Unverändert anders
Äußerlich kaum verändert kommt die zweite Auflage des Nissan Juke im Juni zu den Händlern. Wir haben uns den 1,2-Liter-Turbo genauer angesehen. Der Neuzugang beweist auf der ersten Ausfahrt, dass möglichst großer Hubraum nicht alles ist
- Ronald Partsch
Lissabon, 13. Mai 2014 – Äußerlich kaum verändert kommt die zweite Auflage des Nissan Juke im Juni zu den Händlern. Der Neuzugang in der Motorenpalette, ein 1,2-Liter-Turbo-Benziner, beweist auf der ersten Ausfahrt, dass großer Hubraum nicht alles ist.
Never touch a running system
Im Senkrechtstart eroberte der Nissan Juke 2010 die Herzen von Kunden, die außergewöhnlich aussehende Mischmasch-Autos (Crossover) lieben. Von diesen Menschen scheint es sehr viele zu geben, denn die erste Generation verkaufte sich innerhalb von 40 Monaten über eine halbe Millionen Mal. Am 28. Juni kommt daher die neue Generation mit nur geringen Veränderungen in die Schaufenster. Lediglich die Front- und Heckstoßstange wurden leicht umgestaltet und der Grill an den Stil von Qashqai und X-Trail angenähert. Warum sollte man ein so erfolgreiches Modell verändern? Selbst die Außenabmessungen blieben gleich: 4,14 Meter lang, 1,77 Meter breit und 1,57 Meter hoch.
Unverändert anders (13 Bilder)

(Bild: Nissan)
Außergewöhnliches Design und Farbspielereien
Freches, außergewöhnliches Design und die auf junge Kundschaft ausgerichteten Farbspielereien sind wichtige Juke-Merkmale. Das will Nissan noch ausbauen. So stehen zehn Außenfarben und unzählige farbliche Individualisierungsmöglichkeiten wie zum Beispiel die der Seitenspiegel, der Scheinwerfereinfassungen und im Innenraum die der Mittelkonsole und der Lüfterrahmen zur Verfügung. Gut: Sogar bei sehr hellen Farben verursachen sie keine störenden Spiegelungen in der Windschutzscheibe. Gelegentlich kritisiert wurde beim aktuellen Juke das nicht für Großtransporte ausreichende Kofferraumvolumen. Dem konnte zumindest bei den 2WD-Modellen abgeholfen und das Fassungsvermögen um 40 Prozent vergrößert werden. Der Fünftürer kann nun je nach Sitzanordnung zwischen 354 und 1189 Liter Gepäck aufnehmen.
Bundesliga-Farben
Fürs Farbenspiel ist noch eine Steigerung geplant: Passend zum Champions League-Engagement von Nissan sollen drei Sondermodelle in den Farben deutscher Bundesliga-Clubs lackiert werden. Am Auffälligsten sind dann Juke-Fahrer in der Borussia Dortmund-Edition unterwegs, deren strahlendes Gelb den Wagen im Straßenverkehr unübersehbar machen wird.
Kaum weniger auffällig dürfte aber auch die Rot-Weiß-Blau-Gestaltung der Bayern München-Edition ausfallen. Und keineswegs unscheinbar stellt man sich eine Rot-Gelb-Lackierung in den Hausfarben von Bayer Leverkusen vor. Wir warten gespannt.
Neuer Turbo-Benziner
Die erfreulichste Neuheit der neuen Spaß-Generation befindet sich allerdings vorn. Der 1,2-Liter-Direkt-Einspritz-Benziner mit Turboaufladung aus dem Nissan Qashqai (und auch verschiedenen Renault-Modellen) leistet 115 PS und ist ein munterer Antrieb. Der kleine Vierzylinder macht in Kombination mit dem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe mehr Spaß, als es die Papierwerte vermuten lassen. Die Längsdynamik lässt – im Rahmen dieser Hubraum- und Leistungsklasse – keine Wünsche offen.
Überraschend niedrig bleibt das Drehzahlniveau. Nissan Deutschland bestätigt ausdrücklich, dass die Nennleistung von 115 PS aus so einem kleinen Hubraum bei nur 4500 Umdrehungen erreicht wird, was wir zunächst nicht glauben wollten. Rechnerisch ist es möglich, denn das maximale Drehmoment von 190 Nm liegt bereits bei 2000/min an, technisch erreicht das der Motor unter anderem durch das so genannte Scavenging, bei dem in bestimmten Last- und Drehzahlbereichen Ein- und Auslass zum Behufe besserer Spülung und Zylinderfüllung länger geöffnet bleiben. Möglich ist das nur durch den Einsatz phasengesteuerter Nockenwellen sowohl für die Einlass- als auch für die Auslassseite, einer Direkteinspritzung und der Aufladung. Mit der Verlagerung der höchsten Leistung in einen eigentlich für Dieselmotoren typischen Bereich soll der Durchzug gesteigert und der Verbrauch gesenkt werden. Hier darf man von Downspeeding sprechen.
Die Höchstgeschwindigkeit des DIG-T 115-Juke von 178 km/h lässt heute zwar niemand mehr ehrfürchtig durch die Zähne pfeifen und ein Sprint von 0 auf 100 km/h in 10,8 Sekunden ist auch nicht atemberaubend, aber er benimmt sich durchaus freudvoll agil.
Überarbeitetes CVT
Im Juke mit 1,6-Liter-Benzinmotor, sowohl in Saug- als auch Turboversion kann man weiterhin ein stufenloses Getriebe bekommen. XTronic-Automatik nennt Nissan nun das überarbeitete CVT-Getriebe, für Leute, die es beim Lesen von Begriffen wie „Kettenumschlingungsgetriebe“ einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Die XTronic-Getriebesteuerung simuliert sieben Gangstufen, um ein klassisches Automatikgetriebe vorzutäuschen. Zumindest rechnerisch kann sich das Ergebnis sehen lassen. So liegt die Gesamtspreizung von der ersten bis zur siebten Stufe bei 7,3 (i1/i7). Ein stolzer Wert, wenn man es mit dem neuen manuellen 6-Gang-Schaltgetriebe vergleicht, das mit einer Gesamtspreizung von 5,84 das Nachsehen hat.
Doch Theorie ist die eine Seite von Technik. In der Praxis dauert es stets ein Weilchen, bis Gaspedalbefehle in Bewegungsänderung umgesetzt werden. Selbst das 190-PS-Topmodell DIG-T 190 fühlt sich mit XTronic-CVT weniger dynamisch, weniger spontan an, als der 1,2-Liter mit manuellem Sechsganggetriebe.
Kein Einstiegsmotor
Der kleinste Hubraum bedeutet nicht, dass es sich um ein Einstiegsmodell handelt. Den 1.2 DIG-T 115-Juke bekommt man für 18.800 Euro. Aber ausschließlich in der mittleren Acenta- und in der Topausstattungsvariante Tekna. Das Einstiegsmodell ist weiterhin der 94 PS starke 1,6-Liter-Saug-Benziner für 15.450 Euro. Die Fahrfreude lässt nicht den Schluss auf hohe Kraftstoffverbräuche zu. Den gemischten Normverbrauch gibt Nissan mit 5,6 L/100 km an. Auf den kurvigen Landstraßen, auf denen wir den neuen Juke ausprobierten, bestätigte der Bordcomputer diese Angabe mit erstaunlich geringen Durchschnittswerten um sechs Liter.
Über Geschmack lässt ja nicht streiten – über die Sicherheit schon: Bereits serienmäßig verfügt der Juke über Systeme wie Reifendruckkontrolle, Around View und Spurverlassenswarner, die in der Kompakt-SUV-Klasse nur selten zu finden sind.
(Mit Material von press-inform)
Datenblatt
| Drehmoment in Nm | 190 |
| Radaufhängung hinten | Torsionsstarrachse mit Multilink-Einzelradaufhängung, Schraubenfedern |
| CO2-Emission in g/km | 129 |
| Bremsen vorn | Scheiben, 280 x 24 mm |
| Radaufhängung vorn | Einzelradaufhängung, McPherson-Federbeine |
| Räder, Reifen vorn | 7J x 17, 215/55 R17 |
| Spurweite hinten in mm | 1537 |
| Modell | Nissan Juke 1.2 DIG-T 115 2WD |
| Antrieb | Frontantrieb |
| bei U/min | 2000 |
| Bremsen hinten | Scheiben, 292 x 9 mm |
| bei U/min | 4500 |
| Spurweite vorn in mm | 1539 |
| Räder, Reifen hinten | 7J x 17, 215/55 R17 |
| Getriebe | Schaltgetriebe |
| Hubraum in ccm | 1197 |
| Leistung in kW | 85 |
| Zylinder | 4 |
| Zuladung in kg | 475 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 354 |
| Gänge | 6 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 6,9 |
| Tankinhalt in Liter | 46 |
| Kraftstoffart | Benzin |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 178 |
| Motorart | Ottomotor mit Benzindirekteinspritzung und Turbolader |
| Wendekreis in m | 10,7 |
| Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck | 1236 - 1307 |
| Lenkung | Zahnstangenlenkung mit elektrischer Hilfsunterstützun |
| Länge in mm | 4135 |
| Anhängelast, gebremst in kg | 1250 |
| Ventile pro Zylinder | 4 |
| Radstand in mm | 2530 |
| Leistung in PS | 115 |
| Böschungswinkel vorn in Grad | 23 |
| Maximales Kofferraumvolumen in Liter | 1189 |
| Breite in mm | 1765 |
| Höhe in mm | 1565 |
| Rampenwinkel in Grad | 22,5 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 4,9 |
| Dachlast in kg | 75 |
| Bodenfreiheit in mm | 180 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 10,8 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 5,6 |
| Böschungswinkel hinten in Grad | 27,7 |
(Ronald Partsch)