10 Möglichkeiten: Alte iPhones und iPads im Alltag weiter nutzen
Mit den richtigen Apps, ein wenig Aufwand und Zubehör leisten auch alte iOS-Geräte gute Dienste.
iPhones und iPads sind universell einsetzbar und dank ihrer Sensoren und drahtlosen Verbindungsstandards für die flexible Verwendung prädestiniert. Ihre Features funktionieren noch lange, nachdem Apple sie durch neuere Modelle ersetzt hat und keine Betriebssystem-Updates mehr ausliefert. Darum wäre es schade, wenn das einst teure Gerät, das für Jahre treue Dienste leistete, von heute auf morgen in Ungnade fällt.
In den folgenden Anwendungsbeispielen empfehlen wir Nutzungszenarien für ältere iPhones und iPads, die Ihr Leben bereichern. Der eine oder andere Tipp eignet sich auch für einen altgedienten iPod touch.
1. Alte iPhones und iPads als Musikbox
Streamen Sie Musik und gesprochene Inhalte auf Ihre Boxen. Stellen Sie Ihre Lieblingslieder zusammen oder beteiligen Sie Ihre Gäste an der Auswahl.
Verwandeln Sie Ihr iPhone, iPad oder iPod touch in einen universellen Musiklieferanten. Per Miniklinke gelangt der Ton zu den Lautsprechern. Ein Soundsystem mit Dock- oder Lightning-Anschluss wird mit einem aufgesteckten iPhone zum Webradio, Hörbuch- und Podcast-Player. Zusätzlicher Vorteil: Ebenso wie ein passendes Dock versorgt es das iOS-Gerät mit Strom – gerade bei altersschwachen Akkus ein Segen.
Bluetooth-Boxen muss man einmal verbinden. Dafür aktiviert man am Lautsprecher den Koppelungsmodus. Am iOS-Gerät unter Einstellungen/Bluetooth erscheint es nun unter "Andere Geräte". Innerhalb einer gewissen Zeit (üblicherweise eine Minute) müssen Sie die Box einmal antippen, um sie dauerhaft zu koppeln. Danach stellen die beiden automatisch eine Verbindung her, wenn beide eingeschaltet und in Reichweite sind.
Wer einen Apple TV, Homepod oder eine Airport Express an der Stereoanlage angeschlossen hat, schickt die Musik übers WLAN – per AirPlay.
Am schnellsten gelingt das über die Kontrollzentrum: Ab iOS 11 prangt im quadratischen Audiowiedergabe-Steuerelement ein Drahtlos-Symbol in der oberen Ecke. Tippen Sie es an, um ein Bluetooth- oder AirPlay-Ziel auszuwählen.
In früheren iOS-Versionen erscheint das AirPlay-Symbol erst, wenn entsprechende Geräte vorhanden sind, also etwa eine Airport Express im WLAN auf Audiosignale wartet. Eventuell müssen Sie mit einem horizontalen Wisch zwischen mehreren Kontrollzentren wechseln, bis die Audiowiedergabe erscheint.
Als Empfänger dieser drahtlosen Audioübertragung darf sich ein iPhone leider nicht andienen. Lediglich mit der Software Airfoil (macOS / Windows, ab 35 US-Dollar) und der iOS-App Airfoil Satellite (kostenlos, ab iOS 7) bekommen Sie Audio vom Rechner zum iPhone. Dafür installieren und starten Sie App und Mac-Programm. Sind iOS-Gerät und Mac im selben Netzwerk, finden sie einander automatisch. Sie können AirPlay-, Chromecast- und Bluetooth-Ziele ebenso wie die Mac-Lautsprecher gleichzeitig versorgen und die Lautstärke individuell regeln – auch von der App aus.
Der Streaming-Dienst Apple Music funktioniert ab iOS 9, für Spotify ist inzwischen iOS 11 erforderlich. Haben Sie Spotify zuvor schon heruntergeladen, können Sie aber auch eine frühere Version der App auf älteren iPhones oder iPads beziehen (mehr dazu siehe Ältere iPhones: Alte App-Versionen installieren, archivieren und weiternutzen). Wenn Sie fernab des WLANs, etwa im Schrebergarten oder auf der Skihütte, auf gestreamte Musik zugreifen wollen, müssen Sie dies explizit erlauben.
Bei einer Party können Sie die Gäste an der Musikgestaltung mitentscheiden lassen. Dafür laden Sie (und Ihre Gäste) die kostenlose App Party DJ (iOS ab 7 oder Android) herunter. Auf Ihrem iPhone geben Sie nach einem einmaligen In-App-Kauf Ihre Musiksammlung im Netz frei; Ihre Freunde dürfen dann einzelne Titel auf die Wiedergabeliste setzen oder durch ein Herz den Empfehlungen anderer Nachdruck verleihen.
Radio mit Podcasts und Hörbüchern
Alternativ funktionieren Sie das Altgerät in ein persönliches Info-Radio um: Apples Podcasts-App (ab iOS 5) verwaltet Abonnements und lädt neue Folgen eigenständig übers WLAN.
Wenn Sie die App nicht auf Ihrem iOS-Gerät finden, installieren Sie sie aus dem App Store nach. Über den Reiter "Entdecken" können Sie das umfangreiche iTunes-Podcast-Verzeichnis durchstöbern. Aus den Kategorien und Charts stellen Sie sich in Windeseile ein individuelles Informations- und Unterhaltungsprogramm zusammen.
Hörbücher gelangen vom Mac oder Windows-PC auf ein per WLAN verbundenes iOS-Gerät, etwa einen iPod touch. Dafür schließen Sie ihn an den Mac an, mit dem er synchronisiert. In der Übersicht aktivieren Sie "Dieses Gerät per WLAN synchronisieren". Unter "Hörbücher" wählen Sie Titel, Kapitel oder Wiedergabelisten aus, die Sie auf dem Gerät sofort hören wollen, dann klicken Sie auf "Synchronisieren".
Der Clou: Solange der iPod touch mit demselben WLAN wie der Computer verbunden ist, erscheint er in iTunes. So können Sie Audiobooks hinzufügen und entfernen, ohne eine Kabelverbindung herzustellen. Der erneute Klick auf "Synchronisieren" startet die Übertragung, fügt neue Bücher hinzu oder entfernt bereits gehörte. Das klappt übrigens auch mit Podcasts auf Geräten unterhalb von iOS 5.
WLAN-Hotspot und Fernbedienung
2. Altes iPhone als mobiler WLAN-Hotspot
Ein iPhone kann als mobiler WLAN-Router dienen, mit dem Sie unterwegs etwa MacBooks und iPads ohne SIM-Karte ins Netz bringen.
Dafür stecken Sie eine Prepaid-SIM-Karte ins Gerät, buchen eine Tages- oder Monats-Flatrate und aktivieren den Hotspot-Modus (unter "Einstellungen/Hotspot", bei älteren iOS-Versionen unter "Einstellungen/Mobiles Netz/Persönlicher Hotspot").
Sofern Ihr iPad eine SIM-Karte aufnimmt, kann es ebenfalls als Mobiler WLAN-Router (Mifi) dienen. Gleich ob iPad oder iPhone, der Mobilfunk-Anbieter muss die Hotspot-Funktion unterstützen, sonst lässt sich der Menüeintrag nicht aktivieren oder erscheint gar nicht erst. Erkundigen Sie sich in diesem Fall bei Ihrem Provider, ob er die Funktion aktiviert.
Beim ersten Einschalten des Hotspots wird ein zufälliges Kennwort angelegt, Sie können aber auch ein eigenes eingeben. Die Nutznießer, etwa iPads oder Macs, melden Sie mit diesem Hotspot-WLAN an, damit sie über das Handynetz ins Internet gelangen.
So wird ein iPhone 4 oder iPad zum UMTS-Hotspot, iPhone 5 und iPad 4 unterstützen das Telekom-LTE. Ab Modell 5s funkt das iPhone in allen Netzen mit LTE-Geschwindigkeit, sofern es der Tarif zulässt.
Damit der gemeinsame Surf-Genuss von Dauer ist, schließen Sie das iPhone am besten an eine Stromquelle (Netzteil oder Powerbank) an und legen Sie es gut gelüftet ab. Das Datenschaufeln kostet viel Energie, dabei erwärmt sich das Gerät kräftig.
Über eine Hotspot-Verbindung können Sie auch Daten mit einem anderen Mac austauschen oder ihn via Bildschirmfreigabe fernsteuern. Für größere Datenmengen ist dies deutlich zu lahm, doch genügt sie, um ein paar Dokumente auszutauschen.
Achten Sie allerdings auf Ihre Datenlimits. Die Geräte wähnen sich im WLAN und warnen nicht, wenn Dateien über 100 MByte groß sind, sondern laden sie problemlos via Mobilfunk. Ein Systemupdate kann so schon mal das Datenvolumen aufsaugen. Die App TripMode (macOS / Windows, 8 Euro) hilft dabei, den Datenstrom zu begrenzen. Sie erkennt WLAN am Namen und erlaubt die Einrichtung von Profilen, um Datenverbindungen zu unterbinden oder auf eine Gesamtmenge zu beschränken.
3. iPhone als universelle Fernbedienung
Der Touchscreen macht das iDevice zur universellen Fernbedienung. Mit den richtigen Apps steuern Sie nicht nur Apple TV, sondern auch Mac und Heimelektronik.
Alfred Remote (5,50 Euro, ab iOS 7) und BTT Remote (kostenlos, ab iOS 10) lösen vorher festgelegte Aktionen am Mac aus; so stellen Sie sich ihre individuelle Schaltzentrale zusammen. Dafür benötigt der Mac das passende Gegenstück: Alfred für den Mac ist in der Basisversion kostenlos. Nachdem Sie es auf dem Mac installiert und gestartet haben, klicken Sie im Einstellungsdialog auf "Remote" und dann unten rechts auf "add iOS Device". Ein iPhone oder iPad mit Alfred Remote zeigt nun den Mac an. Tippen Sie ihn an, erscheint eine Passphrase, die Sie wiederum am Mac eingeben.
Fortan zeigt die App Werkzeuge an, die Sie am Mac in Kategorien sortiert zur Verfügung stellen – sofern beide im selben WLAN sind. Mächtige Automatisierungsfunktionen und die Steuerung der Musikwiedergabe funktionieren allerdings erst, wenn Sie am Mac das Powerpack für 25 Britische Pfund erwerben.
Das Mac-Programm BetterTouchTool verknüpft Touchpad-Gesten und Tastenkombinationen mit System- und Programmfunktionen. Es ist ab rund 7,50 US-Dollar erhältlich. Mit Hilfe der BTT-Remote-App rufen Sie Funktionen auf oder steuern den Mauszeiger per Touchscreen.
Apples kostenlose App iTunes Remote funktioniert auf jedem iPhone, iPod oder iPad.
Mit ihr steuern Sie die Wiedergabe von Titeln aus der iTunes-Mediathek fern, sofern in den Einstellungen unter Freigabe die Option "Meine Mediathek im lokalen Netzwerk teilen" aktiviert ist. Im App Store allerdings ist iOS 9 das Minimum, damit Sie die App herunterladen können. Falls Sie eine ältere Version installiert haben, etwa auf einem iPod touch erster Generation, funktioniert sie jedoch weiterhin.
Am Mac öffnen Sie zunächst iTunes und dort dann mit Cmd+Komma die Einstellungen. Unter "Freigabe" aktivieren Sie "Meine Mediathek im lokalen Netzwerk teilen". Auf dem iPhone, iPad oder iPod touch starten Sie die App und tippen auf "Einstellungen", um den Mac zu entdecken. Ab macOS 10.15 Catalina finden Sie dies in den Systemeinstellungen unter "Freigabe" – "Medien teilen".
Am Mac erscheint nun neben der Medienauswahl ein quadratisches Icon für die iTunes Remote. Klicken Sie darauf und geben den vierstelligen Code ein, den Ihnen das iOS-Gerät anzeigt. Nun erscheint eine leicht reduzierte iTunes-Ansicht auf dem Touchscreen; Sie können frei stöbern in den Interpreten, Alben und Wiedergabelisten. Auf Podcasts und Filme können Sie zugreifen, wenn Sie unten links auf den Freigabenamen klicken. Dort wechseln Sie auch zur Mediathek eines anderen Macs.
Präsentation per iPhone
Apples Präsentationssoftware Keynote gibt es auch für iOS. Schließt man beispielsweise ein MacBook an den Beamer an, steuert man die Präsentation mit dem iPhone (mit dem iPad oder iPod touch gelingt das ebenso). Dafür müssen beide Geräte im selben WLAN sein. Auch kann das Gerät am Beamer statt des Macs beispielsweise ein iPad sein, und Sie steuern es mit dem iPhone. Die 32-Bit-App "Keynote Remote" funktioniert übrigens nicht mehr mit aktuellen Keynote-Versionen.
Smart-Home-Zentrale und Videoüberwachung
4. Haussteuerung per iPhone oder iPad
Ein iPad kann als HomeKit-Zentrale dienen. iPhones überwachen den Babyschlaf – oder die Kellertür.
Wer ein iPad 4 oder neuer stets in seiner Wohnung belässt, kann es als HomeKit-Zentrale nutzen und Heimelektronik von der Glühbirne bis zur Haustür kontrollieren. Ein Apple TV (HD, 4. Generation oder 4K) oder HomePod übernimmt diese Aufgabe ebenfalls.
iOS 10 ist die Voraussetzung dafür, aus der Entfernung HomeKit zu steuern. Auf der zukünftigen HomeKit-Zentrale melden Sie sich zunächst mit Ihrer Apple-ID an und aktivieren den iCloud-Schlüsselbund. Das wiederholen Sie auf dem mobilen Gerät, das fortan zur Steuerung dienen soll, etwa Ihrem iPhone.
In der Home-App aktivieren Sie HomeKit-fähige Geräte, indem Sie den QR-Code in der Packung des Geräts fotografieren. In der App stehen nun Einstellungen und Automatisierungsmöglichkeiten zur Verfügung. So kann man Leuchten etwa zu einem Raum gruppieren und einschalten, sobald man die Wohnung betritt.
5. Baby-Monitor & Co: Aus der Ferne überwachen
Mittels Apps wie Presence (ab iOS 8, kostenlos, Pro-Version 5 Euro pro Jahr) und AirBeam (ab iOS 8, 4,50 Euro) beobachten Sie Geschehnisse aus der Ferne. Beide bringen das aktuelle Bild übers Netz an App oder Browser und melden sich per Mitteilungszentrale, falls sie eine Bewegung wahrnehmen.
Nehmen wir an, Sie haben ein iPhone 4s übrig und wollen von unterwegs mit einem iPad sehen, was Ihre Katzen auf dem Balkon so treiben, wenn Sie nicht da sind.
Dafür laden Sie auf beiden Geräten die Presence-App herunter. Auf dem iPhone richten Sie zunächst mit einer E-Mail-Adresse und einem Passwort ein Benutzerkonto ein. Dann wählen Sie aus, dass Sie das Gerät als Kamera verwenden wollen. Das Gerät ist fortan aktiv; die App beenden dürfen Sie nun nicht mehr.
Auf dem iPad starten Sie die App, geben dieselben Anmeldedaten wie auf dem iPhone ein und wählen aus, dass dieses Gerät die Fernbedienung sein soll. Als nächstes erscheint bereits das Bild der iPhone-Kamera auf dem iPad. Sie können eine Aufnahme starten, zwischen den Kameras wechseln und eine Sprachverbindung herstellen.
Beide können dabei auch eine Gesprächsverbindung aufbauen, etwa um ein Kleinkind vom Nebenzimmer aus zu beruhigen. Aktiviert man die Bewegungserkennung, erscheint eine Mitteilung auf dem iPad, sobald sich etwas vor dem iPhone bewegt. AirBeam speichert auf Wunsch Bilder und Videos lokal oder auf der Dropbox. Presence überträgt das Livebild mit einem Umweg über den Server des Anbieters. Das Pro-Abo gewährt längere Aufnahmen und mehr Speicherplatz.
Videotelefon und Schreibmaschine
6. Videotelefon
Mit guter Netzanbindung bringt man die Familie über den Bildschirm zusammen. Dazu taugen auch ältere Geräte.
Ein iPad eignet sich prima als Kommunikationsgerät für ältere, technisch weniger versierte Verwandte, mit denen Sie in Kontakt bleiben möchten. Eltern und Großeltern freuen sich darüber, regelmäßig mit dem Nachwuchs sprechen zu können. Das macht ein voreingerichtetes iPad zum großartigen Geschenk.
Ein iPad 2 oder 3 (mit Retina-Display) genügt, um per Voice- oder Videochat eine Verbindung herzustellen.
Auch ein iPod touch der fünften oder sechsten Generation kann als Gegenstelle dienen. Wenn die Beschenkten noch keine Apple-ID besitzen, richten Sie am besten eine ein und schreiben das Kennwort auf. Eventuell legen Sie noch ein Startguthaben für den Apple Store obendrauf.
Installieren Sie für die Kontaktaufnahme nötige Apps, etwa Skype (ab iOS 10), Facebook Messenger (ab iOS 9, beide kostenlos) und/oder Threema (3,50 Euro, ab iOS 10). Für FaceTime müssen Sie keine zusätzliche App installieren. Stattdessen tragen Sie die Daten des Beschenkten ebenso wie Ihre persönlichen Informationen in der Kontakte-App ein, inklusive Handynummer und E-Mail-Adresse, die Sie selbst auf dem iPhone nutzen. Markieren Sie sich selbst auch gleich als Favoriten, damit die Anrufe reibungslos ablaufen.
Speichern Sie WLAN-Kennwörter im Voraus oder besorgen Sie eine Prepaid-SIM-Karte. Planen Sie auch eine Stunde zum Erklären ein, in der Sie ein offenes Ohr für Fragen der Beschenkten haben.
Eine Aufstellmöglichkeit rundet das Touchscreen-Geschenk ab. Für iPads eignen sich Apples Smart Cover, doch auch das Angebot von Drittanbietern ist groß. Vor allem kann man mit ihnen auch im Portrait-Modus kommunizieren. Es reicht vom drei Euro teuren Kunststoff-Brett "Isberget" von Ikea bis zum perfekt austarierten Holzmöbel "Yohann" eines Schweizer Designers – für bis zu hundertfünfzig Euro.
7. Schreibmaschine
Auch wenn Videos ruckeln und neue Apps nicht mehr laufen, kann man auf einem iPad noch prima Texte und E-Mails schreiben. Mit ein paar Tricks treiben Sie ihm die verlangsamenden Flausen aus, damit Sie konzentriert schreiben können.
Wer viel schreibt, muss mit ständigen Ablenkungen leben, die durch dauerhaft vernetzte Geräte entstehen. E-Mails, soziale Netzwerke, App-Updates und Websites konkurrieren um die Aufmerksamkeit. Ein paar Tricks bringen Ihr iPad zum Schweigen und helfen Ihnen, sich auf Ihre Aufgabe zu fokussieren.
Die Notizen-App ist bereits vorinstalliert, sie synchronisiert ihren Inhalt via iCloud. Pages ist eine vielseitige Textverarbeitung, die jedem kostenlos zur Verfügung steht.
Besonders flott und ablenkungsfrei schreibt es sich mit Textbearbeitungen wie Byword (6,99 Euro, ab iOS 10), iA Writer (10 Euro, ab iOS 10) oder Bear (Basisversion gratis, ab iOS 10).
Editorial (5,49 Euro, ab iOS 9) und Drafts (Basisversion gratis, ab iOS 12) unterstützen mit konfigurierbaren Makros beim Schreiben. Die Notizen-App Notability (10 Euro, ab iOS 11) kombiniert Text und Zeichnungen und zeichnet parallel Audio auf – prima für Vorträge und Interviews.
Microsoft Word ist für Tablets unter 10 Zoll kostenlos – nach Anmeldung eines Nutzer-Accounts beim Hersteller. Die Textverarbeitung setzt inzwischen allerdings iOS 12 voraus und benötigt darum bei einer Neuinstallation mindestens ein iPad Air.
Bluetooth-Tastaturen gibt es mittlerweile in großer Auswahl. Achten Sie darauf, dass die Tastatur mit der Bluetooth-Version Ihres iPads kompatibel ist. Hier lohnt sich der Blick nach Schnäppchen: Tastaturen, die für das iPad 2, 3 und 4 ausgelegt sind, kosteten zur Markteinführung locker drei mal so viel wie heute.
Damit Sie möglichst ungestört tippen können, deaktivieren Sie sämtliche Mitteilungen. Bei Ihrer Apple-ID beschränken Sie sich auf die nötigsten Dienste: iCloud Drive, Safari, Schlüsselbund sowie "Mein iPad suchen". Bei Bedarf aktivieren Sie zusätzlich Kontakte, Fotos und Backup.
Musikinstrument, Infoanzeige und Zweitbildschirm
8. Musikinstrument
Ein betagtes iOS-Gerät wird zum geduldigen Bandmitglied, das für Rhythmus, Melodie oder Effekte sorgt. Dafür müssen Sie es lediglich passend verkabeln und ihm die richtige Software verpassen.
Seit Beginn des App Store sind unterschiedlichste Sequencer, Synthesizer und Sampler erschienen. iElectribe (22 Euro, ab iOS 8) imitiert die Drum Machine ER-1 auf dem iPhone-Display. iMaschine 2 (11 Euro, ab iOS 12) etwa ermöglicht es, vollständige Songs zu arrangieren. Loopy HD (5,50 Euro, ab iOS 9) lässt Sie bis zu acht Samples aufnehmen und in Schleife wiedergeben. Damit entsteht der Rhythmus eines Songs aus Umgebungsgeräuschen oder eingesungenen Phrasen. Mit dem kostenlosen Figure (ab iOS 11) stellen auch Laien schnell ansprechende Hintergrund-Tracks zusammen.
Mithilfe von Standards wie Inter-App-Audio (ab iPhone 4) rufen Sie mehrere Audioquellen gleichzeitig auf. Einen Schritt weiter gehen Audio-Unit-Apps (ab 5s).
Sie erscheinen innerhalb der Host-App, sodass man Effekte oder Instrumente von Drittherstellern steuern kann, ohne zwischen den Apps dauernd hin- und herwechseln zu müssen.
Damit das funktioniert, müssen Sie nichts weiter unternehmen, die Apps machen das automatisch. In GarageBand etwa wischen Sie sich in der Instrument-Auswahl zu "extern" durch und wählen Audio Unit oder Inter-App-Audio aus. Falls keine passende App auf Ihrem iOS-Gerät verfügbar ist, präsentiert der App Store eine Auswahl.
Audiobus (11 Euro, ab iOS 9) erleichtert die Arbeit mit vielen unterschiedlichen Ton-Apps. Die App stellt eine Oberfläche für Audioquellen bereit, in der man etwa den Ton eines Synthesizers erst durch einen Filter und dann in die Mixer-App leitet. Audiobus stellt einen eigenen Standard für Audiokommunikation, unterstützt aber auch Audio Units.
Einige Audio-Interfaces arbeiten direkt mit der iOS-Plattform zusammen, sie lassen sich über ein Lightning-Kabel oder den USB-Adapter anschließen. Wer den USB-Adapter sein Eigen nennt, kann auch externe MIDI-Keyboards anschließen, etwa die nano-Reihe von Korg. Dann steuern Sie etwa Filter per Drehregler oder spielen eine Melodie über die Klaviatur ein. Notwendig ist dafür mindestens ein iPhone 5.
9. Infotafel
Auch wenn ein iPad nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, kann es noch prima interaktive Informationen bereitstellen – ganz gleich, ob in der Küche oder im Foyer.
In einen soliden Rahmen eingefasst, dient ein betagtes iPad als Gästebuch oder Infotafel. Passend dazu bietet etwa der Versandhandel Arktis Halterungen in unterschiedlichen Ausführungen an. Sie bieten genügend Platz für das Ladekabel und decken den Home-Button ab. Alternativ sorgt der "Geführte Zugriff" in den Bedienungshilfen dafür, dass die gerade aktive App nicht beendet werden kann. Dafür muss erst der Home-Button dreimal gedrückt und dann ein persönlicher Entsperr-Code eingegeben werden.
Der Browser iCab Mobile (2,29 Euro ab iOS 8) beherrscht individuelle Benutzerkonten. Eins davon ist der Kiosk-Modus, mit ihm konfigurieren Sie den Browser passend für Ihre Anwendungszwecke: das Adressfeld verschwindet, nur noch Vor-, Zurück- und Reload-Buttons bleiben.
Dafür tippen Sie das Zahnrad oben rechts an und aktivieren den Kiosk-Modus. Dann tippen Sie auf "Konfigurieren", um die Startseite festzulegen und ihn auf eine Website zu beschränken.
Alternativ laden Sie eigene HTML-Inhalte in die App und verzichten ganz auf die Internetanbindung. Eine ausführliche deutschsprachige Hilfe unterstützt Sie dabei.
Klicken Sie auf "zurück" und geben für das Admin-Konto ein Kennwort ein; es sorgt dafür, dass der Kiosk-Modus nicht so leicht beendet wird. Zurück im Browser tippen Sie auf das Account-Symbol neben der Adressleiste und wechseln auf "Kiosk". Dann ist der reduzierte Browser aktiv, bis alle vier Touchscreen-Ränder gleichzeitig mit den Fingern berührt werden. Dann noch schnell das Kennwort eingeben, und Sie haben wieder vollen Browserzugriff.
Eine Keynote-Präsentation kann man ebenfalls im Demo-Modus laufen lassen. Im Einstellungsmenü, das sich hinter den drei Punkten in der oberen rechten Ecke verbirgt, wählen Sie "Präsentationstyp" und dann "Selbstablaufend". Bei Bedarf aktivieren Sie zudem "Endlospräsentation" und "Bei Inaktivität neu starten" und regeln bei "Verzögerung des Übergangs", wie lange eine Folie angezeigt wird. Dann genügt ein einmaliger Tipp auf das Wiedergabe-Symbol, und der Foliensatz läuft von selbst. Mit der Zwickgeste beenden Sie den Automatikmodus übrigens.
Die App Vizable (kostenlos, ab iOS 8) zeigt interaktive Graphen an, etwa den Geschäftsbericht oder die tägliche Niederschlagsmenge. Aktuelle Daten bezieht sie beispielsweise von einer Dropbox. Sie akzeptiert Excel- wie CSV-Dateien.
Ein iPad macht sich auch gut in der Küche. Mit Hilfe von Apps wie Chefkoch (kostenlos, ab iOS 11) und Paprika (5,49 Euro, ab iOS 9) organisieren Sie Ihre Rezeptsammlung. Wenn Sie die App auch auf Ihrem iPhone installieren, synchronisiert die App die Einkaufsliste; beim Kochen behalten Sie dank des großen iPad-Displays den nächsten Zubereitungsschritt im Blick.
10. iPad als Mac-Zweitmonitor
Der Bildschirm des ausgedienten Touchscreens erweitert den Darstellungsraum des Rechners. Der Touchscreen funktioniert ebenfalls, ein iPad Pro wird sogar zum Zeichen-Tablet.
Mithilfe von Apps wie Duet Display (11 Euro, ab iOS 10) und Astropad (32,99 Euro, ab iOS 9) verwendet man ein iPad als zusätzlichen Mac-Monitor. Die Kabelverbindung übernimmt neben der Datenübertragung auch die Stromversorgung. Das funktioniert mit jedem iPad.
Nach Installation des Hilfswerkzeugs auf dem Mac und anschließendem Neustart erkennt er einen zusätzlichen Bildschirm; in den Systemeinstellungen unter "Monitore" stellen Sie ein, wo Sie den Zweitbildschirm haben.
Mit der Maus können Sie dann ein separates Browserfenster, Werkzeugpaletten, die Aktivitätsanzeige oder die Twitter-App auslagern. Nettes Detail: Auf Wunsch blendet Duet auch eine Touchbar-Simulation auf dem iPad ein.
Beide Apps können Sie sogar als Grafik-Tablet für den Mac verwenden, sofern Sie ein iPad Pro nebst Apple Pencil besitzen. Dafür fallen allerdings Abo-Gebühren an.
Damit der zusätzliche Bildschirm auf der passenden Höhe und im passenden Winkel bleibt, bietet ten1design einen pfiffigen Clip namens Mountie an. Mit ihm befestigen Sie ein iPad, iPhone oder iPod touch (5 – 9 mm dick) am Display-Rand Ihres Macbooks.
Apple hat eine derartige Funktion mit macOS 10.15 Catalina gleich in das System integriert, die Voraussetzungen für "Sidecar" sind aber hoch: Sie brauchen ein iPad mit Support für iPadOS 13 sowie Apple Pencil. Das ist höchstens interessant, wenn man noch ein altes iPad Pro in der Hinterhand hat.
(lbe)