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Fahrbericht: Seat Arona 1.0 EcoTSI

Sieht so der Kompakte der Zukunft aus? Ein Seat Ibiza mit rund 15 Zentimetern mehr Kopffreiheit und einer erhabenen Sitzposition bietet mehr als nur Lifestyle: Der Arona bietet eine Verbindung aus Jugendfrische und Bedürfnissen einer sich wandelnden Gesellschaft. Ein schlüssiger Spagat

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Seat Arona

(Bild: Florian Pillau)

Lesezeit: 8 Min.
Inhaltsverzeichnis

Sieht so der Kompakte der Zukunft aus? Ein Ibiza, mit rund 15 Zentimetern mehr Kopffreiheit, einer erhabenen Sitzposition – aber trotz unlackierter Plastikteile um die Radkästen nur rund eineinhalb Zentimeter höher? Ein Vorteil liegt auf der Hand: Mithilfe der so veränderten Proportionen steigt es sich auch für Senioren angenehmer ein und aus. Diese Kundengruppe ist eine Bank – schneller wächst zur Zeit keine.

Deren Ansprüche an die Fahrdynamik sind meistenteils denen an eine barrierearme Bedienbarkeit gewichen und jene, deren Popometer noch nicht ganz eingeschlafen ist, werden erstaunt konstatieren, dass vor 30 Jahren höchstens sportlich angelegte Autos vergleichbar agil fuhren. Wenn überhaupt.

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Der Seat Arona ist ein leicht höhergelegter Seat Ibiza mit mehr Raum und Innenhöhe.
(Bild: Florian Pillau)

Ansonsten besteht die Dynamik des Arona vor allem aus auswärtsgewandter Attitüde. Seine optischen Mittel sind eine gelinde Fahrwerks-Höherlegung – noch lange nicht hoch genug, um die Bodenfreiheit ganz normaler Limousinen von vor einigen Jahrzehnten zu erreichen – Dachkufen und verwegen unlackierte Radläufe. Abgesehen davon ist immerhin eine FR-Ausführung und eine Tieferlegung um eben jene 15 Millimeter erhältlich, die der Crossover-Ibiza normalerweise höher liegt. Alles klar?

Seat hat offenbar verstanden und bietet eine geschickte Verbindung aus jugendfrischem Lifestyle und Bedürfnissen einer sich wandelnden Gesellschaft an. Ein schlüssiger Spagat: Wer hinsichtlich dieser Evolution der Auto-Formate ein paar Jahre vorausblicken möchte, kann das in Japan tun.

Wer braucht da Allradantrieb? Wie Seat selbst sagt, ist das Ding ein „kompaktes City-Crossover für Abenteurer“. Dazu sollte der turbogeladene Dreizylinder mit 999 Kubikzentimetern reichen, Seat gibt 95 PS und 175 Nm ab 2000/min an. Das klingt wenig, ist aber nicht – es ist vielmehr vollauf genug für fast alle Situationen und es liegt auch nicht an der leicht eingetrübten Erwartungshaltung angesichts des Mini-Hubraums.

Nein, es macht sogar Spaß, den 1,2-Tonner mit diesem kleinen Motor zu fahren, weil es sein Drehmoment zur Verfügung stellt, wo man es braucht. Man wandelt genüsslich auf den weiten Hochebenen zwischen Drehmomentplateau und Leistungsgipfel. Das fühlt sich deutlich leichtfüßiger an als die unwirtliche Hungerzone in der Steilwand vor dem Leistungspeak eines auf die doppelte Leistung hochgezüchteten Motors aus der Prä-Downsizing-Ära. Da kann es öfter mal passieren, dass einen die Anzeige schon ab 1800 Touren zum Hochschalten auffordert. Noch nicht ganz auf der Höhe ist der an sich moderne Motor bei der Abgastechnik. Seat wird einen Partikelfilter wohl erst einbauen, wenn er ab September 2018 zur Pflicht wird. Davor gekaufte Arona 1.0 TSI-Modelle fahren ab diesem Stichtag bereits mit einer überholten Abgasnorm.

Fünf Gänge sind bei dieser Elastizität genug und die sechste Stufe im kräftigeren 1.0 TSI mit 115 PS und 200 Nm dürfte höchstwahrscheinlich nur den Werten im Zyklus geschuldet sein. Wer nicht ständig auf die Schaltanzeige reagiert, braucht bei diesem Antrieb nur halb so oft die Gänge zu wechseln – auch im Fünfganggetriebe. Wobei dieser Vorgang nun fast schon Spaß macht bei der Leichtgängigkeit und einer Synchronisation, die sich auch bei größeren Drehzahlsprüngen noch völlig gelassen anfühlt.

Gangwechsel fühlen sich eher nach einer elektrischen Funktion an statt dem Umgang mit schnell umlaufenden mechanischen Bauteilen. Wer den kleinen Dreier mal – etwa an einer Steigung – hochdrehen lässt, erntet das kernige, aber nie laute Geräusch, die entfernt an die luftgekühlten 911er Porsches gemahnt. Kein Wunder, deren Motoren haben – nur eben verdoppelt – dieselbe Zündfolge.

Ja, der Arona ist deutlich höher als ein Seat Ibiza, denn es ist ja nicht die gelinde Fahrwerksmodifikation mit längeren Dämpfern und Federn, die den Schwerpunkt nennenswert hebt, sondern ein rund 15 Zentimeter höheres Dach und damit auch eine deutlich angehobene, im Vergleich zu Blech sehr gewichtige Glaszone. Auch sitzen die Passagiere höher.

Obwohl sich solche Veränderungen spürbar aufs Fahrverhalten auswirken, merkt dem Auto den Hochbau nicht negativ an. Seine Neigung hält sich auch in vehement angegangenen Kurven in Grenzen, auf die Lenkung reagiert es ziemlich direkt – und das alles, ohne dass die Ingenieure die Federung über Gebühr verhärten mussten.

Untersteuern stellt sich so spät ein, dass man sich selbst bei unangemessen schwungvoller Fahrweise in Kurven selten vom Fahrwerkssetup gebremst fühlt. Dass die Lenkung vergleichsweise stark unterstützt arbeitet, kann man unter Seniorentauglichkeit verbuchen. Bewusst fahrdynamischer ausgelegte Autos haben zwar meist etwas höhere Lenkkräfte und etwas mehr Rückmeldung, sind aber nicht unbedingt der richtige Maßstab, der in diesem Segment ohnehin nicht gerade hoch liegt. Ein Renault Captur oder ein Citroën C3 Aircross sind in dieser Hinsicht noch deutlich gefühlloser als der Seat Arona.

Der Arona fährt sich so insgesamt ähnlich handlich wie sein niedriges Pendant, nur gröbere Anregungen wie schlecht abgesenkte Bordsteinkanten dringen spürbar durch – wie in den meisten anderen Autos dieses Größen-Höhenverhältnisses halt auch. Größere als die am Testwagen montierten 17-Zoll-Felgen (serienmäßig 16er) würden wir daher nicht unbedingt empfehlen. Wer Komfort wirklich wichtig findet, sollte vor einer Entscheidung im Vergleich noch einmal den gelassener federnden Ibiza ausprobieren.

Kein Wunder ist die enge Verwandtschaft auch im Interieur. Angenehm sachlich für ein so lifestylish daherkommendes Modeprodukt ist das ganze Armaturenbrett mit seinen einfach ablesbaren Zeigeruhren, alles liegt wo man es vermutet und die Bedienung der Headunit ohne Blickabwendung erleichtern zwei Dreh-Drückknöpfe am schnell reagierenden Acht-Zoll-Display (Serie: fünf Zoll). Kein schlechter Kompromiss, wenn es schon ein Berührungsbildschirm sein muss. Ohne Touchscreen-Bediensystem braucht in Zeiten des allgegenwärtigen Smartphones ja ohnehin kein Auto mehr anzutreten. Es ist logisch strukturiert und bietet eine überdurchschnittlich intelligente Benutzerführung, Apple CarPlay, AndroidAuto und MirrorLink. Leider kann das Navigationssystem nicht auf online-Daten zurückgreifen und ist damit den Navi-Apps auf jedem Smartphone unterlegen. Wohlgemerkt bei einem Preis von 550 Euro.

Man steuert das Ganze von angenehm festen Sitzen mit ausreichend langen Sitzflächen und Rückenlehnen. Der Fahrersitz ist immer höhenverstellbar, was ich in einem Auto mit vergrößerter Innenraumhöhe zwingend logisch finde. Nicht so geschickt ist der breite Tunnel, der sich mit seiner linken Kante übergriffig an des Fahrers Wade reibt. Frühe Autos mit Frontantrieb haben den Wegfall des Kardantunnels noch richtiggehend mit einem durchgehenden Fußraum zelebriert – schade, dass das vollkommen in Vergessenheit gerät. (Stimmt nicht ganz – das Batterieauto BMW i3 macht das heute wieder).

Wundersam groß erscheint der Tunnel auch hinten. Ein Blick unter den Wagen erklärt, warum. Er beherbergt einen voluminösen Schalldämpfer. Das sollte aber keine Entschuldigung dafür sein, dass die Person auf dem mittleren Platz praktisch keinen nutzbaren Fußraum hat. Andere Autos können das besser. Familiengerechte Beinfreiheit herrscht immerhin auf den beiden äußeren Rücksitzplätzen – aber nicht zulasten des Kofferraumvolumens. Es wächst von 355 Litern beim Ibiza auf 400 Liter. Schade, dass Seat keine längs verschiebbare Rückbank anbietet.

Das tut das nur wenig günstigere Wettbewerbsprodukt Citroën C3 Aircross. Dafür muss man sich bei diesem französischen Charakterkopf mit einer umständlichen Bedienung (Heizung nur über Bildschirm), einem insgesamt indifferenterem Fahrverhalten und einer Schaltung mit weiten Wegen arrangieren. Auf der gleichen technischen Basis bietet Opel seinen etwas teureren Crossland X an, ebenfalls mit verschiebbaren hinteren Sitzen und Peugeot den etwas günstigeren 2008. Aber Obacht: Trotz gemeinsamer Plattform sind diese drei Crossover echte Individuen, recht verschieden ausgestattet und abgestimmt. Probefahren sollte man auch den Renault Captur als weitere Alternative in diesem Preiskorridor.

Die Kosten für die Überführung hat Seat übernommen, jene für Kraftstoff der Autor.

Motorart Benziner
Zylinder drei
Ventile pro Zylinder vier
Hubraum in ccm 999
Leistung in PS 95
Leistung in kW 70
bei U/min 5000 bis 5500
Drehmoment in Nm 175
bei U/min 2000 bis 3500
Antrieb Frontantrieb
Gänge fünf
Getriebe manuelles Schaltgetriebe
Spurweite vorn in mm 1503
Spurweite hinten in mm 1486
Radaufhängung vorn Feder-Dämpferbein, unterer Querlenker
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse
Bremsen vorn Scheibe, innenbelüftet
Bremsen hinten Trommel, (Scheibe bei Modellen über 100 PS)
Wendekreis in m 10,6
Räder, Reifen vorn 6J x 16"; 205/60 R 16
Räder, Reifen hinten 6J x 16"; 205/60 R 16
Lenkung Zahnstange, elektromechanisch unterstützt
Länge in mm 4138
Breite in mm 1780
Höhe in mm 1552
Radstand in mm 2566
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck 1165
Zuladung in kg 525
Kofferraumvolumen in Liter 400
Maximales Kofferraumvolumen in Liter 1280
Tankinhalt in Liter 40
Höchstgeschwindigkeit in km/h 173
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 11,4
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 4,9
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 6,1
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,2
Testverbrauch Minimum in Liter/100 km 5,6
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 5,7
CO2-Emission in g/km 111
Haftpflicht-Klasse 16
Teilkasko-Klasse 20
Vollkasko-Klasse 17
Modell Seat Arona 1.0 EcoTSI 70 kW (95 PS)
Bohrung x Hub in mm 74,5 x 76,4
Grundpreis 20.820
Währung Euro
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
Klimaautomatik Serie
Automatikgetriebe -
Navigationssystem 550
CD-Player Serie
Schiebedach -
Metallic-Lackierung ab 525
Leichtmetallfelgen Serie
Tempomat Serie
Modell Arona 1.0 EcoTSI 70 kW (95 PS) Xcellence
Preisliste Stand Oktober 2017
Alarmanlage 270
Online-Option 550 (mit Navigations- und Media-System)
Freisprecheinrichtung Serie
DAB+ (Digitalradio) 210
Soundsystem 500
Head-up-Display -
Abstandstempomat 200
Spurhalteassistent -
Einparksensoren hinten Serie
Einparkassistent 350
Totwinkelwarner 360
Elektrische Heckklappe -
USB-Anschluss für Musik Serie
Lederlenkrad Serie
LED-Scheinwerfer 600
Sitzheizung 360 (Winterpaket)
1.0 EcoTSI 70 kW (95 PS) Style 18.420

(fpi)