, mehlen, rollen, bestücken den Ofen und leeren Bleche in Körbe.  

    Märkischer Landweg Handwerksbäcker Julien Strittmatter in seiner Backstube in Lychen
    Märkischer Landweg Handwerksbäcker Julien Strittmatter in seiner Backstube in Lychen Foto: Oliver Gerhard

    „Manche gehen hier mit Tränen in den Augen raus, weil unser Brot sie an ihre Kindheit erinnert“, sagt der charmante Bäcker mit Tattoos und Vollbart. „Die Leute stehen Schlange für das, was ich mir ausgedacht habe und mit meinen Händen backe – das ist ein großes Geschenk. Die Rezepte hat mir mein Großvater auf seinem Krankenbett in die Hand gedrückt.“  

    Der Märkische Landweg führt entlang vieler idyllischer Orte

    Der Märkische Landweg verlässt Lychen über einen Uferpfad am Zenssee. Ein Steg … eine Datsche … ein Boot … in diesem Rhythmus geht es weiter. Kein Wunder, dass der Märkische Landweg dieses Jahr im Rennen um den Titel Deutschlands schönster Wanderweg war. Alte Bäume haben mächtige Sockel an der Böschung gebildet. Hundegebell kündigt Annenwalde an, 100 Einwohner, Kirche im Schinkel-Stil, buckliges Kopfsteinpflaster. Im Skulpturengarten der Glashütte sitzen Gäste beim Kaffee, während ihre Kinder im Atelier kleine Glasplatten mit gemahlenem Farbglas bestreuen. Eine Kunstpädagogin übernahm hier während der Pandemie die historische Glashütte, für die ein Nachfolger gesucht wurde – zur Erleichterung der Dorfgemeinschaft, die schon fürchtete, dass die über hundertjährige Glastradition in Annenwalde endgültig ausstirbt.

    Nach ein paar Wandertagen bildet sich eine Typologie märkischer Dörfer heraus: Da sind die „Bullerbüs“, Aussteigerträume mit blumengeschmückten Backsteinhäusern, Kopfsteinpflaster und gepflegtem Dorfplatz unter schattigen Linden. Aber auch Orte ohne Baum und Strauch, mit breiten betonierten Gehwegen und gesichtslosen Supermärkten. Beim Betreten mancher Orte ruft das Wanderherz laut „Weitergehen – hier willst du nicht bleiben!“. Bei anderen möchte man verweilen wie in einem Wohnzimmer.

    Ringenwalde mit seinem verwilderten Gutspark gehört in die zweite Kategorie. Das Herz des Ortes schlägt im Gasthof „Zum Grünen Baum“ mit seiner urigen Einrichtung aus alten Küchenbüffets, Plüschsofas, Ölgemälden und Nippes. „Zu fast allen Sachen kann ich eine Geschichte erzählen – das fetzt schon“, sagt Markus Räthel, der das Wirtshaus gemeinsam mit seiner Frau Katharina führt. Darüber hinaus stehen sie auch selbst am Herd für ihre regionalen und saisonalen Gerichte.  

    In Steinhöfel i st die Kranichmutter Beate Blahy zu Hause

    Ein Abstecher führt nach Steinhöfel, wo in einem Gehöft eine ganz besondere „Pension“ ihren Sitz hat. So kann es passieren, dass man plötzlich einem ausgewachsenen Kranich gegenübersteht. Beate Blahy engagiert sich im Vogelmonitoring, in der Beringung und als „Kranichmutter“. Immer wieder nimmt sie Vögel auf, die verletzt oder von Spaziergängern aus vermeintlicher Tierliebe mitgenommen wurden. Mit jedem Tier, das zu ihr gebracht wird, verbindet sie die Hoffnung, dass es sich im Herbst dem Vogelzug seiner Artgenossen anschließt. „Ein Küken aufzuziehen, ist so, als hätten sie ein Baby – sie müssen vom Aufstehen bis zum Schlafengehen immer mit ihm zusammen sein, sonst ist es unglücklich“, erklärt Blahy.

    Vogelschützerin Beate Blahy mit einem Kranich
    Vogelschützerin Beate Blahy mit einem Kranich Foto: Oliver Gerhard

    Und so spielt sie selbst Kranich und versucht alles nachzuahmen, was die Altvögel ihren Jungen beibringen – inklusive Flügelschlagen. Bis die Vögel abheben können, sind lange gemeinsame Spaziergänge über die umliegenden Felder angesagt – zum Erstaunen der Wanderer, die hier vorbeikommen. Zurzeit hat Blahy eine Kanadagans zu Gast. Und manchmal fliegt Hannes zu ihr, ein ausgewilderter Kranich: „Er kommt hin und wieder zur gefüllten Weizenschüssel, um sich den Bauch vollzuschlagen“, erzählt sie.

    Nach einem Zwischenstopp in Angermünde ist schließlich die Oder erreicht. Am Stolper Turm biegt der Landweg nach Norden ab, um dem Flusslauf zu folgen. „Weg der Auenblicke“ heißt einer der schönsten Abschnitte durch den Nationalpark Unteres Odertal bis zum verwunschenen Schlosspark von Criewen. Im Winter kann man hier die seltenen Singschwäne beobachten – einer von vielen Gründen, wiederzukommen für einen Abschnitt auf dem Märkischen Landweg.

    Wissenswertes zum Märkischen Landweg

    Wandern: Der Märkische Landweg führt durch den Naturpark Uckermärkische Seen, das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und den Nationalpark Unteres Odertal. Man kann entweder in Feldberg oder in Fürstenberg/Havel starten, dann geht es über Lychen, Templin und Angermünde in Richtung Oder und parallel zum Fluss weiter nach Mescherin.

    Aktivitäten: Führungen auf den Stolper Turm, szenische Lesungen und Kräuterwanderungen veranstaltet Marina Delzer (www.gruen-und-wild.de). In der Glashütte Annenwalde kann man sich mit Fusing-Kunst, Glasmalen und Yoga beschäftigen (Annenwalde 28, Tel. 03987/200250, glashuette-annenwalde.de)

    Unterkunft: Zum Eichwerder, Stadthotel mit Bio-Frühstück im Zentrum von Templin (Werderstr. 38, Tel. 03987/494 14 10, hoteleichwerder.de)

    Hotel 1912, komfortable Zimmer und hilfsbereiter Service in einer Stadtvilla am Bahnhof von Angermünde (Bahnhofsplatz 3, Tel. 03331/298 02 70, hotel1912.de)

    Gastronomie: In der Handwerksbäckerei Lychen von Julien Strittmatter kann man sich für ein Picknick eindecken (handwerksbäckerei-lychen.de).

    Der Landgasthof Zum Grünen Baum in Temmen-Ringenwalde bietet regionale Küche und einfache Gästezimmer (landgasthofzumgruenenbaum.de).

    Im Brauwerk in Schwedt gibt es Biere aus der eigenen Brauerei und Exotisches wie Wasserbüffel-Burger (brauwerk-schwedt.de).

    Auskunft: Weitere Infos über die Region bei Tourismus Uckermark, www.tourismus-uckermark.de

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