Falschsparer – das Problem mit dem richtigen Gasgeben
Ausgerechnet die Autos, die so richtig Sprit schlürfen, bekommt man nicht mit Erdgas oder Autogas. Aber da war doch noch was – richtig: Erd- oder Autogas
- Detlef Grell
Bei der letzten Spritpreisrunde ist selbst den Dieselfahrern das herablassende Grinsen gegenüber Benzintankern im Gesicht gefroren. Feinstaubstress, hohe Anschaffungskosten und Steuern – wer als Vielfahrer den Diesel zur Kostensenkung angeschafft hat, fühlt sich mehr und mehr verklappst. Erst recht die Fraktion, nach deren Meinung brummige Diesel eh ins Schiff gehören, ist frustriert. Ihren letzten Trost, das vielstrapazierte "bärenstarke" Turbo-Drehmoment, gibts nun auch beim Mehrstufenturbo im Benziner – inklusive geschmeidig schnurrendem Motor.
Richtig sparen...
Aber da war doch noch was – richtig. Erd- oder Autogas! Da könnte man noch richtig sparen – kann man aber nicht. Kurioserweise gibt es für Gas freigegebene Motoren nämlich, mit ganz wenigen, aber letztlich auch nur halbherzigen Ausnahmen, bei Fahrzeugen, die eh kaum Sprit verbrauchen. Da gibt es etwa einen Fiat Panda (60 PS) mit Erdgas. Audi verheißt uns immerhin einen 2,0-Liter-TFSI für Erdgas noch 2008.
Falschsparer – das Problem mit dem richtigen Gasgeben (3 Bilder)

Der Fiat Panda Natural Power ist das kleinste Auto mit Erdgasantrieb. (Bild: Fiat)
...kann man nämlich nicht
Das Höchstmotorisierte, das man in Deutschland mit Gasbetrieb kaufen kann, ist eine Mercedes E-Klasse mit 163 PS, der E 200 NGT für Erdgasbetrieb. Dann folgen ein Subaru Forester 2.0X LPG mit 158 PS und noch ein Exot wie der Chevrolet Epica 2.5 LPG LT mit 156 PS, beide für Autogas. Das Gros des keineswegs wirklich großen Angebots tummelt sich bei 100 PS und darunter. Sie können sich leicht selbst ein Bild davon machen, was in Deutschland ab Werk mit Gasbetrieb zu bekommen ist. Wählen Sie unter Neuwagenkatalog in der Kombobox Motorart "Erdgas" an, dann zeigt die Übersicht alle Auto- und Erdgas-Fahrzeuge an.
Nur die, wo es eh nix bringt ...
Langer Vorrede kurzer Sinn: Es sind die falschen Autos, die man mit Gasbetrieb kriegen kann. Es sind wie erwähnt überwiegend preiswerte Fahrzeuge mit kleinen Motoren, die ohnehin schon recht wenig Sprit verbrauchen – um hier Aufpreis oder Umrüstung zu amortisieren, ist man ewig lange unterwegs. Es sind zudem kleine respektive leichte Autos, denen ein Zusatztank spürbar mehr Gewicht verleiht. Es sind die Autos, bei denen der Verlust von rund 15 Prozent der PS im Erdgasbetrieb zu spüren ist. Und es sind die Autos, bei denen schon der absolute Aufpreis für die Gasausstattung mit mindestens 10 Prozent durchaus wehtut.
Falschsparer – das Problem mit dem richtigen Gasgeben
... und die anderen gibt es nicht
Im Luxus-Bereich indes gibt es gar nichts. Wo man für S-Klasse, A8, 7er oder Phaeton immerhin noch vielzylindrige Diesel bekommt (die ja eigentlich ins Schiff gehören...), fällt man bei Jaguar, Chrysler oder Cadillac ins Loch – jedenfalls wenn es acht Zylinder sein sollen. Auch bei Lexus stellt sich die Frage, ob ein LS460 mit Gas nicht der Hybridversion LS600h wirtschaftlich den Rang abläuft. Noch viel schmerzhafter trifft diese Erkenntnis all die begeisterten Fahrer von Geländewagen, deren Schrankwand-cw-Wert noch mächtigeren Durst erzeugt – und einen Cayenne oder Escalade gibt es weder mit Diesel noch mit Gas. Winziger Lichtblick immerhin: Die Garde der Cadillacs ist neuerdings für Autogas freigegeben.
Luxusprobleme
Nun kann man es sich leicht machen und hämisch fragen: "Wen juckt das?" Wer solche Autos fährt, kann sich auch den Sprit leisten. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Das sind nämlich genau die Autos, die nach drei Jahren Leasing erst mal unverkäuflich im Gebrauchtmarkt landen – oder zu Spottpreisen. Doch so wie die Mercedes-Krankenwagen begehrte Studenwohnmobilheime wurden (oder die riesigen Citroën-Kombis), so würde manch einer zu einem Chrysler 300C Touring mit 5,7-Liter-Motor (340 PS) greifen – schon des schönen V8-Blubberns wegen. Doch selbst wenn der Schadenfreiheitsrabatt es hergeben mag – 19 Liter innerorts, die im Winter ganz sicher nicht unterschritten werden, sind eine herbe Ansage.
Hier könnte man mit Gas mal richtig sparen. Das Mehrgewicht juckt bei einem 2-Tonner wenig, Platz für den Zusatztank abzutreten tut nicht weh, und selbst 2000 oder gar 3000 Euro Aufpreis verschwinden hier eh im Rauschen der Zusatzausstattung – spätestens im Gebrauchtmarkt. Und 300 statt 340 PS lassen sich auch überleben.
Nachrüsten? Einen Luxus-Schlitten?
Also nachrüsten? "Der Motor ist nicht für den Gasbetrieb freigegeben." Das ist ein klares Statement vom Hersteller, und damit ist das Thema für ihn vom Tisch – Kunden mit abstrusen Sonderwünschen sind schon eine Plage. Natürlich können Sie trotzdem zum Umrüster fahren. Doch solche Motoren kosten als Ersatzteil 10.000, 20.000 oder noch mehr Euro.
Falschsparer – das Problem mit dem richtigen Gasgeben
Was meinen Sie, was passiert, wenn ein Motor nach der Umrüstung verreckt? Wird sich der Hersteller kulant zeigen, wo doch gegen seinen "weisen Rat" umgerüstet wurde? Meinen Sie, dass es irgendwas hilft, wenn Ihr Umrüstschrauber ein Gutachten finanziert, das den Hersteller in der Pflicht sieht? Denn das wird der Umrüstbetrieb natürlich tun. Nicht nur weil er im Regelfall Recht haben dürfte, sondern weil er darauf bedacht sein wird, den Schaden dem Hersteller anzulasten statt selbst dafür geradestehen zu müssen – ein paar Schäden vom Kaliber 20.000 Euro reichen, und der Umrüster kann kaum mehr die Prämien für seine Versicherung zahlen.
Kurzum: Wer sich nicht auf Hersteller-Umrüster-PingPong und langwierige Prozesse einlassen mag, der lässt die Finger von einer Umrüstung. Und das ist schade. Denn beide Gasvarianten verbrennen grundsätzlich etwas sauberer als Benzin, auch ließe sich die CO2-Bilanz zumindest um ein paar Prozentpunkte verbessern. So mancher Traum "einmal einen V8 oder V12 fahren" könnte in Erfüllung gehen, Luxus-Gebrauchte wären wieder verkäuflich. Ok, so mancher Gasfuß würde etwas enthemmter das Pedal tätscheln – aber hätten Sie einen lahmen Ampelstarter vor der Nase lieber, weil der schreckensstarr auf seinen Durchflussmesser stiert?
Es braucht nur eine sichere Bank
Was müsste also passieren? Ein Großer der Branche, der genug Kapital hat, um klare Garantie-Angebote zu machen, sollte sich zum Umrüster aufschwingen. Große Werkstattketten wären gute Kandidaten, aber auch derzeit arg gebeutelte Nischenfahrzeugbauer wie Karmann könnten mal über ein weiteres Standbein nachdenken. Auf jeden Fall haben Firmen wie Karmann und erst recht Magna das Kaliber, das ein Gas-Umrüster haben müsste, damit man ihm in Garantiefragen vertraut.
(gr)