Im Test: Seat Ateca 1.0 TSI | heise autos

Im Test: Seat Ateca 1.0 TSI

Der Kompakt-Klasse droht seit einiger zeit heftige Konkurrenz durch ähnlich große SUV. Bei Seat ist die Verwandtschaft zwischen Leon und Ateca unverkennbar. Wie fährt sich das SUV mit dem 115-PS-Basisbenziner? Ein Test

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Seat Ateca
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Inhaltsverzeichnis

Kürzlich hatten wir einen Seat Leon in der Redaktion – ein angenehm zu fahrendes und ausgewogenes Auto der Kompaktklasse, das ganz nebenbei gezeigt hat, welches Niveau in dieser Klasse inzwischen üblich ist. Viel mehr Auto braucht es im Alltag eigentlich nur selten. Dieser Klasse droht seit einiger heftige Konkurrenz durch ebenso kompakte SUV. Ein Test mit einem Seat Ateca sollte zeigen, wo Vor- und Nachteile liegen. Gewählt haben wir den Basis-Ateca mit dem 115-PS-Dreizylinder, der seine grundsätzlichen Qualitäten schon vor rund zwei Jahren in einem Seat Leon ST bewiesen hat.

Der Ateca verleugnet seine Basis an keiner einzigen Stelle: Er gleicht dem Leon optisch viel stärker, als das beispielsweise bei VW Golf und Tiguan der Fall ist. Die Verarbeitung ist ausgezeichnet, der Testwagen war auch in Bereichen, die man nicht täglich im Blick hat, sehr routiniert zusammengesetzt. Eine Kollege fand die Gestaltung etwas nüchtern, doch funktional hatte niemand etwas Gravierendes zu meckern. Kleinere Mängel gibt es freilich durchaus: Den CD-Player im Handschuhfach haben wir schon öfter thematisiert, die fitzeligen Anzeigen für Tankinhalt und Temperatur des Kühlwassers ebenso.

Im Test: Seat Ateca 1.0 TSI (22 Bilder)

Der Seat Ateca ist eine ziemlich exakte Kopie des Leon. Streiten kann man sich sicher darüber, wie kreativ es ist, eine fünf Jahre alte Form zu zitieren.
(Bild: Florian Pillau)

Die Bedienung klappt auf Anhieb. Selbst der umfangreiche Bordcomputer erfordert keinen Blick in die Anleitung. Das Navigationssystem gehört nicht zur aktuellen Generation. Im Testwagen war die große Ausbaustufe installiert, die hier noch Drehregler für Lautstärke und Kartenzoom bietet. Die Routenberechnung dauert dafür etwas länger als im Leon, der schon das Nachfolgesystem eingebaut hatte. Ein Fahrer hat einen „brauchbaren“ Fahrspurassistenten vermisst. Das löst das neue System besser. Identisch blieb das Soundsystem. Es ist im besten Wortsinn preiswert, allerdings gibt es innerhalb des Volkswagen-Konzerns besseres.

Erste Unterschiede zum Leon zeigen sich beim Platzangebot. Vorn ist es mit dem Leon noch vergleichbar, hinten ist im Ateca aber etwas mehr Platz. Das ist erstaunlich, denn der Radstand ist nur 2 mm länger als der des Leon. Doch die Rücksitze sind im SUV einen Hauch höher angebracht, und das macht schon einen Unterschied. Die Sitze selbst sind hinten und erst recht vorn angenehm straff und ausreichend dimensioniert. Im Testwagen waren die mit Alcantara und Stoff bezogen, was dem Interieur einen noblen Touch verlieh.

Beeindruckend ist, was der Kofferraum aufnimmt. Seat gibt 510 Liter an, was für ein Auto mit einer Länge von 4,36 Metern eine ganze Menge ist. Zur Einordnung: Der Leon-Fünftürer ist 4,28 m lang und fasst 380 Liter, beim Kombi sind es 4,55 m und 587 Liter. Wie in den anderen Modellen auch lässt sich der Ladeboden ohne größere Hakelei in der Höhe verstellen. Es sind Kleinigkeiten wie diese, die ein Auto im Alltag angenehm machen, auch wenn man sie bewusst vielleicht nicht wahrnimmt. Deutlich nimmt man dafür die erheblich höhere Ladekante wahr. Einen bequemeren Einstieg und eine niedrige Ladekante lassen sich nun einmal nicht vereinen.

Wie weit wir in unserer Leistungsgesellschaft gekommen sind, zeigt nicht zuletzt auch das Motorenangebot des Ateca. Früher waren Basismotoren oftmals eine eher freudlose Angelegenheit, die einem die eigene Sparsamkeit beim Autokauf täglich vor Augen führte. Solches dem kleinsten Benziner zu unterstellen, wäre ziemlicher Unsinn. Wie schon im Leon Kombi hinterlässt der 115-PS-Dreizylinder auch im Ateca einen guten Eindruck. Sicher, es mag nicht reichen, um oberhalb von Tempo 160 druckvoll zuzulegen. Doch bis dahin beschleunigt das SUV mit dem kleinen Motor relativ fix. Im Alltag reicht der elastische Bereich von etwa 1500 bis knapp über 5000/min. Wer mag, kann den Ateca auch mit 150 oder 190 PS bestellen, doch bereits mit der kleinen Maschine ist man unserer Ansicht wirklich nicht schlecht bedient. Das sie sich im SUV etwas schwerer tut als im Kombi, ändert daran nichts. Leider gibt es den Dreizylinder nur mit Schaltgetriebe. Immerhin lässt sich dieses auf kurzen Wegen sehr exakt bedienen.

Im Kombi haben wir damals das Geräuschniveau kritisiert. Der Leon wurd mit der 2016er-Überarbeitung in diesem Punkt deutlich verbessert. Der Ateca scheint diese bessere Schallisolierung von Anfang mit auf den Weg bekommen zu haben. Im Fahrtenbuch lobten viele die gute Dämmung und den sympathischen Klang. Weniger ist in diesem Bereich immer willkommen, doch der Ateca nervt zumindest nicht.

Minimal kamen wir auf einen Verbrauch von 5,2 Litern, im Schnitt waren es 6,4. Seat nennt im NEFZ 5,3 Liter. Was ihm derzeit noch fehlt, ist ein Partikelfilter – hier rüstet Seat hoffentlich bald nach und wartet nicht bis zum letztmöglichen Zeitpunkt. Diesbezüglich hat sich die Konzernzentrale beim Ateca schon einmal die Finger verbrannt. Ein dreiviertel Jahr nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals hatte man beim damals brandneuen Ateca 2.0 TDI mit Frontantrieb festgestellt, dass ein Speicherkat allein den NOx-Ausstoß nicht unter dem Grenzwert hält. Seat vertröstete die Kunden und rüstete ein SCR-Kat nach. Eigentlich hätte man erwarten können, dass der Volkswagen-Konzern nach dem Skandal alle demnächst anstehenden Fahrzeuge genau unter die Lupe nimmt - immerhin war eine schonungslose Aufarbeitung angekündigt. Inzwischen ist allerdings eine gewisse Einsicht zu erkennen: Der neue Polo TDI wird ausnahmslos einen SCR-Kat haben. Damit ist zumindest theoretisch ein niedriger NOx-Ausstoß möglich.

Gut gelungen ist das Fahrwerk. Es ist etwas straffer abgestimmt als im Leon, lässt aber ausreichend Restkomfort übrig. Ähnlich wie im VW Golf sprechen die Dämpfer fein an und filtern so kleine Unebenheiten heraus, was andernfalls für einen unruhigen Eindruck sorgen kann. Dazu passt die Lenkung, die kinderleichtes Rangieren ermöglicht. Gleichzeitig vermittelt sie sehr guten Fahrbahnkontakt.

Es ist schon eine gewisse Zeit her, dass ich in einem Konfigurator nackte Stahlfelgen gesehen habe. Beim Seat Ateca, Stand heute, gibt es das noch. Das Basismodell kostet 19.990 Euro, inklusive Klimaanlage und Radio. Was fair klingt, ist es im Prinzip auch, doch wie so oft lässt sich die billigste Ausstattung nur begrenzt aufpäppeln. Klimaautomatik, Navigationssystem, Schiebedach, schlüsselloser Zugang – gibt es alles, aber nicht für den Basis-Ateca. Die meisten Kunden werden wohl schon deshalb auf die Style-Version ausweichen. Die kostet mit 23.430 Euro deutlich mehr, doch der Gegenwert dürfte es den meisten wert sein.

Ein fünftüriger Leon Style kostet mit dem 115-PS Benziner 21.370 Euro, wobei der Serienumfang nicht hundertprozentig deckungsgleich ist. Bei ihm kostet beispielsweise die Klimaautomatik Aufpreis. Der Leon Kombi kostet als Style mit dem 115-PS-Dreizylinder 22.570 Euro. Vorteil Leon: Beim ihm lässt sich die kleine Maschine auch mit DSG ordern.

Die Realität der Autobörsen sieht derzeit wie folgt aus. Einen neuen Ateca mit dem Basisbenziner und Klimaautomatik gibt es derzeit ab etwa 20.000 Euro. Der Leon ist erheblich günstiger: Mit guter Ausstattung wird er neu als 1.4 TSI (125 PS) teilweise schon für deutlich unter 17.000 Euro angeboten. Wer mit der SUV-Mode gehen will, muss also wesentlich mehr bezahlen.

Die Kosten für die Überführung hat der Hersteller übernommen, jene für den Kraftstoff der Autor. (mfz)