Hello, I'm Macintosh – zum 35. Geburtstag des Mac | heise online

Hello, I'm Macintosh – zum 35. Geburtstag des Mac

Im Januar 1984 präsentierte Steve Jobs den Macintosh. Seitdem hat Apple Innovationen vorgestellt, Krisen überlebt und die (Computer-)Welt verändert.

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Apple Macintosh 1984

1984: Der erste Apple Macintosh bot eine revolutionäre Bedienoberfläche, aber noch wenig nützliche Anwendungen.

(Bild: Apple)

Lesezeit: 27 Min.
Von
  • Christoph Dernbach
Inhaltsverzeichnis

Es ist das Super-Bowl-Finale am 22. Januar 1984, knapp hundert Millionen Menschen schauen zu. Das Spiel selbst verläuft weniger spannend – bereits zur Halbzeit liegen die Los Angeles Raiders gegen die Washington Redskins mit 21:3 in Führung. Für Furore sorgt viel mehr ein außergewöhnlicher Werbespot, der im dritten Viertel ausgestrahlt wird. In dem 60 Sekunden langen Clip von Star-Regisseur Ridley Scott kündigt Apple den ersten Macintosh an. Doch es geht nicht einfach nur um einen neuen Computer. Die Botschaft lautet: Der Mac wird die Welt davor bewahren, dass die düstere Vision aus George Orwells Roman "1984" im namensgebenden Jahr Wirklichkeit wird: "Big Brother" IBM wird mit seinen grauen PCs nicht die IT-Welt beherrschen.

Obwohl Apple selbst ihn nur ein einziges Mal ausstrahlte, schrieb der Clip Geschichte. Nachrichtensendungen wiederholten ihn mehrfach, um über den Publicity-Coup zu berichten. Die Zeitschriften Advertising Age und TV Guide kürten "1984" später zum besten Werbespot aller Zeiten.

Apple-Mitbegründer Steve Jobs hatte die Entwicklung des Macintosh seit September 1980 selbst vorangetrieben. Jobs wollte zuvor mit dem Apple Lisa die Idee einer grafischen Benutzungsoberfläche weitertreiben, die er 1979 im legendären Forschungslabor Xerox PARC entdeckt hatte. Apple ermöglichte dem Kopierer-Hersteller damals, sich für eine Million Dollar Apple-Anteile zu kaufen, die nach dem Börsengang des Unternehmens 17 Millionen Dollar wert waren. Dafür durften sich Jobs und sein Team Xerox-Techniken wie Smalltalk anschauen, die beim Xerox Star für eine (in der Praxis nur in Ansätzen brauchbare) GUI sorgten.

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Jobs erkannte das Potenzial sofort. Er war wie geblendet und wollte die Technik unbedingt bei der Entwicklung des Apple Lisa einbringen. Doch der Apple-Verwaltungsrat traute ihm nicht zu, das Projekt zum Erfolg zu führen. Daher schnappte sich der wilde Firmenmitbegründer das Macintosh-Projekt von Jef Raskin, das als Nachfolger für den Apple II als "Volks-Computer" in Arbeit war. Raskin hatte geplant, den Macintosh mit einem möglichst preiswerten Prozessor, dem Motorola 6809, und einem extrem eng bemessenen Hauptspeicher von 64 Kilobyte auszustatten, um ihn nicht teurer als 1000 Dollar werden zu lassen. Doch um die Ideen von Xerox zu veredeln und zum Laufen zu bringen, reichte diese Hardware nicht aus.

Andy Hertzfeld, der den Systemkern des Mac (und später das Benutzer-Interface von Google+) entwickelt hat, und seine Kollegen mussten in diesen Monaten immer wieder unter den Wutattacken von Jobs leiden.

Das Team wurde aber auch positiv angespornt: "Steve war sehr verärgert, dass der Mac zunächst so lange zum Booten brauchte", berichtete Hertzfeld Jahre später. "So versuchte er (den Software-Entwickler) Larry Kenyon zu motivieren. Er erzählte ihm: 'Du weißt, wie viele Menschen diese Maschine kaufen werden? Es werden Millionen sein. Stellen wir uns vor, dass Du die Maschine eine Sekunde schneller booten lassen kannst. Das macht bei zehn Millionen Nutzern 360 Millionen Sekunden im Jahr. Das entspricht 50 Menschenleben. Würdest Du nicht auch drei Tage investieren, um 50 Menschenleben zu retten?' Es war ein netter Weg, so über das Problem nachzudenken." Kenyon machte sich noch einmal an die Arbeit und verkürzte den Bootvorgang um weitere drei Sekunden. So löste das "Macintosh-Team" ein Problem nach dem anderen.

Zwei Tage nach der Ausstrahlung des 1984-Werbespots führte Jobs am 24. Januar 1984 auf der Aktionärsversammlung von Apple erstmals in der Öffentlichkeit vor, wofür sein Team monatelang bis zum Umfallen gearbeitet hatte. Bei der Demo spielte der Mac die Titelmusik von "Die Stunde des Siegers". Das Wort MACINTOSH lief horizontal über den Bildschirm, gefolgt von einer Serie von Screenshots, die die grafischen Möglichkeiten des Mac unterstreichen sollten. Dann verkündete der Computer mit elektronischer Stimme: "Hallo. Ich bin Macintosh." Der Saal tobte.

Apple bot den ersten Macintosh zum Preis von 2495 US-Dollar an – inflationsbereinigt entspricht das heute knapp 5500 Euro. Der Mac war der erste Rechner mit einer grafischen Desktop-Oberfläche, den sich auch Privatanwender leisten konnten. Statt des schwachen 6809 haben die Entwickler den Motorola 68000 verbaut, der mit 8 MHz getaktet war und auf 128 Kilobyte Arbeitsspeicher zugreifen konnte. Der Prozessor trug seinen Namen, weil er aus 68 000 Transistoren bestand. Zum Vergleich: Apples A12-Chip, der im iPhone XS, XS Max und iPhone XR steckt, besteht aus 6,9 Milliarden Transistoren.

Ein 3,5"-Floppylaufwerk von Sony mit 400 Kilobyte Speicherplatz und ein kleiner 9"-Bildschirm vervollständigten den Macintosh. Wie der Vorgänger Lisa war auch er mit einer grafischen Bedienoberfläche und einer Maus ausgestattet, sodass die Anwender sich nicht mit Kommandozeileneingaben herumquälen mussten.

Das Konzept des Macintosh überzeugte viele Enthusiasten sofort. Der kommerzielle Erfolg des Mac stellte sich jedoch erst nach einer längeren Durststrecke ein. Im Sommer 1981 war Apple noch davon ausgegangen, bis 1985 über 2,2 Millionen Macs verkaufen zu können, also rund 47 000 Stück pro Monat. Doch der Macintosh kam erst Anfang 1984 auf den Markt. Und nachdem die Fans ihren ersten Kaufrausch befriedigt hatten, sackte der Absatz dramatisch auf rund 5000 Geräte pro Monat ab. In Deutschland war der Mac zwar der Star der Hannover Messe im Frühsommer 1984. Er verschwand dann aber zunächst wieder in der Versenkung.

Dafür gab es auch einige handfeste Gründe. In einem TV-Interview erinnerte sich der damalige Apple-Chef John Sculley später: "Der Mac konnte einfach nicht viel: Wir hatten Mac Paint und Mac Write als einzige Anwendungen, und der Markt hatte das schon gemerkt. Am Ende des Jahres sagten die Leute: Vielleicht ist der IBM-PC nicht so einfach zu benutzen oder so attraktiv wie der Macintosh. Aber er macht etwas, was wir gerne wollen – Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datenbank. Wir sahen die Umsatzzahlen für den Mac Ende 1984 runtergehen, und das wurde ein Problem im folgenden Jahr."

Der mit 128 Kilobyte viel zu eng bemessene Hauptspeicher machte diese Aufgabe aber nicht einfach. Erst als ein Jahr später der "Fat Mac" mit 512 Kilobyte DRAM auf den Markt kam, war der Flaschenhals beseitigt. Er war der erste Macintosh, mit dem man vernünftig arbeiten konnte.

Steve Jobs, der im Sommer 1985 von Sculley und dem Apple-Vorstand aus dem Unternehmen gedrängt worden war, musste die ersten Erfolge des Macintosh am Markt von außen beobachten: Erste Desktop-Publishing-Programme wie PageMaker erschienen für den Mac. In Kombination mit dem Apple LaserWriter und dem von Adobe geschaffenen Seitenbeschreibungsstandard PostScript krempelten Apple, Adobe und Aldus die Technik der Publishing-Branche völlig um.

1986: Der Macintosh Plus begründete zusammen mit dem LaserWriter die erste Generation des Desktop-Publishing (DTP).

(Bild: Rama (CC BY-SA 2.0 FR))

Dieser Trend verstärkte sich, als Anfang 1986 der Macintosh Plus mit 128 Kilobyte ROM auf den Markt kam. Die Speicherchips waren nun nicht mehr fest auf der Platine verlötet, sondern gesockelt.

So konnte man das Gerät auf bis zu vier Megabyte RAM aufrüsten. Der Mac Plus hatte sogar Cursor-Tasten, die Steve Jobs beim ersten Mac noch entschieden abgelehnt hatte. Er wollte die Anwender zwingen, die Maus als Eingabeinstrument zu akzeptieren.

Mit dem Macintosh II brachte Apple 1987 den ersten Mac auf den Markt, der modular aufgebaut war. Für 5200 Dollar erhielten die Kunden ein System mit einer 20 Megabyte großen Festplatte, sechs NuBus-Slots und SCSI. Mithilfe der von Texas Instruments entwickelten NuBus-Technik ließ sich der Mac II intern und über SCSI auch extern erweitern. An einen Port konnten die Besitzer bis zu sieben externe SCSI-Geräte – etwa eine Festplatte oder ein CD-ROM-Laufwerk – anschließen. Angetrieben wurde der Mac II von einem 68020-Prozessor, der mit 16 MHz getaktet war. Grafiker und DTP-Spezialisten jubelten über den Performance-Gewinn. Ein komplett ausgebautes System mit Farbgrafikkarte, Speichererweiterungen und sonstigem Zubehör verschlang bis zu 10 000 Dollar.

Parallel zum großen Mac II veröffentlichte Apple im März 1987 den Macintosh SE, den ersten kompakten Mac mit einer eingebauten Festplatte (20 Megabyte). Der vorhandene Erweiterungsslot ließ sich nicht von den Anwendern, sondern nur von Servicetechnikern bestücken, weil man sich an der Bildschirmröhre leicht einen Hochspannungsschlag holen konnte. Der Mac SE diente einer ganzen Generation von Grafikern und Publishern als solides Arbeitspferd.

Weitaus exklusiver als der SE war der Macintosh IIfx, der im Frühjahr 1990 mit System 6.0.5 in die Läden kam – mit einem Preisschild von 9870 Dollar. In dem Rechner steckte der Motorola-Prozessor 68030, der von dem mathematischen Coprozessor Motorola 68882 unterstützt wurde. Dieses hochgezüchtete Rennpferd, das mit 40 MHz getaktet war, blieb aber für viele unerschwinglich.

1990: Der Macintosh Classic war der erste Mac, den Apple für weniger als 1000 Dollar verkaufte.

(Bild: Apple)

Aus heutiger Perspektive glaubt man kaum, wie schwer sich die Kalifornier damals beim Einstieg in den Laptop-Markt getan haben. 1989 stellten sie den Macintosh Portable vor, der mit einem Gewicht von 7,2 Kilogramm aber kaum tragbar war. Immerhin gewährleisteten die Bleiakkus damals schon eine auch für heutige Verhältnisse beachtliche Laufzeit von bis zu 10 Stunden. Bei einem Preis von 6500 Dollar entschieden sich aber nur wenige Kunden für diesen Schlepptop.

Als erstes brauchbares Notebook von Apple gilt das PowerBook 100, das im Oktober 1991 vorgestellt wurde. Bei der Konstruktion aus dunkelgrauem Kunststoffgehäuse half Sony seinem Kunden Apple aus der Patsche. Die Ingenieure in Tokio nahmen sich den pummeligen Macintosh Portable vor und zeigten Apple, wo ein Abspecken möglich und sinnvoll ist. Zusammen mit seinen größeren Brüdern PowerBook 140 und 170 traf das PowerBook 100 auf große Akzeptanz, auch wenn die Apple-Notebooks deutlich teurer waren als die DOS-Konkurrenz von Toshiba oder Compaq. Die PowerBooks erzielten damals einen Marktanteil von bis zu 40 Prozent und halfen Apple-Chef John Sculley durch schwierige Zeiten.

Mit Beginn der 90er Jahre geriet Apple mit seinen Macs in immer größere Schwierigkeiten. Spätestens seit Version 3.0 machte Microsofts Windows der grafischen Oberfläche von Mac OS immer stärker Konkurrenz. Apple versuchte, mit Geräten für den Massenmarkt wie der "Pizzaschachtel" LC und später mit der Performa- und Quadra-Familie gegenzuhalten und konnte immerhin zeitweise seinen Absatz erhöhen.

1994 waren die Motorola-Prozessoren der 680x0-Plattform an ihrem Zenith angekommen. Apple hatte schon zuvor begonnen, gemeinsam mit IBM und Motorola eigene Chips unter dem Namen PowerPC zu entwickeln. Die Transformation auf neuartige RISC-Architektur muss rückblickend als technische Meisterleistung gewertet werden: Die Kunden erhielten deutlich höhere Geschwindigkeit, ohne sich an ein neues System gewöhnen oder ihre Software komplett austauschen zu müssen. Innerhalb von neun Monaten konnte Apple über eine Million Power Macs verkaufen.

Eine Variante des Power Macintosh schrieb Design-Geschichte: Zum 20. Gründungstag, am 1. April 1996, kündigte Apple den Twentieth Anniversary Macintosh an, der tatsächlich aber erst kurz vor dem 21-jährigen Firmenjubiläum auf den Markt kam – für stolze 7499 Dollar. Die technischen Spezifikationen entsprachen in etwa dem Power Macintosh 6500, der allerdings "nur" 2999 Dollar kostete.

1997: Mit dem 20th Anniversary Mac sollte der 20. Gründungstag von Apple am 1. April 1996 gefeiert werden. Er kam aber erst ein Jahr später auf den Markt.

Für ihr Geld erhielten die Kunden ein auffällig gestaltetes Sondermodell mit 12-Zoll-Aktivmatrix-Flüssigkristallbildschirm, ein von Bose entworfenes Soundsystem mit einem externen Subwoofer sowie einen eingebauten TV-Tuner.

Der "TAM" wurde den Käufern von einem Concierge-Dienst nach Hause gebracht und in Betrieb genommen. Doch die Idee floppte. Kurz vor der Einstellung des Produkts im Frühjahr 1998 ging es dann auch weniger vornehm zu. Die Restbestände wurden für knapp 2000 Dollar verramscht und mussten von den Käufern selbst abgeholt werden.

Der Erfolg der Power Macs lenkte von einem grundlegenden Problem ab. Die Kombination der "Wintel"-PCs war enorm erfolgreich und in der Regel deutlich preiswerter als Apples Computer. Außerdem blieben beim Mac die Innovationen aus.

1997: Der Power Mac G3 war schon sehr schnell.

Das Betriebssystem unterstützte damals kein präemptives Multitasking.

Es gab keinen Mehrbenutzerbetrieb, Speicherbereiche konnten weder geschützt noch dynamisch verwaltet werden. Deshalb war das traditionelle Mac OS konzeptionell sehr anfällig für Instabilitäten. In der Konzernzentrale in Cupertino wurden diese Schwierigkeiten zwar zur Kenntnis genommen. Doch der Versuch, System 7 durch ein von Grund auf neugeschriebenes Betriebssystem mit dem Codenamen "Copland" zu ersetzen, scheiterte grandios.

John Sculley hatte zu diesem Zeitpunkt das Unternehmen längst verlassen, und auch sein Nachfolger, Michael Spindler ("The Diesel"), ein Deutscher, konnte das Ruder nicht herumreißen. Im Februar 1996 musste Spindler den Chef-Posten für Gil Amelio räumen, dem der Ruf eines klassischen Sanierungs-Managers vorauseilte.

Amelio erwog, BeOS des ehemaligen Apple-Spitzenmanagers Jean-Louis Gassée als neues Mac-System einzukaufen. Doch letztlich setzte sich Steve Jobs durch. Der war nach seinem Rauswurf nicht nur mit dem Trickfilmstudio Pixar zu einem Hollywood-Tycoon aufgestiegen, sondern mit seinem Unternehmen NeXT angetreten, die Computer der nächsten Generation zu bauen. Sie liefen mit dem modernen NeXTstep-Betriebssystem, das auf Unix beruhte.

NeXTstation mit Nextstep (15 Bilder)

Die NeXTstation, immer noch ein Publikumsmagnet in der c't-Redaktion.

Im Februar 1997 übernahm Apple für 429 Millionen Dollar NeXT Inc. hauptsächlich wegen NeXTstep inklusive aller Entwickler – und holte Jobs als Berater in das Unternehmen zurück. Sieben Monate später, am 16. September 1997, saß Steve Jobs endlich wieder im Chefsessel des von ihm einst mitbegründeten Unternehmens, nachdem Amelio vom Apple-Board gefeuert worden war.

1998: Das PowerBook G3 mit dem Codenamen "Kanga" war der erste Apple-Computer, der häufiger in Kinofilmen auftauchte.

Man darf es als Glücksfall werten, dass Jobs auf den völlig frustrierten britischen Apple-Designchef Jony Ive aufmerksam wurde.

Ive wollte eigentlich das Unternehmen schon verlassen, weil seine vorherigen Chefs kein Gespür für Design hatten. Doch Jobs überredete ihn zum Bleiben.

Der erste große gemeinsame Wurf von Jobs und Ive war der iMac, dessen öffentliche Präsentation am 6. Mai 1998 so sorgfältig geplant wurde wie die Vorstellung des ersten Apple Macintosh 14 Jahre zuvor. Jony Ive hatte mit dem halbdurchscheinenden Gehäuse aus Polycarbonat ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt.

1998: Mit dem iMac läutete Steve Jobs nach seiner Rückkehr den Kurswechsel ein. Apple stand damals am Rand der Pleite.

Und auch technisch setzte Apple neue Akzente.

So suchte man im iMac ein Diskettenlaufwerk ebenso vergeblich wie die damals üblichen seriellen Anschlüsse für Drucker oder Modems. Stattdessen hatte sich Apple für die noch sehr wenig verbreitete USB-Schnittstelle entschieden und dem iMac ein CD-ROM-Laufwerk spendiert. Weiterhin gab es Ethernet sowie eine Modem-Buchse, die lediglich mit der Telefonkabel verbunden werden musste.

Der erste iMac kam im August 1998 zum Preis von 1299 Dollar auf den Markt und erwies sich trotz des technisch betagten System 8.1 als Verkaufsknüller. Allein in den ersten sechs Wochen wurden 278 000 Geräte verkauft. Ende 1998 waren es 800 000 – so schnell hatte sich noch nie ein Macintosh verkauft. Und Apple konnte mit dem iMac nicht nur alte Fans begeistern. Jeder dritte Käufer war ein Einsteiger, der noch nie zuvor einen PC besessen hatte. 12 Prozent der Kunden stiegen aus dem Windows-Lager um.

Der iMac G3 von 1998 (9 Bilder)

Fehlendes Diskettenlaufwerk beim ersten iMac nachrüsten? Mit etwas Lötgeschick kein Problem – auch wenn das Endergebnis nicht allzu ansehnlich ist.

Das iBook war dann quasi der "iMac zum Mitnehmen". Hier setzte Jony Ive eine durchaus kontrovers diskutierte modische Duftmarke: Die iBooks im schwungvoll gestalteten Polycarbonat-Gehäuse gab es in den Kombinationen "Tangerine" (Orange) und "Blueberry" (Türkisblau) mit Weiß.

Später kamen die Farbkombinationen "Graphite", "Indigo" und "Key Lime" dazu. Wegen seines Tragegriffs bekam das iBook wenig schmeichelhafte Spitznamen wie "Barbie-Handtasche" oder "Klodeckel".

1999: Apple-Chefdesigner Jony Ive setzte mit den bunten iBooks modische Akzente.

Bei der Bewertung der Technik gab es weniger Kontroversen: So punkteten die iBooks mit einem ausgeklügelten Energie-Management, das Akkulaufzeiten von bis zu sechs Stunden ermöglichte und das iBook automatisch in den Schlafmodus übergehen ließ, wenn der Anwender den Deckel zuklappte. Beides war revolutionär.

Mit dem iMac und den iBooks verblüfften Jobs und Ive jedenfalls gestandene Pioniere der Computerbranche. Nur Bill Gates, damals noch Microsoft-Chef, tat die neuen Macs als flüchtige Modeerscheinung ab. "Es gibt nun eine Sache, die Apple nun erreicht hat: die Führungsposition bei den Farben", spottete Gates. Die Absatzzahlen gaben der neuen Apple-Führung aber Recht.

1999: Mit dem Power Macintosh G3 verabschiedete sich Apple auch bei den Towern vom beige-farbenen Gehäuse.

Steve Jobs und Jony Ive feierten in dieser Phase aber nicht nur Triumphe, sondern mussten auch Rückschläge einstecken – nicht zuletzt, weil beide ihren Designeifer übertrieben. Im Juli 2000 stellte Jobs auf der Macworld im heißen New York den Power Mac G4 Cube vor.

Dieser Würfelrechner aus Acryl erschien wie eine verkleinerte Neuauflage des NeXT Cube, den Jobs nach seinem Rauswurf bei Apple hatte konstruieren lassen. Mit einer kaminähnlichen Konstruktion des Innengehäuses, durch die die erwärmte Luft nach oben abzog, konnte auf einen aktiven Lüfter verzichtet werden – obwohl im Innern ein mit bis zu 450 MHz getakteter PowerPC-Prozessor G4 für ordentlich Hitze sorgte.

2000: Bei Design-Fans ist der teure G4 Cube ein begehrtes Sammlerstück.

Jony Ive war es gelungen, die ästhetischen Vorstellungen seines Chefs perfekt umzusetzen, sodass der Würfel es schnell in das Museum of Modern Art schaffte.

Auch die technischen Daten wussten zu überzeugen. Dennoch geriet der Cube zum Flop. Mit einem Preis von 1799 Dollar war er vielen Apple-Kunden zu teuer. "Echte Schreibtischarbeiter wollten keine Skulptur, sondern ein Arbeitsgerät, und auf dem Massenmarkt ließ sich der gegenüber Rechnern mit vergleichbarer Leistung doppelt so hohe Preis nicht durchsetzen", lautet das Fazit von Jobs-Biograf Walter Isaacson.

Im Februar 2001 führte Apple neue iMacs ein, die sich äußerlich nur durch die Farben Indigo, Blue Dalmatian und Flower Power von ihren Vorgängern unterschieden. Allerdings waren diese iMacs mit CD-Brennern ausgestattet und wurden erstmals mit der iTunes-Software ausgeliefert. Die Anwender konnten CDs in ihren Mac stecken, Lieder sehr einfach in MP3-Dateien umwandeln, per iTunes ihre Lieblingsmusik zusammenstellen und wieder auf CD brennen.

Apple warb damals mit dem Slogan "Rip, Mix, Burn". Die Musikindustrie reagierte schockiert und warf Apple vor, zur Piraterie aufzufordern. Steve Jobs nahm die Vorwürfe billigend in Kauf. Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den Marktstart des iPod im September 2001 vor Augen, der später zusammen mit dem iTunes-Store die Musikindustrie radikal verändern sollte.

2002: Beim Design der zweiten iMac-Generation ließ sich Jony Ive von den Sonnenblumen in Steve Jobs’ Garten inspirieren.

Im Frühjahr 2002 hatten sich Flachbildschirme rasant weiterentwickelt. Es war an der Zeit, sich vom Röhrenmonitor zu verabschieden. Diesmal hatten Ive und Jobs mit einem radikalen Designentwurf mehr Glück als beim G4 Cube – auch weil Apple bei der Preisgestaltung vorsichtiger blieb.

Inspiriert durch den Garten der Familie Jobs hatte Ive sich dazu entschlossen, den iMac wie eine Sonnenblume zu entwerfen. Der eigentliche Computer inklusive optischem Laufwerk wurde in einem halbkugelförmigen Fuß untergebracht, das Display an einem beweglichen Chromhals befestigt. Der iMac G4 erinnerte auch an die Figur Luxo Jr., eine Zeichentrick-Schreibtischlampe, die John Lasseter für Jobs’ Filmstudio Pixar animiert hatte.

Die Neuauflage des iMacs erwies sich nicht nur als Hingucker, sondern auch als ein kompletter PC mit hervorragender Softwareausstattung. Die Maschine wurde damals zwar noch mit dem veralteten System 9, aber parallel auch bereits mit dem neuen System Mac OS X ausgeliefert. Es beruhte auf NeXTstep – und endlich kamen überfällige Systemfunktionen wie Speicherschutz, präemptives Multitasking, Mehrbenutzerfähigkeit, ein erweitertes Speichermanagement sowie symmetrisches Multiprocessing (SMP) auf den Mac.

2003: Das iBook G4 bewarb Steve Jobs als digitalen Hub für Fotos, Musik und Video im Multimedia-Zeitalter.

Um die Rechner für die Zukunft fit zu machen, fehlte Jobs aber noch eine wichtige Komponente. Er sah schon bald nach seiner Rückkehr zu Apple einen Punkt gekommen, sich ernsthaft Gedanken über die Aussichten der PowerPC-Plattform zu machen. Außerhalb der von Apple verkauften Rechner gab es keinen Massenmarkt für diesen Chip. PowerPC-Versionen der Betriebssysteme Windows, OS/2 und Solaris waren bereits nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwunden.

Da das NeXT-System bereits für Intels x86-Architektur konzipiert worden war, standen einem Plattform-Wechsel des Mac keine großen Hürden im Weg. Im Juni 2005 auf der Worldwide Developers Conference kündigten Jobs und der damalige Intel-Chef Paul Otellini vor verblüfften Besuchern den Umstieg auf "Intel inside" an.

Seit dem Jahr 2006 setzen Macs auf Intel-Prozessoren.

(Bild: dpa, John G. Mabanglo)

Auf der MacWorld Expo im Januar 2006 wurden dann die ersten beiden Intel-Macs vorgestellt, der iMac Core Duo in einem weißen Polycarbonat-Gehäuse und das MacBook Pro (15 Zoll).

Bei den iMacs führte Apple dann 2009 erstmals ein Gehäuse ein, welches aus einem Stück Aluminium gefräst wurde ("Unibody").

Zum enormen Erfolg der iMacs trug auch eine Werbekampagne von Apple in den Jahren 2006 bis 2009 bei. Unter dem Motto "Get a Mac" spielte der junge Justin Long in Jeans und Hemd über der Hose den coolen Mac ("Hello, I’m a Mac"), während der mit Schlips und Anzug auftretende Schauspieler John Hodgman den biederen PC verkörperte. Insbesondere die Schwierigkeiten, die Microsoft seinen Kunden mit dem verunglückten Windows Vista bescherte, lieferten die Steilvorlagen für ironische Attacken auf die PC-Plattform.

2005: Der Mac mini war Apples erster günstiger Rechner.

Zuvor hatte Apple in der Switcher-Kampagne eine Reihe von Prominenten wie den internationalen Klassik-Star Yo-Yo Ma und etliche Durchschnittsanwender in Werbespots die Vorzüge des Macs schildern lassen. Zu einem Internet-Phänomen entwickelte sich der Spot mit der damals 14 Jahre alten Schülerin Ellen Feiss, die sich darüber beschwerte, dass bei einem Absturz eines Windows-PCs die Hälfte einer Hausarbeit verloren ging.

Die Werbekampagnen in dieser Zeit sprachen vor allem die privaten Verbraucher an. Profis ließen sich dagegen mehr von den technischen Fakten beeindrucken, die eine neue Generation von Intel-Chips lieferte. Im ersten Mac Pro, der im Sommer 2006 auf den Markt kam, steckte der Dual-Core-Xeon-Prozessor von Intel ("Woodcrest"). Im April 2007 stieg Apple auf die Quad-Core-Prozessoren mit dem Codenamen "Clovertown" um. Im Januar 2008 war dann der Umstieg auf die schnelleren "Harpertown" fällig. Bei der letzten Aktualisierung verwendete Apple schließlich die neuen Intel-Modelle "Nehalem" und "Westmere".

Jony Ives "Käsereibe" – der Mac Pro bis 2012.

Bei der Gestaltung des Mac Pro ließ sich Jony Ive von Dieter Rams inspirieren, einer Design-Ikone aus Deutschland.

Als Chefdesigner beim Unterhaltungselektronikhersteller Braun hatte Rams schon 1964 einen Weltempfänger im Alu-Gehäuse gestaltet, den Braun T1000.

Die leicht erweiterbare "Käsereibe" hat Apple 2013 durch einen schwarzen Mac Pro in kompakter Zylinder-Form ersetzt. Mit einer fest integrierten Dual-GPU habe man auf das falsche Pferd gesetzt und sich in eine "thermale Ecke" gebracht, mussten Apple-Manager Jahre später einräumen. Ein richtiges Update erhielt das Modell nie.

Für Profis führte Apple Ende 2017 den iMac Pro ein, eine leistungsfähige Workstation-Ausführung des All-in-One-iMacs mit Preisen bis hin zu 15.500 Euro. Den Mac mini hat Apple jüngst neu aufgelegt – nach vier Jahren ohne Update. Ein neuer Mac Pro soll nun im laufenden Jahr 2019 erscheinen, Details wurden bislang nicht bekannt – außer dass dieser "modular" sein wird.

Mit Keilform zum Erfolg: Das MacBook Air – Apples populärstes Notebook.

(Bild: dpa, Apple)

Viel erfolgreicher als mit Desktop-Macs ist Apple seit Jahren mit seinen Notebooks. Das ist vor allem dem ultraportablen MacBook Air zu verdanken, das im Januar 2008 Premiere als "dünnstes Notebook der Welt" feierte.

Die ersten Modelle bot Apple noch optional mit herkömmlicher Festplatte an, um den Preis unter die 2000-Euro-Marke zu drücken. Die anfänglich scharfe Kritik am Verzicht auf ein optisches Laufwerk im MacBook Air ist längst verstummt. Seit Ende 2010 kommen im MacBook Air nur noch SSD-Speicher zum Einsatz, die maßgeblich zur guten Performance des Geräts beitragen.

Obwohl die meisten Komponenten von Intel stammten, schaffte es der Chip-Hersteller erst drei Jahre nach der Premiere des MacBook Air, mit dem Ultrabook-Konzept eine Spezifikation für die Hersteller von Windows-Notebooks zu veröffentlichen, damit diese bei Features wie Akkulaufzeit, Gewicht oder dem Aufwachen aus einem Stromsparmodus halbwegs mit dem Apple-Produkt mithalten konnten.

Nach einer längeren Phase ohne signifikantes Update – und einem kurzzeitigen Einbruch der Mac-Verkaufszahlen – hat Apple jüngst eine Neuauflage des MacBook Air auf den Markt gebracht, nun mit Retina-Display und Fingerabdruck-Scanner.

Manche Nutzer begrüßen den Schnellzugriff auf Funktionen per Touch Bar, andere wünschen sich richtige Tasten zurück.

(Bild: dpa, Christoph Dernbach)

Die Topseller sind weiterhin die MacBook-Pro-Modelle, die in den teureren Editionen eine Touch Bar mitbringen – einen schmalen Streifen in Form eines interaktiven OLED-Displays über der Tastatur, der kontextabhängig Funktionen zum Antippen mit dem Finger anbietet.

Die Fangemeinde ist sich nicht einig, ob das eine gute Idee war oder ob Apple stattdessen lieber gleich das große Display Touch-fähig hätte machen sollen. Diesen Ansatz lehnen Tim Cook & Co bis jetzt kategorisch ab. Der Benutzer wolle weder den Arm ausgestreckt in der Luft halten, um mit dem Finger das Display zu berühren, noch Fettflecken darauf hinterlassen. Die richtige Touch-Bedienung der Apps ist deshalb bislang den iOS-Geräten iPhone und iPad vorbehalten.

Der massive Erfolg des iPhones, das längst weit über die Hälfte des Apple-Geschäfts ausmacht, hat den Mac auf die hinteren Umsatzränge verwiesen. Dennoch bleibt er ein wichtiges Standbein des Konzerns, der Apple im zurückliegenden Geschäftsjahr allein einen Umsatz von knapp 25,5 Milliarden US-Dollar eingebracht hat – deutlich mehr als das iPad.

"Insanely great" – hoffentlich auch für die nächsten 35 Jahre.

Mit der Ankündigung, künftig iOS-Apps auf dem Mac lauffähig zu machen, schürte Apple unfreiwillig Gerüchte, ob die Geräteklassen nicht vielleicht doch einmal verschmelzen – auch wenn der Konzern dies weiter verneint. Beharrlich halten sich auch Spekulationen, dass ein neuer Prozessorwechsel naht: Schon jetzt stecken in neuen Macs ARM-Koprozessoren, die Sicherheitsfunktionen übernehmen. Ob sie die Intel-Chips ganz aus dem Mac drängen, muss sich zeigen, mancher Beobachter erwartet erste ARM-Macs schon 2020. Es bleibt also spannend, Mac & i wird Sie auf dem Laufenden halten. (lbe)