FreeCAD 1.0.0: Diese Features machen das CAD-Tool noch besser | heise online

FreeCAD 1.0.0: Diese Features machen das CAD-Tool noch besser

Mit Version 1.0.0 hat die Open-Source-Software FreeCAD zahlreiche neue Funktionen erhalten. Wir stellen einige der zentralen Optimierungen vor.

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Von
  • Matthias Mett
Inhaltsverzeichnis

Nach 22 Jahren ist es endlich so weit: FreeCAD hat Ende November 2024 die Version 1.0.0 erreicht. Damit bringt das quelloffene CAD-Programm wichtige Verbesserungen mit und wird auch für den professionellen Einsatz attraktiver. Dass die Entwickler jetzt den Schritt auf 1.0.0 vollzogen haben, begründen sie in dem FreeCAD-Blogpost zum Release. Es sei zwei Meilensteinen zu verdanken: der Integration der Assembly Workbench und der Lösung eines topologischen Benennungsproblems (dazu gleich mehr).

Diese und weitere Neuerungen stammen aus dem Ondsel-Projekt, einem Fork von FreeCAD, dessen kommerzielle Vermarktung in den vergangenen Jahren nicht genügend Akzeptanz fand. Die Entwicklung von Ondsel ES (Engineering Suite) wurde etwa zeitgleich mit dem Release der neuen FreeCAD-Version eingestellt.

Bereits das moderne Logo lässt vermuten, dass sich FreeCAD nicht nur technisch, sondern auch optisch verändert hat. So begrüßt den Nutzer beim ersten Start ein Willkommensbildschirm, in dem man die Sprache, Einheiten, den Navigationsstil und das Theme der grafischen Oberfläche einstellen kann. Neu ist auch der verschlankte Startbereich, der auf die Reiter „Hilfe“, „Aktivität“ und „Blog“ verzichtet. Dafür kann man nun beim Erstellen eines neuen Projekts gleich den Typ auswählen, z. B. ob es sich um ein parametrisches Design oder ein Architekturmodell handelt.

Beim ersten Start begrüßt FreeCAD 1.0.0 seine Nutzer mit einem Willkommensbildschirm.

Das Aufgaben-Fenster (am linken Rand des Programms) befindet sich nun unterhalb des Modell-Fensters und teilt sich den Platz nicht mehr als Tab. Beide lassen sich mit einem Button in der rechten oberen Ecke in einen Transparenzmodus umschalten, sodass nur ihre Inhalte (z. B. die Baumstruktur) ohne Hintergrund über dem Zeichenbereich schweben, wie man es von Fusion 360 oder Solid Edge kennt. Alternativ oder ergänzend kann man die Fenster auch noch mit der Funktion "Auto Hide" am Rand des Programms verschwinden lassen. Bewegt man seine Maus an den Randbereich, tauchen sie mit einer Animation wieder auf. Und wer die Fenster lieber an einer anderen Position haben möchte, kann sie (wie in Ondsel ES) mit gedrückter Maustaste an einen der Programmfenster-Ränder verschieben. Diese Anordnung bleibt auch bestehen, wenn man FreeCAD neu startet.

Links das alte FreeCAD 0.21.2 mit Combo Ansicht und Karteireiter für das Aufgabenfenster. Rechts Version 1.0.0 mit transparenter Baumansicht und eigenständigem Aufgabenfenster untereinander.

Wer von Ondsel ES wechselt und dessen Look-and-Feel vermisst, kann die Arbeitsbereichsauswahl in den Einstellungen unter "Arbeitsbereiche" und "Typ der Arbeitsbereichsauswahl" auf "Taskleiste" stellen. Dort lassen sich auch die Arbeitsbereiche auswählen, die direkt erscheinen sollen. FreeCAD stellt diese jedoch in einer Tableiste dar und nicht wie in Ondsel ES als einzelne Schaltflächen nebeneinander.

Links Ondsel ES 2024.2.2 mit Schaltflächen als Arbeitsbereichsauswahl. Rechts FreeCAD 1.0.0 mit ausgewählten Arbeitsbereichen als Tableiste.

Im Einstellungsfenster sind die einzelnen Bereiche nun als Baumstruktur dargestellt und nicht mehr als in Registerkarten aufgeteilt. Dort findet sich unter „Anzeige“ auch der neue Punkt „Lichtquellen“. Solche Einstellungen kennt man aus Programmen wie Blender.

Die Richtung der Lichtquelle lässt sich mit der Maus einstellen.

In älteren FreeCAD-Versionen konnte man die Abmessungen einer Geometrie erst nach dem Erstellen mithilfe von Einschränkungen (oder Beschränkungen, engl. Constraints) festlegen. In Version 1.0.0 ist es nun möglich, die Dimensionen eines Objekts direkt beim Hinzufügen einzustellen. Legt man z. B. ein Rechteck an und zeichnet es mit der Maus auf, so erscheinen die horizontalen und vertikalen Abmessungen, die sich direkt mit einem Klick anpassen lassen. Mit der Tabulatortaste lässt sich zwischen den Eingabefeldern wechseln (z. B. von der horizontalen Bemaßung auf die vertikale). Das Betätigen der Eingabetaste vervollständigt das Rechteck mit den richtigen Maßen. Durch die schnellere Erstellung von Skizzen beschleunigt sich der Arbeitsablauf in FreeCAD erheblich.

Im alten FreeCAD (links) musste man die Maße nachträglich mithilfe von Einschränkung anlegen. Jetzt lassen sich die Dimensionen direkt beim Zeichnen eingeben (rechts).

Neu ist auch die experimentelle "Allow Compound"-Funktion. Diese ermöglicht es, mehrere, sich nicht berührende, zweidimensionale Geometrien innerhalb einer Skizze aufzupolstern (in ein 3D-Objekt zu verwandeln). Bisher war das nur mit einer Geometrie möglich und es war auch nicht erlaubt, mehrere unabhängige (nicht verbundene) Geometrien in einer Skizze anzulegen. Die benötigte Einstellung findet man in den Eigenschaften eines Körpers und muss sie dort auf "true" setzen.

Mit der "Allow Compound"-Einstellung am Körper erscheinen mehrere 3D-Objekte in einer Skizze aufgepolstert.

Mit der Assembly Workbench lassen sich Konstruktionen virtuell so zusammensetzen, wie sie später im realen Modell gedacht sind. Früher musste man die Funktion zusätzlich über den Add-on-Manager installieren und wissen, was A2plus, Assembly3 oder Assembly4 unterscheidet. Dieser Schritt bleibt Nutzern jetzt erspart.

Die neue integrierte Assembly Workbench, oben mit zusammengebautem Beispiel und unten in Einzelteilen.

Wenn eine Form nach einer Modellierungsoperation (Pad, Cut, Union, Fase, Verrundung etc.) ihren internen Namen ändert, konnte das in FreeCAD bisher zu einem topologischen Benennungsproblem führen, wenn andere parametrische Features, die von dieser Form abhängen, unterbrochen oder falsch berechnet wurden. Aufgrund dieses Problems konnte FreeCAD im professionellen Bereich nur schwer Fuß fassen, konnte aber in Version 1.0.0 schon für den Sketcher und die Part Design Workbench gelöst werden und werde zukünftig auch auf weitere Funktionen übertragen. Mehr Informationen zu dem topologischen Benennungsproblems und Ondsels Lösungsansatz finden Sie hier.

Das Materialverwaltungssystem und den dazugehörigen Editor haben die Entwickler komplett überarbeitet und weitere Verbesserungen sind geplant. Erstere ist jetzt in der neuen Material Workbench untergebracht. Eine neue Darstellungsvorschau zeigt nun die Materialien so an, wie sie beim Modellieren erscheinen. Ebenso wird das neue Materialsystem nun auch für die Darstellungseigenschaften verwendet und nicht nur für die physikalischen Eigenschaften (Dichte, Festigkeit usw.). Mit dieser Neuerung kann man seine Modelle realistischer darstellen.

Die Material Workbench kommt mit einer neuen Materialbibliothek und Materialvorschau.

In der Ansichten-Symbolleiste sind Auswahlfilter hinzugekommen. Mit ihnen kann man Knoten, Kanten und Flächen im Modell leichter auswählen, indem sie die Auswahlmöglichkeiten einschränken. Außerdem ist ein neues universelles Messwerkzeug hinzugekommen (Messschieber-Symbol). Dieses ersetzt die alten Part-Messwerkzeuge und ein gemessener Wert erscheint jetzt auch als Eintrag in der Baumansicht. Auch hierbei sind die erwähnten Auswahlfilter sehr nützlich.

Die ausgeklappten Auswahlfilter und eine einfache Messung mit dem neuen Messwerkzeug.

Mit dem behobenen topologischen Benennungsproblem ist FreeCAD 1.0.0 ein ganzes Stück zuverlässiger geworden, und dass man die Bedienoberfläche nun individuell einstellen kann, ist praktisch. Nicht zuletzt profitiert man als Nutzer von den kleinen Verbesserungen, die den Workflow vereinfachen: den Auswahlfiltern, den Lichteinstellungen, der direkten Eingabe von Maßen, wenn man ein Objekt erstellt und vielen mehr. Die vollständige Übersicht aller Neuerungen finden Sie in den Release Notes zu Version 1.0.0. Wer sich bereits über das bald anstehende Update 1.1.0 informieren möchte, findet auch dazu schon nähere Informationen auf der Projektseite.

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(akf)