Artgerecht schalten: das M-DKG | heise autos

Artgerecht schalten: das M-DKG

Sportlich schalten mit Komfort – das Doppelkupplungsgetriebe hat nun auch bei BMW eine artgerechte Heimat gefunden. Es löst das automatisierte Schaltgetriebe SMG ab, dessen Zugkraftunterbrechungen nicht jedermanns Sache sind

vorlesen Druckansicht 13 Kommentare lesen
630 x 420 21480_1209386068026.jpg
Lesezeit: 6 Min.
Von
  • gh
Inhaltsverzeichnis

München, 29. April 2008 – Sportlich schalten mit Komfort – das Doppelkupplungsgetriebe hat nun auch bei BMW eine artgerechte Heimat gefunden. Das Siebengang-DKG wird vom Getriebespezialisten Getrag produziert und wurde in Zusammenarbeit mit diesem über drei Jahre zur Serienreife entwickelt. Als Erstes kommt es in den sportlichen M3-Modellen zum Einsatz, wo es optional gegen einen Aufpreis von 3600 Euro zu haben ist.

Das DKG löst das umstrittene automatisierte Schaltgetriebe SMG ab, dessen prinzipbedingte Zugkraftunterbrechungen nicht jedermanns Sache sind. Die Japaner liebten das SMG und bestellten 100 Prozent ihrer M-BMWs mit diesem System. Hierzulande war es manch einem Kunden zu ruppig und unausgegoren. Das soll mit dem neuen Doppelkupplungsgetriebe vorbei sein. Zwei nass geschmierte Kupplungen sorgen für Kraftfluss ohne lästiges Nicken – und Kraft gibt es jede Menge zu verwalten. Schließlich bringt der 420-PS-V8 des M3 400 Newtonmeter Drehmoment an die Kurbelwelle. Laut BMW ist damit die Obergrenze der Belastbarkeit noch lange nicht erreicht – eine um 30 Prozent höhere Belastung soll das Getriebe locker verkraften. Somit ließe sich auch der 520 Newtonmeter starke Zehnzylinder aus dem M5 mit dem neuen DKG verbinden. Den normalen BMW-Modellreihen wird das Getriebe ebenfalls nach und nach zur Verfügung stehen, allerdings ohne die „Drivelogic“ genannten Fahrprogramme – sie bleiben dem sportverliebten M-Fahrer vorbehalten.

Artgerecht schalten: das M-DKG (12 Bilder)

Das Doppelkupplungsgetriebe ermöglicht Schaltzeiten im Millisekunden-Bereich.

Das Siebengang-DKG für längs eingebaute Hochdrehzahl-Motoren – beim 4,0-Liter-V8 des M3 sind bis zu 9000 U/min drin – arbeitet grundsätzlich nach dem klassischen Prinzip eines Doppelkupplungsgetriebes: Eine Kupplung ist für die geraden Gänge zuständig, während sich die andere Kupplung um die ungeraden Gänge und den Rückwärtsgang kümmert. Eine der beiden Kupplungen ist im Fahrbetrieb immer geschlossen, während die andere auf den nächsten Schaltvorgang lauert. Öffnet sich die erste Kupplung, schließt sich die zweite Kupplung parallel dazu, was zu einem Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung führt. Der Schaltvorgang – der eigentlich nur ein Umkuppelvorgang ist – dauert so nur wenige Millisekunden. Welcher Gang als Nächstes folgt, versucht das System anhand der Überwachung von Fahrpedalstellung, Motordrehzahl, Geschwindigkeit und Fahrprogramm zu erkennen.

Das BMW-DKG ist auf extrem kurze Drehzahlsprünge ausgelegt, was einen intensiven Beschleunigungsvorgang ermöglichen soll. Beim Abbremsen wird dagegen sanft eingekuppelt, um ein unerwünschtes Blockieren der Hinterräder zu verhindern. Bei einem großen Drehzahlsprung nach unten wird die Motordrehzahl per Zwischengas-Stoß angepasst, was Lastwechselreaktionen minimiert und so die Fahrstabilität erhöht. Zusätzlich fungiert ein Zweimassenschwungrad als Torsionsdämpfer.

Der M3 braucht einen Einsatz auf der Rennstrecke nicht zu scheuen – auch mit dem neuen DKG nicht. Eine speziell konzipierte Getriebeöl-Kühlung sorgt immer für die richtige Temperatur. Zum einen wurde das Kühlsystem in den Kühlwasserkreislauf des Motors integriert, zum anderen ein zusätzlicher Ölkühler verbaut, um auch extremen Anforderungen gerecht zu werden. Mithilfe des Motor-Kühlwasserkreislaufs kommt das Getriebeöl zudem in der kalten Jahreszeit schneller auf die optimale Betriebstemperatur.

Der Fahrer kann die Schaltarbeit komplett dem Doppelkupplungsgetriebe überlassen, oder per Hand über den Wahlhebel oder die Aluminium-Schaltwippen am Lenkrad selbst eingreifen. Hinzu kommen insgesamt elf per Knopfdruck einstellbare Fahrprogramme. Im „D-Modus“ genannten Automatik-Betrieb stehen fünf, im „S-Modus“ getauften manuellen Betrieb sogar sechs Fahrprogramme zur Verfügung. In feinen Abstufungen geht es dabei jeweils von komfortablen Einstellungen bis zu harten Renn-Charakteristiken. In der untersten Stufe fährt der Wagen, wenn nötig, im zweiten Gang an, was bei winterglatter Straße von Vorteil ist. Am anderen Ende der Skala werden die Gänge maximal ausgedreht, um eine rasante Beschleunigung zu ermöglichen. Wer seine ganz persönliche Lieblingseinstellung gefunden hat, kann diese abspeichern und dann jederzeit durch Druck auf die MDrive-Taste am Lenkrad unkompliziert wieder abrufen.

Die „Launch Control“ holt auch noch den letzten Sekundenbruchteil aus einer Startbeschleunigung. Allerdings gilt es dafür einige Rahmenbedingungen zu erfüllen. So müssen zum einen Reifenzustand, Fahrbahnbelag und Beladungszustand optimal sein. Zum anderen muss der Fahrer bei aufgewärmtem Motor und stehendem Fahrzeug sowie aktiviertem Fahrprogramm S6 den Wahlhebel nach vorn drücken und in Position halten. Leuchtet dann das Startflaggen-Symbol in den Instrumenten auf, wird das Gaspedal durchgetreten – so wird der Motor auf die perfekte Anfahrdrehzahl gebracht. Gleichzeitig muss aber mit dem linken Fuß das Bremspedal gedrückt werden, damit der Wagen nicht wegrollt. Wer will, kann jetzt noch durch Tippen am Hebel für die Geschwindigkeitsregelung die Motordrehzahl feinjustieren. Nach Loslassen des Wahlhebels wird dann mit von der Kupplung geregeltem Schlupf an den Hinterrädern optimal beschleunigt. Viel Spaß an der Ampel ...

Das M3-DKG ist nicht nur für ultimative Race-Performance gut. Bei Geschwindigkeiten von unter fünf km/h schaltet sich ein Low-Speed-Assistent ein, der zum Beispiel den Komfort beim Einparken erhöht. Außerdem schaltet das Getriebe im Gebirge anders. Bergauf wird das von manchen Automatikschaltungen hinlänglich bekannte Jagen nach dem richtigen Gang vermieden, während bergab die Gänge länger gehalten werden, um die Motorbremskraft besser zu nutzen.

20 Kilogramm mehr bringt das neue DKG gegenüber dem alten SMG auf die Waage. Den Fahrleistungen ist dies allerdings nicht abträglich: Mit 4,6 Sekunden geht die Beschleunigung von null auf 100 km/h um 0,2 Sekunden schneller vonstatten als mit dem Handschalter. Der Verbrauch liegt trotzdem unter dem der manuell geschalteter Modelle: 12,4 Liter auf 100 Kilometer stehen hier den 11,9 Liter des DKG-Coupés gegenüber – eine Ersparnis von einem halben Liter. Beim M3 Cabrio werden sogar 0,6 Liter Kraftstoff gespart. Wie sich das DKG in der Praxis schlägt, erfahren Sie in Kürze bei unserem Test eines BMW M3 Coupés. (imp)