Kernel-Log: Neuer X-Server, 3D-Treiber für Radeon 5000, neue Stable-Kernel | heise online

Kernel-Log: Neuer X-Server, 3D-Treiber für Radeon 5000, neue Stable-Kernel

Neue Kernel-Versionen korrigieren kleinere Fehler, der X-Server 1.9 bringt auch einige Verbesserungen. Dank AMD-Code können die X.org-Treiber für Radeon-GPUs nun auch 2D- und 3D-Beschleunigung bei Radeon-5000-Karten nutzen.

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Von
  • Thorsten Leemhuis
Inhaltsverzeichnis

Genau zum geplanten Zeitpunkt und somit ohne die bis vor einem Jahr üblichen monatelangen Verzögerungen hat X-Urgestein Keith Packard Ende vergangener Woche die Version 1.9 des X-Servers von X.org freigegeben. Die zum Einsatz bei Fedora 14 oder Ubuntu 10.10 vorgesehene Version bringt allerdings keine größeren Neuerungen, sondern vorwiegend kleinere Verbesserungen und Fehlerkorrekturen. Durch einen neuen Authentifizierungs-Mechanismus für das noch junge DRI2 lässt sich der X-Server nun etwa ohne die libdrm übersetzten. Die "Buffers Invalidation" für DRI2 und einige Änderungen an Xinput sollen die Performance verbessern. Der X-Server kann zudem nun auch ohne Ausgabegeräte starten und zahlreiche Aufräumarbeiten am Code sollen sowohl Wartung als auch zukünftige Erweiterungen vereinfachen.

Die Pflege der 1.9er-Serie wird Apple-Mitarbeiter Jeremy Huddleston übernehmen; der bei Red Hat angestellte X-Input-Experte Peter Hutterer, der die X-Server-Serien 1.7 und 1.8 betreut hatte, wollte sich die Arbeit diesmal nicht aufhalsen. Huddleston hatte Interesse angemeldet, weil sein Arbeitgeber die 1.9er-Server wahrscheinlich als Basis für die nächste, über einen längeren Zeitraum gewartete Version von XQuartz einsetzen will; da er aber mit den DDX-Treibern nicht so vertraut ist wie sein Vorgänger, sei er bei der Wartung auf mehr Unterstützung durch andere angewiesen. Einige Pläne zu neuen Version hat er bereits dargelegt; in sechs beziehungsweise zwölf Wochen sollen die Versionen 1.9.1 und 1.9.2 erscheinen. Ein X-Server der 1.9er-Serie soll auch Bestandteil von X.org 7.6 werden, das diesen Herbst erscheinen soll.

AMD-Entwickler haben kürzlich größere Mengen Code veröffentlicht, durch den die bislang noch rudimentären Open-Source-Treiber für AMDs-Karten mit Evergreen-GPUs auch 2D-, 3D- und XVideo-Beschleunigung bieten – derzeit bietet diese nur AMDs proprietären Grafiktreiber.

Der Treiber-Code findet sich allerdings derzeit noch in verschiedenen Entwicklerzweigen: Die Erweiterungen für den X.org-Treiber liegt in einem "evergreen_accel" genannten Branch; sobald der Code gereift ist, sollte er in den Hauptentwicklungszweig des zum Treiberpaket "xf86-video-ati" gehörenden Treibers "radeon" einfließen und dann von den Distributionen aufgegriffen werden. Der Treiber ist auf Erweiterungen für den r600-Treiber von Mesa 3D angewiesen, die in den Mesa-Entwicklerzweig einflossen, aus dem die Version 7.9 von Mesa 3D hervorgehen soll. Das wiederum ist auf Unterstützung durch den Kernel angewiesen, die jedoch schon der KMS-Treiber des kürzlich freigegeben Linux-Kernel 2.6.35 bietet.

Wie bereits vor einigen Tagen gemeldet, enthielten Kernel der 2.6er-Generation eine Sicherheitslücke, über die lokale Angreifer Code mit Root-Rechten ausführen können – die ist inzwischen im Hauptentwicklungszweig und in den Anfang vergangener Woche veröffentlichten Versionen 2.6.32.19, 2.6.34.4 und 2.6.35.2 geschlossen. In die parallel freigegebene Version 2.6.27.51 flossen die Korrekturen nicht ein, wurden dann aber Bestandteil der Freitag Abend freigegeben Version 2.6.27.52. Sie beseitigt noch einige Fehler, die indirekt durch die Patches zum Stopfen der Sicherheitslücke ausgelöst wurden; diese Fehlerkorrekturen flossen auch in die parallel veröffentlichten Versionen 2.6.32.20, 2.6.34.5 und 2.6.35.3 ein. Zumindest Letztere zeigt auf manchen Systemen noch ein zuvor nicht aufgetretenes Problem, das ein Nachfolger beseitigen soll.

Nachdem das letzte Kernel-Log über leichte Differenzen in den Freigabe-Mails zu den vorangegangenen Stable-Kernel eingegangen waren, schrieb Greg Kroah-Hartman in mehreren Mails nun, dass alle Anwender auf die neuen Kernel updaten müssten. In der Freigabe-Mail zu 2.6.35.2 schrieb er ferner,er sei es Leid, dass Leute seine Worte wie die des Vorsitzenden der US-Notenbank interpretieren würden. Er forderte abermals zum Update auf und stellt die Frage: "Wenn Du einen selbst kompilierten Kernel von kernel.org nutzt und nicht auf die neusten Stable-Kernel aktualisierst, warum nutzt Du dann überhaupt einen Kernel von kernel.org?" ("I'm tired of people trying to parse my words like I'm the Federal Reserve Chairman, just go update already. If you use a kernel.org-based kernel, and you aren't updating to the latest -stable updates, well, why are you using a kernel.org kernel in the first place?")

Zum Start dieser Arbeitswoche hat Linus Torvalds die zweite Vorabversion von Linux 2.6.36 freigegeben. Nachdem er zur das Merge Window von 2.6.36 beendenden Veröffentlichung der ersten Vorabversion Anfang vergangener Woche ausnahmsweise keine begleitetende Freigabe-Mail aussandte, hob er einige der seiner Ansicht nach wichtigsten Änderungen in der Freigabe-Mail zu 2.6.36-rc2 hervor: Fanotify, die Concurrencey Managed Workqueues und verschiedene Optimierungen an Virtual-Memory-Infrastuktur.

Er erwähnt zudem, dass er für die zweite Vorabversion noch einige größere Patches für die Intel-Grafiktreiber aufgenommen hat sowie einige der maßgeblich von Nick Piggin entwickelte Patches, die den Code des Virtual File System Layer (VFS) optimieren, damit er insbesondere auf Systemen mit vielen Prozessorkernen besser arbeitet. Es seien aber nur einige wenige der Patches gewesen, das VFS optimieren, und noch nicht mal die interessantesten. Letztere dürften somit frühestens für 2.6.37 in den Hauptentwicklungszweig einziehen.

Größere neue Funktionen für 2.6.36 will Torvalds von nun an nicht mehr sehen; einige Git-Pull-Request habe er bereits zurückgewiesen ("The main commentary about it is that I'll be back in "fairly strict" mode as of -rc2. IOW, send me regression fixes only. Really. I already dropped some git pull requests that were a bit too obviously new feature stuff after the merge window closed, [...]"). Ähnlich war er bereits bei der 2.6.35-Entwicklung vorgegangen, nachdem er bei früheren Versionen deutlich laxer war.

Kernel

X-Server und Co.

  • Peter Hutterer hat einen Release Candidate des Synaptics-Treibers 1.3 veröffentlicht. Bei ihr schaltet der Touchpadtreiber die Zweifinger-Scroll-Emulation automatisch an, wenn der Kernel-Treiber eine zulässige Weite meldet.
  • Martin-Éric Racine hat die Version 2.11.9 des Grafiktreibers für die unter anderem bei einigen OLPC eingesetzten Geode-Prozessoren veröffentlicht. Es sind die erste Resultate eines wieder erstarkten Engagements seitens AMD.

Kernel-Umland ("Plumbing layer"), Userland-Treiber, Entwicklertools, ...

  • Lennart Poettering hat in einem Blog-Eintrag den aktuellen Status zur Entwicklung der maßgeblich von ihm vorangetriebenen SysV-Init- und Upstart-Alternative zusammengefasst. In einem zweiten Blog-Post erläutert er, wie man mit Systemd den erfolgreichen Start und den aktuellen Status von Diensten überprüft.
  • Greg Kroah-Hartman hat die Version 0.90 der Usbutils veröffentlicht.
  • Die Entwickler des Gphoto-Projekts haben die Version 2.4.10 der Bibliothek libgphoto2 zum Auslesen vieler Digitalkameras zum Download freigegeben, die eine Reihe kleinerer Verbesserungen für Kameras und PTP-Geräte verschiedener Hersteller bringt.
  • Junio C Hamano hat Git 1.7.2.2 freigegeben.
  • Kay Sievers hat das vornehmlich Fehlerkorrekturen und kleinere Verbesserungen bringende Udev 161 veröffentlicht.
  • Die Entwickler des früher Gimp-Print genannten Gutenprint haben die Version 5.2.6. ihrer Durckertreibersammlung veröffentlicht. Sie verbessert unter anderem die Unterstützung für verschiedener Stylus Pro von Epson und einige Tintendrucker von Canon und enthält einen erweiterten PCL-Treiber.
  • Größtenteils kleine Korrekturen und Verbesserungen enthält auch die kürzlich freigegebene Version 4.0.5 von Foomatic, das bei vielen Linux-Distributionen bei Konfiguration von Druckern involviert ist.

Weitere Hintergründe und Informationen rund um Entwicklungen im Linux-Kernel und dessen Umfeld finden sich in den vorangegangenen Kernel-Logs auf heise open. Neue Ausgaben des Kernel-Logs werden auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog" erwähnt; die englischen, bei den Kollegen von "The H" erscheinenden Übersetzungen auf den Identi.ca- und Twitter-Konten "@kernellog2". Gelegentlich zwitschert der Autor des Kernel-Logs unabhängig davon über einige Kernel-Log-Themen bei Identi.ca und Twitter als "@kernellogauthor". (thl). (thl)