Fahrbericht: Unterwegs im VW Polo 1.0 | heise autos

Fahrbericht: Unterwegs im VW Polo 1.0

Der Polo ist ein beeindruckend gutes Auto geworden. Was aber bleibt übrig, wenn er nicht mit der bei Pressetestwagen üblichen Vollausstattung gefahren wird, sondern so, wie die meisten ihn tatsächlich kaufen? Wir fuhren den Polo mit Dreizylinder-Saugmotor, Saugrohreinspritzung und 75 PS

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Unterwegs im VW Polo 1.0
Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Christoph M. Schwarzer
Inhaltsverzeichnis

Wohltuend konventionell. Und zugleich exzellent. Der VW Polo ist ein beeindruckend gutes Auto geworden. Was aber bleibt übrig, wenn der Kompaktwagen nicht mit der bei Pressevorstellungen üblichen Vollausstattung gefahren wird, sondern so, wie Privatkunden ihn tatsächlich kaufen? Einen einfachen Polo, bitte! Ich habe eine entsprechende Anfrage an die Volkswagen Kommunikation geschrieben, und jetzt steht er da – nicht als völlig abgespeckte Basisversion. Aber eben mit sinnvollen Extras als Comfortline. Und vor allem mit dem Dreizylinder-Saugmotor.

Diese Maschine, im konkreten Fall in der stärkeren Variante mit 75 PS statt mit nur 65 PS Leistung, ist im Volkswagen-Konzern ein Exot: Mangels Turbolader und Direkteinspritzung gehört sie zu den wenigen Benzinbetriebenen, die nicht das Kürzel TSI tragen. Das hat allerdings nicht nur Nachteile. Bei den Partikelemissionen ist der Simpelantrieb nämlich genauso problemlos wie bei den Stickoxiden, und auch der CO2-Ausstoß bleibt akzeptabel: Im Durchschnitt nahm der Polo 5,6 Liter pro 100 Kilometer aus dem 40 Liter großen Tank. Das entspricht 132 g CO2 / km (NEFZ: 4,7 l, 108 g CO2 / km).

Fahrbericht: Unterwegs im VW Polo 1.0 (12 Bilder)

Der neue Volkswagen Polo wird bereits ausgeliefert, ist im Straßenbild aber noch selten – das wird sich schnell ändern. Das Modell war immer beliebt, und er ist ein exzellentes Auto geworden.
(Bild: Christoph M. Schwarzer)

Kein Turbolader, keine Direkteinspritzung, kein Doppelkupplungsgetriebe und auch kein sechster Gang. Kein „Active Info Display“, sondern zwei analoge Rundinstrumente. Die Handbremse funktioniert über den klassischen Hebel zwischen den Vordersitzen, und der Motor startet über den Dreh des Zündschlüssels im Lenksäulenschloss. Ich. Vermisse. Nichts.

Das, was den Polo ausmacht, haben ohnehin alle denkbaren Modellvarianten. Er passt. Ein Auto für so viele Anwendungsfälle wie möglich. Beim Raumangebot ist der Polo ungefähr so groß wie ein Golf IV, wobei er sich bei der Innenbreite (angenehm), dem Radstand (ein Plus für die Passagiere auf der Rückbank) und dem Kofferraum (351 Liter, beim aktuellen Golf sind es nur 29 mehr) deutlich vom Vorgänger absetzt. Diese Fahrzeugklasse hat noch nicht das Übermaß erreicht, das viele Autos besonders im Stadtverkehr unhandlich macht; der Polo lässt sich sorgenfrei durch enge Straßen lenken.

Überhaupt, die Lenkung: Sie ist leichtgängiger als beim alten Polo, bietet aber trotzdem eine hohe Präzision bei sehr guter Rückmeldung – ein wesentlicher Beitrag zum Eindruck des für wirklich alle Nutzer entspannt fahrbaren Autos. Der Qualitätseindruck ist ebenfalls ganz weit vorne, was unter anderem an der wirksamen Geräuschdämmung des Fahrwerks liegt. Kompakte Maße, anständige Lenkung, hochwertige Verarbeitung bei hohem Gesamtkomfort, so mag es der europäische Autokäufer.

Wenig beliebt dagegen ist die Preispolitik von Volkswagen. So hat der Trendline-Polo bis heute weder Klimaanlage noch Radio serienmäßig, weswegen die Kunden meistens zum mittleren Ausstattungsniveau Comfortline greifen. Lobenswert: Alle Polos haben ein radarbasiertes automatisches Notbremssystem. Das ist das Ergebnis des Drucks von EuroNCAP, dem Verein, der die Sicherheit im Pkw erhöhen und die Unfallzahlen senken will. Die Punktevergabe von EuroNCAP führt zugleich zu einer Seltsamkeit: Der Geschwindigkeitsbegrenzer ist grundsätzlich immer im Polo – die weiterführende Belegung des identischen Hebels mit der Tempomatfunktion kostet 205 Euro.

Zurück zum Antrieb. Verwöhnte Naturen grübeln vielleicht, ob ein Überleben mit 75 PS und 95 Nm Drehmoment möglich ist. Kein Problem! Das Leistungsangebot reicht jederzeit zum lockeren Mitschwimmen. Wer jedoch meint, in Zeiten des Diesel- oder Elektro-Punches zum zügigen Beschleunigen einfach bei niedrigen Geschwindigkeiten das Gaspedal durchtreten zu können, erntet lediglich eine veränderte Klangfarbe. Stattdessen ist die Anwendung einer nahezu vergessenen Kulturtechnik nötig: Schalten Sie runter und drehen Sie den Motor ordentlich hoch! Dann geht auch irgendwie irgendwas: Die Werksangabe verspricht minimal 14,9 Sekunden bis 100 km/h und maximal 170 km/h.

Subjektiv ist das völlig okay. Und ich frage mich nach der Ausfahrt kürzlich im Renault Scenic Hybrid Assist , ob nicht ein ähnliches 48-Volt-Hybridsystem für diesen Polo attraktiver wäre als die Leistungssteigerung mittels Turbolader im TSI. Denn beim Verbrauch war der Gesamtwert mit 5,6 Litern zwar im Rahmen und lag unter dem vor drei Jahren gefahrenen Vorgänger. Beim Stadtkonsum von sechs Litern aber ist Luft nach unten. Das krasse Drehmoment des E-Motors von Continental im Renault Hybrid Assist – 66 Nm reißen direkt an der Kurbelwelle – würde das souveräne Fahren im Polo nochmals unterstreichen, selbst wenn das Leergewicht von 1105 kg dadurch ansteigen würde.

In Wolfsburg weiß man, wie man Autos baut. Daran gibt es keinen Zweifel. Ich habe mich am Steuer dabei ertappt, wie ich mir eine batterieelektrische Version des Polos vorstelle. Und tatsächlich wird der kommende I.D. (Premiere auf IAA 2019) exakt das: Ein konsequentes E-Auto im Kompaktformat mit allem, was Volkswagen so erfolgreich macht. Mir ist zugleich klar, dass der Preis eines Stromers auf absehbare Zeit nicht mit einem schlichten Verbrennungsmotorauto mithalten kann: Viele Komponenten wie die Klimaanlage oder die Lenkung brauchen beide. Lediglich der Rumpfmotor, der Plastiktank und der Abgasstrang fallen weg – dass die Summe aus E-Motor, Leistungselektronik, Ladetechnik für Wechsel- und Gleichstrom sowie Traktionsbatterie kostengleich werden können, ist nach meiner Einschätzung nicht plausibel.

Umso wichtiger ist die Feinarbeit am heutigen Konzept. Der Testwagen, der letztlich doch wieder mit Verzichtbarem wie 17-Zollfelgen mit 215er Reifen und dem teuersten Radionavigationssystem ausgerüstet war, repräsentierte einen Listenpreis von 22.220 Euro. Die Realität der Tageszulassungen wird mittelfristig bei rund 15.000 Euro liegen. Viel Geld für Normalverdiener. Und dennoch werden etliche Privatkäufer in Europa zugreifen, weil der Polo selbst an der Basis das beste Angebot ist.

Der Hersteller hat das Auto kostenfrei zur Verfügung gestellt und überführt. Der Autor ist für die Kraftstoffkosten aufgekommen.

Motorart Otto
Zylinder drei
Ventile pro Zylinder vier
Hubraum in ccm 999
Leistung in PS 75
Leistung in kW 55
bei U/min 6200
Drehmoment in Nm 95
bei U/min 3000 bis 4300
Antrieb Front
Gänge fünf
Getriebe manuell
Spurweite vorn in mm 1499 bis 1525
Spurweite hinten in mm 1483 bis 1509
Radaufhängung vorn Feder-Dämpferbein, unterer Querlenker
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse
Bremsen vorn Scheibe
Bremsen hinten Trommel
Wendekreis in m 10,6
Räder, Reifen vorn 7x17; 215/45 R 17 (Serie 5J14; 185/70 R 14)
Räder, Reifen hinten 7x17; 215/45 R 17 (Serie 5J14; 185/70 R 14)
Lenkung Zahnstange, elektrisch unterstützt
Länge in mm 4053 bis 4169
Breite in mm 1751
Höhe in mm 1461
Radstand in mm 2551
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck 1105
Zuladung in kg 428 bis 524
Kofferraumvolumen in Liter 351 bis 1125
Anhängelast, gebremst in kg 550
Dachlast in kg 75
Tankinhalt in Liter 40
Höchstgeschwindigkeit in km/h 170
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 14,9
Elastizität von 80-120 km/h in Sekunden 17,5 (IV)
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 4,8 bis 4,7
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 6 bis 5,9
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,1
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 5,6
CO2-Emission in g/km 110 bis 108
Schadstoffklasse Euro 6 W
Modell Polo 1.0
Grundpreis 16150 (Comfortline)
Währung Euro
Manuelle Klimaanlage S
Klimaautomatik 375
Automatikgetriebe Ab TSI Comfortline (18700)
Navigationssystem ab 565, in Verbindung mit Radio Composition Media
CD-Player 130
Schiebedach Glasschiebedach 930
Metallic-Lackierung 495
Leichtmetallfelgen ab 455
Tempomat 205
Modell VW Polo 1.0
Preisliste Stand 05. 10. 2017
Freisprecheinrichtung 465 in Verbindung mit Telefonschnittstelle Comfort
DAB+ (Digitalradio) 245, in Verbindung mit Radio Composition Media
Soundsystem 500
Abstandstempomat Ab TSI Comfortline mit DSG (18700), dann 255
Fahrwerksoption 445, Tieferlegung 15 mm inkl. simulierter Differenzialbremse durch Bremseingriff
Einparksensoren vorn 490
Einparkassistent Rückfahrkamera 280, in Verbindung mit Connectivity-Paket
Elektrische Heckklappe -
USB-Anschluss für Musik 130, in Verbindung mit Connectivity-Paket
Lederlenkrad 170
LED-Scheinwerfer 985
Sitzheizung 330, inkl. Warnleuchte Waschwasserstand
VW Polo 1.0 Trendline 13.975
VW Polo TSI (115 PS) DSG Highline 20.800
VW Polo 1.0 Trendline 13.975
VW Polo TSI (115 PS) DSG Highline 20.800

(fpi)