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Neue Größe

Mit dem 216d Gran Tourer betritt BMW in vielerlei Hinsicht Neuland: Ein großzügig geschnittener Van mit Frontantrieb und einem Dreizylinder-Diesel. Die Bayern haben nicht verlernt, gute Autos zu bauen - auch wenn niemand einen BMW klassischer Art erwarten sollte

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BMW
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Inhaltsverzeichnis

München, 29. September 2015 – Der Untergang des automobilen Abendlandes wurde bei BMW schon häufiger vorausgeahnt: Ältere Semester erinnern sich sicher noch an den ersten Diesel der Marke, jüngere an die Einführung der X- und i-Modelle. Der Erfolg gab BMW bisher oftmals recht. Der Einstieg ins Van-Segment ist dagegen argumentativ nicht ganz einfach, denn hier ist wirklich alles anders als bislang: Ein Van mit Frontantrieb und Dreizylinder-Diesel – BMW bewegt sich damit in einem komplett neuen Umfeld und wagt sich in ein Segment, dass aktuell nicht gerade boomt.

Wenn schon anders, dann bitte konsequent: Wir luden einen BMW 216d Gran Tourer zu einem ausführlichen Test in die Redaktion. Der ist größer als der 2er Active Tourer und mit 116 PS auch frei vom Verdacht, eine Sportskanone zu sein. Soviel sei vorab verraten: Die Münchener haben nicht verlernt, gute Autos zu bauen, auch wenn hier niemand einen BMW klassischer Art erwarten sollte.

Neue Größe (28 Bilder)

Der BMW 2er Gran Tourer ist seit einem halben Jahr auf dem Markt. Das Design hat sich, entgegen der redaktionsinternen Vermutung, nicht als Verkaufshindernis erwiesen.
(Bild: Florian Pillau (alle) )

Natürlich bemüht sich die entsprechende Fachabteilung im Hause BMW zu betonen, dass hier wieder einmal gewissermaßen eine komplett neue Klasse erschaffen wurde. Unvoreingenommen betrachtet steht dort ein ziemlich konventioneller Van, der mit knapp 4,56 Metern etwas länger ist als ein Ford Grand C-Max. Das Platzangebot im 216d Gran Tourer ähnelt dem im Ford, was auch daran liegt, dass der Radstand mit 2,78 m fast genau gleich lang ist. Wunder sollte keiner erwarten, denn wenn vorn ein sehr großer Fahrer Platz genommen hat, wird es hinten eng. Schon im Basismodell lässt sich die dreigeteilte Rückbank um 13 cm verschieben und die hintere Rückenlehne in drei verschiedenen Neigungen arretieren. Vorbildlich gelöst ist die Anbringung der ISOFIX-Haken zur Befestigung von Kindersitzen. Sie sind einfach zugänglich, was leider bis heute nicht jeder Hersteller hinbekommt. Zwei auf der Rückbank sind serienmäßig, die Haken auf dem Beifahrersitz kosten nur 50 Euro extra. Murks ist dagegen die mittlere Kopfstütze, die bestenfalls für Kinder im Vor-Teen-Alter ausreichend hoch einzustellen ist.

Sympathien verspielt der Gran Tourer auch bei der Gestaltung des Kofferraums. Unter dem Ladeboden ist ein voluminöses Fach, was eigentlich nach einem höhenverstellbaren Boden geradezu schreit. Doch der kann zwar gefaltet und relativ einfach entfernt werden, ist in der Höhe aber fix. Mit einem Kofferraumvolumen von 645 Litern schlägt der BMW fast jeden Kombi, ähnlich lange auf jeden Fall. Mit dem aufpreispflichtigen Notrad sind es 40 Liter weniger, im Siebensitzer 85 Liter weniger. Zum Vergleich: Ford nennt für den fünfsitzigen Gran C-Max 600 Liter, mit Notrad 520. VW verspricht im ähnlich großen Touran 834 Liter.

Seinen Premiumanspruch sollte ein BMW auch durch eine erheblich bessere Verarbeitungsqualität zeigen. Der Gran Tourer ist insgesamt recht ordentlich zusammengebaut, ohne allerdings den VW Touran in den Schatten zu stellen. Bei der Materialauswahl hatte BMW schon schlechtere Tage, wobei alles unterhalb der Sitzhöhe auch hier in den Bereich der Renditeoptimierung fällt. Dennoch ist der BMW merklich nobler ausgekleidet als der Ford, was man angesichts der monetären Unterschiede auch erwarten darf. Etwas seltsam mutet allerdings eine breite Fuge direkt im Sichtbereich zwischen Lüftungsdüsen und Audiobereich an. Auch eine schlecht schließende Heckklappe deutet an, dass bei der Verarbeitung noch Luft nach oben bleibt.

Wirklich herausragend ist bei BMW noch immer die Unterhaltungselektronik. Im Testwagen war das große Navi eingebaut, das sich trotz eines immensen Funktionsumfangs sehr einfach bedienen lässt. Tempo der Routenberechnung und die fast immer treffsichere Voraussage der Verkehrsdichte sind beeindruckend. Die frei belegbaren Schnellwahltasten seien der Konkurrenz hiermit zum wiederholten Mal zur Nachahmung empfohlen. Auch das Head-up-Display, bei dem die Informationen auf eine kleine Scheibe und nicht in die Frontscheibe projiziert werden, ist sehr gut. Für das im Testwagen eingebaut HiFi-Soundsystem gilt das leider gar nicht. BMW hat sich hier sogar die Hochtöner in den Spiegeldreiecken gespart – eine Erfindung, die sich die Marke in den 1980er-Jahren patentieren ließ. Der Anlage fehlt einfach etwas Schwung und Spielfreude, alles klingt ein wenig lustlos. Trotz des geringen Aufpreises von nur 290 Euro für das HiFi-System raten wir zu Schampus oder Sprudel, sprich: Wer gern Musik im Auto hört, sollte gleich in das Soundsystem von Harman/Kardon für 790 Euro investieren. Alle anderen können auch bei der aufpreisfreien Lösung bleiben.

Bis hierher liefert der 2er Gran Tourer also viel Erwartbares, denn dass ein Van Platz bietet und ein BMW ordentlich zusammengesetzt ist werden sich die meisten Leser schon gedacht haben. Die Kardinalsfrage ist allerdings eine andere: Wie weit entfernt sich dieser Wagen von den einstigen Idealen der Marke? Positiv überrascht die kleine Maschine. Der 1,5-Liter-Dreizylinder-Diesel leistet 116 PS und bietet bei 1750/min ein Drehmomentmaximum von 270 Nm. Mit dieser kleinen Maschine fühlt sich der leer immerhin knapp 1500 Kilogramm schwere Van unerwartet lebendig an – bis etwa Tempo 140. Ab da geht’s etwas zäher weiter, dem Motörchen sei es verziehen. Weiter als bis 203 km/h ließ sich der Testwagen laut Tacho nicht treiben – für eine Antriebsquelle, die wohl eher nicht gewählt wird, um sich zu beweisen, sollte das reichen. In der Stadt und über Land kann der 216d Gran Tourer weit mehr als nur mitschwimmen, was dazu führt, dass er im normalen Straßenverkehr locker mitläuft, ohne irgendwo angestrengt zu wirken. Die beiden größeren Diesel mit 150 und 190 PS bieten sicher noch einmal deutlich mehr Reserven, nötig scheint das aber nicht unbedingt.

Zumal die kleine Maschine mit einer ausgezeichneten Laufkultur gefällt. Kollegen wollten nach einer Probefahrt zunächst kaum glauben, dass hier ein Dreizylinder arbeitet. Selbst bei Geschwindigkeiten um 160 km/h ist der 216d angenehm ruhig. BMW hat hier ganz Arbeit geleistet, selbst der Riementrieb hat eine Dämmschale bekommen. Das Getriebe schaltet sich leichtgängig, von der Präzision und Knackigkeit die die Marke in diesem Bereich einst bot, bleibt es aber ein gutes Stück entfernt.

Recht groß ist die Spanne der möglichen Verbrauchswerte. Wer den Dreizylinder hart rannimmt, muss mit rund acht Litern rechnen. Das andere Extrem bildeten im Test 4,3 Liter, im Schnitt waren es insgesamt 5,4 Liter. BMW verspricht im NEFZ je nach Reifenformat zwischen 3,9 und 4,3 Litern. Warum im Öko-Modus eine Poweranzeige, im Sportmodus der Momentanverbrauch angezeigt wird, leuchtet allerdings nicht so recht ein. Auch das Fehlen einer Anzeige für die Kühlmittel- oder Öltemperatur ist schade.

Was das Fahren in einem BMW oftmals zu etwas besonderem gemacht, war nicht zuletzt die Güte seiner Fahrwerksabstimmung in Verbund mit einer Lenkung, die frei von Antriebseinflüssen war. Der Gran Tourer ist ein Fronttriebler. BMW wollte offenbar einen Rest von Sportlichkeit durch eine nur wenig nachgiebige Abstimmung von Federung und Dämpfung erhalten, doch zum Wesen des Autos hätte eine komfortablere Richtung besser gepasst. In der Aufpreisliste findet sich die „Dynamische Dämpfer Control“ für 500 Euro – im Testwagen nicht eingebaut. Mit ihr dürfte das Fahrwerk in der Komfortstufe Unebenheiten besser verschleiern. Die hohe Sitzposition verleitet ohnehin nicht dazu, den Gran Tourer mit Gewalt um Ecken zu scheuchen. Das Auto wirkt beruhigend, nicht fordernd wie andere Modelle der Marke.

Noch ungewohnt sind bei BMW auch die Antriebseinflüsse in der Lenkung. Die Ingenieure haben insgesamt einen ordentlichen Job gemacht, doch zaubern können auch sie nicht. Wer aus Kurven heraus beschleunigt, kann die Antriebsmomente schon im 216d spüren. Bei nasser Straße fällt das natürlich noch mehr auf. Auch wenn der Gran Tourer hier zu den Guten gehört: Die Vorstellung, dass man dem nächsten Einser dieses Alleinstellungsmerkmal rauben will, dürfte die Bayern einige Sympathien kosten.

Ganz traditionell bleibt dagegen die Preisgestaltung. Ein BMW kostet stets mehr als vergleichbare Konkurrenz aus dem „bürgerlichen“ Lager. Der Testwagen kam auf einen Listenpreis von 43.550 Euro – ohne beispielsweise Automatik, Ledersitze oder Schiebedach mitzubringen. Die Liste der Verlockungen ist lang: Die LED-Scheinwerfer kosten zwar 990 Euro, sind aber jeden Cent davon wert, gleiches gilt für die mit 490 Euro überraschend preiswerten Sportsitzen. Sie sind vielfältig einstellbar und sehr bequem. Mit den von den meisten Käufern wohl gewünschten Extras (Klimaautomatik, Navi, LED-Scheinwerfern) ausgerüstet kostet so ein 216d Gran Tourer 35.000 Euro aufwärts. Dass ein Ford Grand C-Max erheblich preiswerter ist, überrascht kaum. Doch auch der Unterschied zum VW Touran ist gewaltig, denn selbst den übertrifft der BMW locker um 4000 Euro. Eine große Differenz bei einem Auto, das sich vor allem an Familien wendet. Und das trotz zahlreicher Qualitäten der Konkurrenz ziemlich ähnlich ist.

Fahrzeug wurde von BMW gestellt, Spritkosten vom Autor übernommen.

Motorart Aufgeladener Diesel mit Commonrail-Einspritzung
Zylinder 3
Ventile pro Zylinder 4
Hubraum in ccm 1496
Leistung in PS 116
Leistung in kW 85
bei U/min 4000
Drehmoment in Nm 270
bei U/min 1750 bis 2250
Antrieb Front
Gänge 6
Getriebe Schaltgetriebe
Spurweite vorn in mm 1561
Spurweite hinten in mm 1562
Radaufhängung vorn Eingelenk-Federbeinachse
Radaufhängung hinten Zentrallenker-Achse
Bremsen vorn Einkolben-Faustsattel-Scheibenbremsen belüftet
Bremsen hinten Einkolben-Faustsattel-Scheibenbremsen
Wendekreis in m 11,7
Lenkung Elektromechanische Zahnstangen-Servolenkung
Länge in mm 4556
Breite in mm 1800 (mit Außenspiegel 2038)
Höhe in mm 1641
Radstand in mm 2780
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck 1495
Zuladung in kg 600
Kofferraumvolumen in Liter 645
Maximales Kofferraumvolumen in Liter 1905
Anhängelast, gebremst in kg 1500 (Zulässige gebremste Anhängelast bis max. 12 Prozent Steigung)
Dachlast in kg 75
Tankinhalt in Liter 51
Höchstgeschwindigkeit in km/h 192
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 11,1
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 3,9
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 4,5
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 3,6
Testverbrauch Minimum in Liter/100 km 4,3
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 5,4
CO2-Emission in g/km 104
Schadstoffklasse Euro 6
Modell BMW 216d Gran Tourer
Grundpreis 30.400
Währung Euro
Manuelle Klimaanlage Serie
Klimaautomatik 590
Automatikgetriebe 1960
Navigationssystem ab 950
CD-Player 120
MP3 Serie
Schiebedach 1250
Metallic-Lackierung 690
Leichtmetallfelgen Serie
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat 430
Lederausstattung ab 1590
Xenon-Scheinwerfer -
Nebelscheinwerfer 150
Modell BMW 216d Gran Tourer
BMW 216d Gran Tourer Advantage 31.750
BMW 216d Gran Tourer Sport Line 33.350
BMW 216d Gran Tourer Luxury Line 34.700
BMW 216d Gran Tourer M Sport 35.050
BMW 216d Gran Tourer Advantage 31.750
BMW 216d Gran Tourer Sport Line 33.350
BMW 216d Gran Tourer Luxury Line 34.700
BMW 216d Gran Tourer M Sport 35.050
BMW 216d Gran Tourer Advantage 31.750
BMW 216d Gran Tourer Sport Line 33.350
BMW 216d Gran Tourer Luxury Line 34.700
BMW 216d Gran Tourer M Sport 35.050
BMW 216d Gran Tourer Advantage 31.750
BMW 216d Gran Tourer Sport Line 33.350
BMW 216d Gran Tourer Luxury Line 34.700
BMW 216d Gran Tourer M Sport 35.050
Digitalradio (DAB+) 320
HiFi-System 290
Soundsystem Harman/Kardon 790
LED-Scheinwerfer 990
Park Distance Control (PDC) vorn und hinten 800
Park Distance Control (PDC) hinten 450
Dynamische Dämpfer Control 500
Alarmanlage 480
Komfortzugang 390
Automatische Heckklappenbetätigung 450
Sitzheizung 330
Digitalradio (DAB+) 320
HiFi-System 290
Soundsystem Harman/Kardon 790
LED-Scheinwerfer 990
Park Distance Control (PDC) vorn und hinten 800
Park Distance Control (PDC) hinten 450
Dynamische Dämpfer Control 500
Alarmanlage 480
Komfortzugang 390
Automatische Heckklappenbetätigung 450
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Soundsystem Harman/Kardon 790
LED-Scheinwerfer 990
Park Distance Control (PDC) vorn und hinten 800
Park Distance Control (PDC) hinten 450
Dynamische Dämpfer Control 500
Alarmanlage 480
Komfortzugang 390
Automatische Heckklappenbetätigung 450
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Soundsystem Harman/Kardon 790
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Park Distance Control (PDC) vorn und hinten 800
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Park Distance Control (PDC) vorn und hinten 800
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Dynamische Dämpfer Control 500
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LED-Scheinwerfer 990
Park Distance Control (PDC) vorn und hinten 800
Park Distance Control (PDC) hinten 450
Dynamische Dämpfer Control 500
Alarmanlage 480
Komfortzugang 390
Automatische Heckklappenbetätigung 450
Sitzheizung 330

(mfz)