Batterieelektrische Busse für die Hamburger Hochbahn
Die Hamburger Hochbahn nimmt drei batterieelektrische 12-Meter-Stadtbusse des polnischen Herstellers Solaris testweise in den Fuhrpark auf. Dank einer neuen Kooperation kann die Hochbahn zudem erstmals Busse unterschiedlicher Hersteller über eine gemeinsame Ladeinfrastruktur versorgen
Hamburg, 17. August 2016 – Die Hamburger Hochbahn nimmt drei batterieelektrische 12-Meter-Stadtbusse des polnischen Herstellers Solaris testweise in ihren Fuhrpark auf. Dank einer neuen Kooperation zwischen Bus- und Ladetechnikherstellern kann die Hochbahn erstmals Busse unterschiedlicher Hersteller über eine gemeinsame Ladeinfrastruktur versorgen.
„Komplett emissionsfrei, nahezu geräuschlos und ohne jegliches Ruckeln beim Anfahren“ zählte der Busbetreiber die Vorteile der neuen „Solaris Urbino 12 electric“ auf. Sie sollen auf der Bus-„Innovationslinie“ 109 eingesetzt werden, auf der die Hochbahn unter anderem auch mit Brennstoffzellenhybridbussen des Herstellers Volvo fährt.
Batterieelektrische Busse für die Hamburger Hochbahn (3 Bilder)

Auf dem Dach des Urbino ist deutlich der aufgebügelte Stromabnehmer zu sehen.
(Bild: Hochbahn)
„Wir machen den ÖPNV noch umweltfreundlicher, indem Hamburg ab dem Jahr 2020 nur emissionsfreie Busse anschafft“, sagte Wirtschaftssenator Frank Horch. Dieser Beschluss stelle die Hamburger Verkehrsunternehmen vor eine große Herausforderung, wie die Hochbahn und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) Anfang Juli mitgeteilt hatten.
Der Fuhrpark beider Unternehmen umfasst rund 1500 Busse, pro Jahr würden mehr als 100 Fahrzeuge bestellt. Die Lebensdauer eines Busses betrage rund 11 bis 13 Jahre, so dass die Flotte kontinuierlich erneuert werde, sagte ein Hochbahn-Sprecher.
Automatisiertes Abbügeln
Die neuen Batteriebusse sind nach Angaben des Unternehmens mit zwei Hochvoltbatterien und radnahen Elektromotoren mit einer Leistung von zweimal 120 kW (zweimal 163 PS) in der Spitze ausgestattet. Strom tanken die Fahrzeuge nachts auf dem Betriebshof und über ihre absenkbaren „Pantographen“-Stromabnehmer an den Start- und Endhaltestellen der Innovationslinie 109 (Elektrobus-Terminal Adenaueralle und Alsterdorf). Hier können die Busse mit einer Leistung von 300 kW innerhalb von nur sechs Minuten komplett aufgeladen werden, das Auf- und Abbügeln des Stromabnehmers ist automatisiert.
Die Ladeinfrastruktur an den kommt von Siemens. Bislang werden hier schon die Volvo-Plug-In-Hybridbusse der Hochbahn aufgeladen. Durch eine entsprechende Umrüstung können nun auch die Solaris-Fahrzeuge die Ladeinfrastruktur nutzen. Erstmals werden damit Busse unterschiedlicher Hersteller über eine gemeinsame Ladeinfrastruktur versorgt.
Europäische Normungsaktivitäten
Die europäischen Bushersteller Irizar, Solaris, VDL und Volvo haben sich im März darauf geeinigt, die Ladeinfrastruktur von ABB, Heliox und Siemens zu vereinheitlichen. Dazu ist vereinbart worden, gängige technische Schnittstellen für alle Marktbeteiligten zu öffnen und für Elektrobusse mit so genannter Zwischenladung (Schnellladung an Endhaltestellen) und für über Nacht aufgeladene Elektrobusse zu verwenden. Alle Beteiligten kooperieren mit CEN/CENELEC und ISO/IEC, um eine gemeinsame europäische Norm für Elektrobussysteme zu etablieren.
Die Hamburger Hochbahn befördert mit ihren Bussen und U-Bahnen mehr als 1,2 Millionen Fahrgäste täglich. Die Flotte der Hochbahn mit innovativen Antriebssystemen umfasst derzeit 61 Fahrzeuge – darunter dieselelektrische Hybridbusse, Plug-In-Hybridbusse, Brennstoffzellenhybridbusse, Batteriebusse mit Brennstoffzelle als Range Extender und nun die drei reinen Batteriebusse.
Die Erprobung der Batteriebusse wird – wie auch der Test der Volvo-Plug-In-Hybridbusse und die Ladeinfrastruktur für die Innovationslinie 109 – vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMUB) im Rahmen des Förderprogramms „Erneuerbar mobil“ gefördert. (fpi)