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Buellriding

Erik Buell bringt neue Motorräder heraus. Wie könnte er auch anders? Nachdem ihm Harley 2009 den Hahn zugedreht hat, rappelte sich dieser sympathische Typ, der gerne lacht und keinerlei Allüren hat, wieder auf. Der Mann lebt Motorrad, vielleicht wird es ja diesmal besser...

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Von
  • Ingo Gach
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East Troy (USA), 22. Oktober 2013 – Erik Buell kann es nicht lassen. Nach dem abrupten Ende der Firma Buell Motorcycle Company im Oktober 2009 war die Trauer unter den Fans der unkonventionellen V2-Sportler aus East Troy/Wisconsin groß. Doch der Vollblut-Biker gab nicht auf. Auch wenn er die Motorräder nicht mehr unter dem alten Markennamen verkaufen darf – die Rechte hat Harley-Davidson behalten – bringt er jetzt unter der Bezeichnung EBR (Erik Buell Racing) beeindruckende neue Sportmotorräder heraus. Die 1190RX und 1190RS sorgen weltweit für Aufsehen.

Der sympathische Erik Buell fuhr bereits in den 1970er Jahren Motorradrennen, bevor er Entwicklungsingenieur bei Harley-Davidson wurde. Seinen Traum vom eigenen Racebike erfüllte er sich 1983 und gründete die Firma Buell Motorcycle Company. Was er da mit Harley-V2-Motoren in dem selbst entworfenen Gitterrohrrahmen auf die Räder stellte, beeindruckte auch seinen ehemaligen Arbeitgeber, der sich 1998 mit 98 Prozent Anteilen in die Firma einkaufte und sie 2003 komplett übernahm. Erik Buell blieb als Entwicklungschef und lebender Werbeträger dabei.

Buellriding (15 Bilder)

Die EBR 1190RX kann ihre Abstammung nicht leugnen. Der massive Alu-Brückenrahmen, die mächtige Schwinge und die am Felgenhorn befestigte Bremsscheibe sind markante Merkmale der Buell-Maschinen.
(Bild: EBR (alle))

Im Laufe eines Vierteljahrhunderts kamen raffinierte Konstruktionen heraus, wie die XB-Modelle ab 2002, die das Ölreservoir in der Schwinge lagerten, das Benzin im massiv dimensionierten Alurahmen bunkerten und eine einzelne riesige Bremsscheibe direkt am Felgenhorn angeschraubt hatten. Erik Buell legte immer Wert auf bestes Handling und geringes Gewicht, sah aber schließlich ein, dass das mit den schweren V2-Harley-Motoren nicht zu erreichen war und setzte schließlich ab Juli 2007 auf einen bei Rotax in Österreich konstruierten V2. Die damit bestückte 1125R galt unter den Sportfahrern als beste Buell überhaupt.

Doch die Weltwirtschaftskrise erwischte Harley-Davidson hart und man beschloss ein rigides Sparprogramm. Am 15. Oktober 2009 wurde ohne Vorankündigung die Buell Motorcycle Company dicht gemacht. Doch der damals über Nacht arbeitslos gewordene Erik Buell ist eine Kämpfernatur. Bereits im November 2009 gründete er „Erik Buell Racing“ und präsentierte nach mehreren Renneinsätzen mit Prototypen die fertigen Motorräder auf der American International Motorcycle Exposition in Orlando/Florida. Die ERB 1190RX erhielt ein modernes Design. Der breite Alu-Brückenrahmen und die gewaltige 386-mm-Bremsscheibe vorne mit Acht-Kolben-Bremszange lassen sie zwar sofort als eine Buell erkennen, aber die Verkleidung, der Tank und das Heck wirken nun filigraner, nicht mehr so massig wie die alten Modelle aus der Harley-Ära.

Die Neue kann auch mit ihren inneren Werten punkten: Der 1190 Kubikzentimeter große Rotax-V2 leistet eindrucksvolle 185 PS bei 10.600/min und satte 137,8 Nm bei 8200/min. Wirklich interessant wird es bei der Gewichtsangabe: Buell beziffert sie auf 190 Kilogramm mit leerem Tank. Selbst mit vollem 17-Liter-Spritbehälter wöge sie nur knapp über 200 Kilogramm.

Um soviel Power geregelt auf den Asphalt übertragen zu können, erhielt die 1190RX eine Traktionskontrolle mit sagenhaften 21 Einstellmöglichkeiten. Buell setzt bei der Federung vorne und hinten auf voll einstellbare Komponenten von Showa. Das hintere Federbein liegt fast waagerecht und ist ohne Umlenkung direkt an der massiven Schwinge befestigt. Wie feinfühlig die hintere Federung damit arbeitet, wird sich noch herausstellen.

Man darf versichert sein, dass Erik Buell auch seine jüngsten Modelle auf Handlichkeit getrimmt hat. Die Sitzhöhe fiel mit 826 mm typisch für ein Sportbike aus, dessen Heck recht hoch ragt, um mehr Gewicht auf das Vorderrad zu bringen. Angeboten wird der amerikanische Renner für 18.995 Dollar, zurzeit sind das 13.877 Euro.

Erik Buell hatte schon immer ein Faible für das Besondere und schob noch eine Edel-Variante hinterher, die 1190RS. Exakt 100 Stück sollen nur gebaut werden – für den stattlichen Preis von 41.995 Dollar (30.680 Euro). Wer noch das Karbon-Paket dazu haben will, muss weitere 4000 Dollar (2922 Euro) löhnen. Dafür erhält er ein Sportbike, das bei gleichem Hubraum zwar zehn PS weniger leistet, dafür aber trocken nur 176 kg wiegt. Feinste Öhlins-Ware federt den Renner vorne und hinten. Ein Solohöcker und schmalerer Karbon-Auspuff unterstreichen die sportlichen Ambitionen. Wer ein außergewöhnliches Bike sein Eigen nennen will, sollte schnell zugreifen.

Zur Freude der europäischen Fans hat Erik Buell angekündigt, seine Motorräder auch diesseits des Atlantiks zu verkaufen. Den Import übernimmt der Niederländer Edwin Belonje, das Händlernetz soll in Europa zügig aufgebaut werden.

Erik Buell wird auf gute Verkaufszahlen angewiesen sein, denn so angesehen seine Motorräder und die Rennerfolge auch waren, in die schwarzen Zahlen hatte er es nie geschafft und hing stets am Tropf von Harley-Davidson. Auch wenn EBR in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Entwicklungsaufträgen aus der Automobilindustrie erhielt, wäre es Erik Buell zu wünschen, mit seinen Motorrädern endlich in die Gewinnzone zu fahren.

Modell EBR 1190RX
Motorart Viertaktmotor
Zylinder zwei
Ventile pro Zylinder vier/Zylinder
Hubraum in ccm 1190; Bohrung x Hub: 106 x 67,5 mm
Leistung in PS 185
Leistung in kW 136
bei U/min 10.600
Drehmoment in Nm 137,8
bei U/min 8200
Antrieb hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung
Gänge sechs
Kraftverteilung Kette
Radaufhängung vorn voll einstellbare Upside-down-Gabel
Radaufhängung hinten voll einstellbares Federbein
Bremsen vorn 386-mm-Einzelscheibenbremse, Achtkolben-Festsättel
Bremsen hinten 220-mm-Einzelscheibenbremse, Zweikolben-Festsättel
Räder, Reifen vorn 120/70ZR17
Räder, Reifen hinten 190/55ZR17
Lenkung Lenkkopfwinkel in Grad: 67,5 Nachlauf in mm: 96,5
Länge in mm 2040
Höhe in mm Sitzhöhe 826
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck 190
Tankinhalt in Liter 17
Kraftstoffart Superbenzin

(fpi)