Fahrbericht: Seat Arona 1.0 EcoTSI
Sieht so der Kompakte der Zukunft aus? Ein Seat Ibiza mit rund 15 Zentimetern mehr Kopffreiheit und einer erhabenen Sitzposition bietet mehr als nur Lifestyle: Der Arona bietet eine Verbindung aus Jugendfrische und Bedürfnissen einer sich wandelnden Gesellschaft. Ein schlüssiger Spagat
(Bild: Florian Pillau)
Sieht so der Kompakte der Zukunft aus? Ein Ibiza, mit rund 15 Zentimetern mehr Kopffreiheit, einer erhabenen Sitzposition – aber trotz unlackierter Plastikteile um die Radkästen nur rund eineinhalb Zentimeter höher? Ein Vorteil liegt auf der Hand: Mithilfe der so veränderten Proportionen steigt es sich auch für Senioren angenehmer ein und aus. Diese Kundengruppe ist eine Bank – schneller wächst zur Zeit keine.
Deren Ansprüche an die Fahrdynamik sind meistenteils denen an eine barrierearme Bedienbarkeit gewichen und jene, deren Popometer noch nicht ganz eingeschlafen ist, werden erstaunt konstatieren, dass vor 30 Jahren höchstens sportlich angelegte Autos vergleichbar agil fuhren. Wenn überhaupt.
Fahrbericht: Seat Arona 1.0 EcoTSI (23 Bilder)

(Bild: Florian Pillau)
Ansonsten besteht die Dynamik des Arona vor allem aus auswärtsgewandter Attitüde. Seine optischen Mittel sind eine gelinde Fahrwerks-Höherlegung – noch lange nicht hoch genug, um die Bodenfreiheit ganz normaler Limousinen von vor einigen Jahrzehnten zu erreichen – Dachkufen und verwegen unlackierte Radläufe. Abgesehen davon ist immerhin eine FR-Ausführung und eine Tieferlegung um eben jene 15 Millimeter erhältlich, die der Crossover-Ibiza normalerweise höher liegt. Alles klar?
Seat hat offenbar verstanden und bietet eine geschickte Verbindung aus jugendfrischem Lifestyle und Bedürfnissen einer sich wandelnden Gesellschaft an. Ein schlüssiger Spagat: Wer hinsichtlich dieser Evolution der Auto-Formate ein paar Jahre vorausblicken möchte, kann das in Japan tun.
Abenteurer der Städte
Wer braucht da Allradantrieb? Wie Seat selbst sagt, ist das Ding ein „kompaktes City-Crossover für Abenteurer“. Dazu sollte der turbogeladene Dreizylinder mit 999 Kubikzentimetern reichen, Seat gibt 95 PS und 175 Nm ab 2000/min an. Das klingt wenig, ist aber nicht – es ist vielmehr vollauf genug für fast alle Situationen und es liegt auch nicht an der leicht eingetrübten Erwartungshaltung angesichts des Mini-Hubraums.
Nein, es macht sogar Spaß, den 1,2-Tonner mit diesem kleinen Motor zu fahren, weil es sein Drehmoment zur Verfügung stellt, wo man es braucht. Man wandelt genüsslich auf den weiten Hochebenen zwischen Drehmomentplateau und Leistungsgipfel. Das fühlt sich deutlich leichtfüßiger an als die unwirtliche Hungerzone in der Steilwand vor dem Leistungspeak eines auf die doppelte Leistung hochgezüchteten Motors aus der Prä-Downsizing-Ära. Da kann es öfter mal passieren, dass einen die Anzeige schon ab 1800 Touren zum Hochschalten auffordert. Noch nicht ganz auf der Höhe ist der an sich moderne Motor bei der Abgastechnik. Seat wird einen Partikelfilter wohl erst einbauen, wenn er ab September 2018 zur Pflicht wird. Davor gekaufte Arona 1.0 TSI-Modelle fahren ab diesem Stichtag bereits mit einer überholten Abgasnorm.
Fünf Gänge sind bei dieser Elastizität genug und die sechste Stufe im kräftigeren 1.0 TSI mit 115 PS und 200 Nm dürfte höchstwahrscheinlich nur den Werten im Zyklus geschuldet sein. Wer nicht ständig auf die Schaltanzeige reagiert, braucht bei diesem Antrieb nur halb so oft die Gänge zu wechseln – auch im Fünfganggetriebe. Wobei dieser Vorgang nun fast schon Spaß macht bei der Leichtgängigkeit und einer Synchronisation, die sich auch bei größeren Drehzahlsprüngen noch völlig gelassen anfühlt.
Gangwechsel fühlen sich eher nach einer elektrischen Funktion an statt dem Umgang mit schnell umlaufenden mechanischen Bauteilen. Wer den kleinen Dreier mal – etwa an einer Steigung – hochdrehen lässt, erntet das kernige, aber nie laute Geräusch, die entfernt an die luftgekühlten 911er Porsches gemahnt. Kein Wunder, deren Motoren haben – nur eben verdoppelt – dieselbe Zündfolge.
Handlich trotz Hochbau
Ja, der Arona ist deutlich höher als ein Seat Ibiza, denn es ist ja nicht die gelinde Fahrwerksmodifikation mit längeren Dämpfern und Federn, die den Schwerpunkt nennenswert hebt, sondern ein rund 15 Zentimeter höheres Dach und damit auch eine deutlich angehobene, im Vergleich zu Blech sehr gewichtige Glaszone. Auch sitzen die Passagiere höher.
Obwohl sich solche Veränderungen spürbar aufs Fahrverhalten auswirken, merkt dem Auto den Hochbau nicht negativ an. Seine Neigung hält sich auch in vehement angegangenen Kurven in Grenzen, auf die Lenkung reagiert es ziemlich direkt – und das alles, ohne dass die Ingenieure die Federung über Gebühr verhärten mussten.
Untersteuern stellt sich so spät ein, dass man sich selbst bei unangemessen schwungvoller Fahrweise in Kurven selten vom Fahrwerkssetup gebremst fühlt. Dass die Lenkung vergleichsweise stark unterstützt arbeitet, kann man unter Seniorentauglichkeit verbuchen. Bewusst fahrdynamischer ausgelegte Autos haben zwar meist etwas höhere Lenkkräfte und etwas mehr Rückmeldung, sind aber nicht unbedingt der richtige Maßstab, der in diesem Segment ohnehin nicht gerade hoch liegt. Ein Renault Captur oder ein Citroën C3 Aircross sind in dieser Hinsicht noch deutlich gefühlloser als der Seat Arona.
Der Arona fährt sich so insgesamt ähnlich handlich wie sein niedriges Pendant, nur gröbere Anregungen wie schlecht abgesenkte Bordsteinkanten dringen spürbar durch – wie in den meisten anderen Autos dieses Größen-Höhenverhältnisses halt auch. Größere als die am Testwagen montierten 17-Zoll-Felgen (serienmäßig 16er) würden wir daher nicht unbedingt empfehlen. Wer Komfort wirklich wichtig findet, sollte vor einer Entscheidung im Vergleich noch einmal den gelassener federnden Ibiza ausprobieren.
Eingängige Bedienbarkeit
Kein Wunder ist die enge Verwandtschaft auch im Interieur. Angenehm sachlich für ein so lifestylish daherkommendes Modeprodukt ist das ganze Armaturenbrett mit seinen einfach ablesbaren Zeigeruhren, alles liegt wo man es vermutet und die Bedienung der Headunit ohne Blickabwendung erleichtern zwei Dreh-Drückknöpfe am schnell reagierenden Acht-Zoll-Display (Serie: fünf Zoll). Kein schlechter Kompromiss, wenn es schon ein Berührungsbildschirm sein muss. Ohne Touchscreen-Bediensystem braucht in Zeiten des allgegenwärtigen Smartphones ja ohnehin kein Auto mehr anzutreten. Es ist logisch strukturiert und bietet eine überdurchschnittlich intelligente Benutzerführung, Apple CarPlay, AndroidAuto und MirrorLink. Leider kann das Navigationssystem nicht auf online-Daten zurückgreifen und ist damit den Navi-Apps auf jedem Smartphone unterlegen. Wohlgemerkt bei einem Preis von 550 Euro.
Man steuert das Ganze von angenehm festen Sitzen mit ausreichend langen Sitzflächen und Rückenlehnen. Der Fahrersitz ist immer höhenverstellbar, was ich in einem Auto mit vergrößerter Innenraumhöhe zwingend logisch finde. Nicht so geschickt ist der breite Tunnel, der sich mit seiner linken Kante übergriffig an des Fahrers Wade reibt. Frühe Autos mit Frontantrieb haben den Wegfall des Kardantunnels noch richtiggehend mit einem durchgehenden Fußraum zelebriert – schade, dass das vollkommen in Vergessenheit gerät. (Stimmt nicht ganz – das Batterieauto BMW i3 macht das heute wieder).
Wundersam groß erscheint der Tunnel auch hinten. Ein Blick unter den Wagen erklärt, warum. Er beherbergt einen voluminösen Schalldämpfer. Das sollte aber keine Entschuldigung dafür sein, dass die Person auf dem mittleren Platz praktisch keinen nutzbaren Fußraum hat. Andere Autos können das besser. Familiengerechte Beinfreiheit herrscht immerhin auf den beiden äußeren Rücksitzplätzen – aber nicht zulasten des Kofferraumvolumens. Es wächst von 355 Litern beim Ibiza auf 400 Liter. Schade, dass Seat keine längs verschiebbare Rückbank anbietet.
Das tut das nur wenig günstigere Wettbewerbsprodukt Citroën C3 Aircross. Dafür muss man sich bei diesem französischen Charakterkopf mit einer umständlichen Bedienung (Heizung nur über Bildschirm), einem insgesamt indifferenterem Fahrverhalten und einer Schaltung mit weiten Wegen arrangieren. Auf der gleichen technischen Basis bietet Opel seinen etwas teureren Crossland X an, ebenfalls mit verschiebbaren hinteren Sitzen und Peugeot den etwas günstigeren 2008. Aber Obacht: Trotz gemeinsamer Plattform sind diese drei Crossover echte Individuen, recht verschieden ausgestattet und abgestimmt. Probefahren sollte man auch den Renault Captur als weitere Alternative in diesem Preiskorridor.
Die Kosten für die Überführung hat Seat übernommen, jene für Kraftstoff der Autor.
Datenblatt
| Motorart | Benziner |
| Zylinder | drei |
| Ventile pro Zylinder | vier |
| Hubraum in ccm | 999 |
| Leistung in PS | 95 |
| Leistung in kW | 70 |
| bei U/min | 5000 bis 5500 |
| Drehmoment in Nm | 175 |
| bei U/min | 2000 bis 3500 |
| Antrieb | Frontantrieb |
| Gänge | fünf |
| Getriebe | manuelles Schaltgetriebe |
| Spurweite vorn in mm | 1503 |
| Spurweite hinten in mm | 1486 |
| Radaufhängung vorn | Feder-Dämpferbein, unterer Querlenker |
| Radaufhängung hinten | Verbundlenkerachse |
| Bremsen vorn | Scheibe, innenbelüftet |
| Bremsen hinten | Trommel, (Scheibe bei Modellen über 100 PS) |
| Wendekreis in m | 10,6 |
| Räder, Reifen vorn | 6J x 16"; 205/60 R 16 |
| Räder, Reifen hinten | 6J x 16"; 205/60 R 16 |
| Lenkung | Zahnstange, elektromechanisch unterstützt |
| Länge in mm | 4138 |
| Breite in mm | 1780 |
| Höhe in mm | 1552 |
| Radstand in mm | 2566 |
| Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck | 1165 |
| Zuladung in kg | 525 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 400 |
| Maximales Kofferraumvolumen in Liter | 1280 |
| Tankinhalt in Liter | 40 |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 173 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 11,4 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 4,9 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 6,1 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 4,2 |
| Testverbrauch Minimum in Liter/100 km | 5,6 |
| Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km | 5,7 |
| CO2-Emission in g/km | 111 |
| Haftpflicht-Klasse | 16 |
| Teilkasko-Klasse | 20 |
| Vollkasko-Klasse | 17 |
| Modell | Seat Arona 1.0 EcoTSI 70 kW (95 PS) |
| Bohrung x Hub in mm | 74,5 x 76,4 |
Preisliste
| Grundpreis | 20.820 |
| Währung | Euro |
| Kopfairbags vorn | Serie |
| Kopfairbags hinten | Serie |
| Klimaautomatik | Serie |
| Automatikgetriebe | - |
| Navigationssystem | 550 |
| CD-Player | Serie |
| Schiebedach | - |
| Metallic-Lackierung | ab 525 |
| Leichtmetallfelgen | Serie |
| Tempomat | Serie |
| Modell | Arona 1.0 EcoTSI 70 kW (95 PS) Xcellence |
| Preisliste Stand | Oktober 2017 |
| Alarmanlage | 270 |
| Online-Option | 550 (mit Navigations- und Media-System) |
| Freisprecheinrichtung | Serie |
| DAB+ (Digitalradio) | 210 |
| Soundsystem | 500 |
| Head-up-Display | - |
| Abstandstempomat | 200 |
| Spurhalteassistent | - |
| Einparksensoren hinten | Serie |
| Einparkassistent | 350 |
| Totwinkelwarner | 360 |
| Elektrische Heckklappe | - |
| USB-Anschluss für Musik | Serie |
| Lederlenkrad | Serie |
| LED-Scheinwerfer | 600 |
| Sitzheizung | 360 (Winterpaket) |
| 1.0 EcoTSI 70 kW (95 PS) Style | 18.420 |
(fpi)