Mercedes bringt den G Professional zurück | heise autos

Mercedes bringt den G Professional zurück

Nach drei Jahren Abstinenz bringt Mercedes wieder eine abgespeckte G-Variante für den Arbeitseinsatz. Zugunsten von Haltbarkeit und Durchsetzungsfähigkeit verzichtet sie auf nutzlosen Luxus wie Zentralverriegelung, Fensterheber und elektrische Spiegel, fettes Navigationsgerät und Lederausstattung

vorlesen Druckansicht 64 Kommentare lesen
Mercedes G-Klasse
Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Marc Ziegler
Inhaltsverzeichnis

München, 8. Juni 2016 – Nach drei Jahren Abstinenz bringt Mercedes endlich wieder eine abgespeckte G-Variante für den Arbeitseinsatz zurück. Dabei verzichtet man auf weitestgehend nutzlosen Luxus wie Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und Spiegel, fettes Navigationsgerät und Ledergestühl. Dafür konzentriert man sich auf die eigentlichen Tugenden des ursprünglichen Arbeitsgeräts, Haltbarkeit und Durchsetzungsfähigkeit. Dazu bekommt er den 3-Liter-V6-Diesel mit 245 PS, gekoppelt mit der ausgereiften Siebengangautomatik 7G-Tronic.

Drei Achssperren und Stoffsitze sind Standard, Teppich fehlt. Gegen Aufpreis erhält man Xenonlicht, einen mit Holz ausgelegten Laderaum und einen Dachgepäckträger im Professional-Paket, weitere Optionen sind Radio- oder Navilösungen, Anhängerkupplung und eine Stahlstoßstange mit Windenfenster.

Mercedes bringt den G Professional zurück (18 Bilder)

Der Mercedes G-Professional ist zurück. (Bild: Daimler AG (alle))

Im Vorfeld verzichtete man in Stuttgart auf eine Kundenbefragung, wie uns Ian Hadley James, Senior Manager Stategic Planning und Marketing für die G-Klasse mitteilte. Dass es eine Nachfrage nach dem Professional gibt, bezweifelt niemand, schließlich wurde auch die Edition PUR, die später in Professional umbenannt wurde, problemlos an den Mann gebracht. Geschuldet ist das den unbestrittenen Fähigkeiten, aber auch dem Kultstatus des auch heute noch zu großen Teilen von Hand gefertigten Geländewagens. Seit 1979 verkörpert die G-Klasse den Geländewagen schlechthin avancierte im Laufe der Zeit zum Traumwagen auf der ganzen Welt. Dass der Wagen dabei immer teurer wurde, kümmert die Kundschaft scheinbar wenig, über achtzig Prozent der verkauften Modelle sind mit V8-Benzinern ausgestattet, die Hälfte davon wiederum sind AMG-Modelle.

Über all die Jahre seit seiner Einführung hat sich der G allerdings eines behalten: Er blieb ein echter Geländewagen, Luxus-Ausstattung hin oder her. So sind alle Modelle mit Leiterrahmen, zwei Starrachsen, einer extrem kurzen Geländereduktion im Verteilergetriebe und drei Differenzialsperren ausgestattet. Damit kommt der G auch in noch Gelände voran, in dem die wenigen verbliebenen echten Geländewagen am Markt in ihrer Serienausstattung zurückstecken müssen. Die unveränderte Karosserie mit senkrechten Abschlüssen und die vergleichsweise kompakten Formen mit gerade mal 1,87 Metern Breite und 4,66 Metern Länge, große Fensterflächen und hoher Sitzposition machen den Mercedes zu einem der übersichtlichsten Fahrzeuge überhaupt. Wie wichtig Übersicht im Gelände ist, kann nicht genug betont werden, genauso wie die Rolle der Freigangswinkel: Kurze Überhänge und eine angepasste Front verhelfen dem G-Professional zu Böschungswinkeln von 36 Grad vorne und 39 Grad hinten, der Rampenwinkel beträgt 24 Grad. Mercedes gibt zudem eine maximale Steigfähigkeit des Professional von 100 Prozent an, das entspricht einem Winkel von 45 Grad. Wasser mit einer maximalen Tiefe von 600 Millimetern kann problemlos langsam durchwatet werden.

Es ist etwas besonderes, eine G-Klasse zu bewegen. Sowohl auf der Straße, als auch im Gelände. Die Übersicht kommt einem überall zugute, selbstverständlich auch in der Stadt. Anders als moderne SUV verfügt der G noch über eine Kugelumlauflenkung, wie man sie – wenn überhaupt – nur noch aus Lkw kennt. Das robuste Lenkgetriebe hält störende Einflüsse vom Fahrer ab und ist relativ leichtgängig, vermittelt aber auch kein Gefühl für die Straße und verfügt über kein nennenswertes Rückstellmoment. Das Fahrgefühl ist damit eigen, da man die Lenkung auch in die Neutralposition zurückführen muss. Dazu kommt, dass die Achsen durch ihr schieres Gewicht systembedingt schwierig zu dämpfen sind und dadurch oft spürbar Bewegung unterm Wagen herrscht. Zu alledem wankt der Aufbau relativ stark und man spürt trotz der hohen Leistung schon durch die träge Reaktion auf Steuerbefehle zu jedem Zeitpunkt das Gewicht und den hohen Schwerpunkt.

Dank des Luftwiderstandsbeiwerts eines Küchenschranks wird der Verbrauch des Professional von Mercedes mit 9,9 Litern angegeben, in der Realität wird man aber sicherlich deutlich mehr benötigen. Eine theoretisch mögliche Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h zeigt deutlich, wie der G von seiner Form gebremst wird. Doch ist das natürlich völlig irrelevant. Der Wagen ist von vornherein konstruiert fürs Klettern im Bereich zwischen Schritt- und Fahrradgeschwindigkeit

Seine Stärken beweist der Mercedes erst im Gelände. Die Wandlerautomatik bietet die Vorteile der Drehmomentüberhöhung beim Anfahren und Schaltvorgänge ohne Kraftflusslücken, beides ohne Kupplungsverschleiß. Da das höchste Drehmoment schon ab 1600/min anliegt, verschwindet nur wenig Kraft im Wandler. Alle drei Differenziale sind voll sperrbar, eine verbesserte Steuerung schützt die Sperrmechanik vor Schäden. So rücken sie nur dann ein, wenn gerade keine Überdrehzahl und einseitige Traktion besteht. Die kurze Reduktion ermöglicht es zudem mit nur 1,6 km/h im ersten Gang zu kriechen und die Bodenfreiheit unter den Differenzialen der Starrachsen beträgt dank Geländebereifung im Format 265/70 R16 satte 245 Millimeter. Anders als bei Einzelradaufhängungen bleibt der Freigang auch bei eingefedertem Rad bestehen, ein riesiger Vorteil der Starrachsen. So eignet sich der G, und in besonderem Maße der Professional auch für den dauernden Arbeitseinsatz in unwegsamem Gelände oder auf Fahrten in die entlegensten Winkel der Erde, wobei Reisende vor allem letztere auch ihren Harnstofftank im Auge behalten sollten. Ohne die wässrige Harnstofflösung geht der Wagen nämlich zuerst in den Notlauf, stellt man ihn dann ab, lässt er sich ohne AdBlue nicht mehr starten, da die Abgasreinigung nicht mehr funktionieren würde.

Die Preise für den neuen G-Professional beginnen bei 79.968 Euro. Verkaufsstart war der 1. Juni 2016.

Motorart Diesel
Zylinder sechs (V)
Ventile pro Zylinder vier
Hubraum in ccm 2987
Leistung in PS 245
Leistung in kW 180
bei U/min 3600
Drehmoment in Nm 600
bei U/min 1600
Antrieb Allrad
Gänge sieben
Getriebe Wandlerautomat
Kraftverteilung Verteilergetriebe, permanenter Allradantrieb
Radaufhängung vorn Starrachse, Längslenker, Panhardstab
Radaufhängung hinten Starrachse, Längslenker, Panhardstab
Bremsen vorn Scheibe, innenbelüftet
Bremsen hinten Scheibe
Räder, Reifen vorn 265/75R16
Räder, Reifen hinten 265/70R16
Lenkung Kugelumlauf
Böschungswinkel vorn in Grad 36
Böschungswinkel hinten in Grad 39
Rampenwinkel in Grad 24
Steigfähigkeit in Prozent 100
Wattiefe in mm 600
Bodenfreiheit in mm 245
Länge in mm 4660
Breite in mm 1870
Höchstgeschwindigkeit in km/h 160
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,8
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 9,9
CO2-Emission in g/km 261
Modell G 350 d Professional

(fpi)