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Teslas Flash-Fehlkonstruktion

Wenn der Rechner namens MCU (Media Control Unit) ausfällt, funktioniert auch das Aufladen nicht mehr. Schuld an der Misere sind nutzlose Schreibvorgänge aus dem System-Logging. Tesla könnte helfen, tut dies aber nicht

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Tesla Motors

(Bild: Tesla)

Lesezeit: 6 Min.
Inhaltsverzeichnis

Teslas Infotainment-Einheit "Media Control Unit" (MCU) beschreibt den internen Flash-Speicher so übermäßig, dass die verlötete eMMC ihre maximalen Schreibvorgänge überschreitet und letztendlich ausfällt. Da der eMMC auch die Systemsoftware enthält, läuft dann gar nichts mehr, was an der MCU hängt. Das betrifft natürlich alle Dinge, die über den Mittelkonsolen-Bildschirm eingestellt werden (wie die Klimaanlage); es betrifft aber auch das Aufladen. Das Auto ist folglich nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr benutzbar.

Werkstätten tauschen in solchen Fällen meistens die MCU, was in der Gegend von 3000 Euro inklusive Montage zu Buche schlägt. Betroffen sind derzeit die ersten beiden Generationen der MCU mit NVidias Tegra 3. In Diskussionen heißen sie manchmal zusammengefasst „MCU1“, manchmal werden sie getrennt behandelt als „MCU0“ für die erste Generation und „MCU1“ für die zweite. Die hardwaretechnisch sehr ähnlichen Geräte wurden verbaut in Model X (Test) und S. Am grundsätzlichen Problem hat sich aber nichts geändert, sodass in Zukunft auch die MCU2 (mit Intel-Prozessor) aus neueren Fahrzeugen inklusive Tesla Model 3 (Test) betroffen sein könnte.

Teslas Flash-Fehlkonstruktion (5 Bilder)

Betroffen sind vor allem um die vier Jahre alte Model S und X (im Bild)
(Bild: Tesla)

In den USA gibt es zwei, drei Spezialisten, die MCUs reparieren, indem sie den defekten Flash-Speicher tauschen, darunter Phil Sadow (wohl am ehesten unter „Ingeneerix“ auf Youtube zu erreichen). Dann kostet die Reparatur in der Regel einige hundert Dollar. In Deutschland kennen wir keine Werkstatt, die so einen Service anbietet. Wenn Sie jemand kennen, melden Sie sich bitte, dann machen wir ein Update dieses Artikels. Sie können per Tesla-Systembrowser hier herausfinden, welche MCU in Ihrem Tesla verbaut wurde.

Wahrscheinlich fand einfach jemand eine griffige Überschrift für den Schaden (suchen Sie nach „Tesla bricking“). Anfang Mai 2019 gab es schon einmal Berichte über das Problem, die allerdings weniger viral waren, weil sie sich um die Fertigkeiten von Tesla-Hacker Phil Sadow drehten. Werkstätten kennen das Problem schon länger.

Es kann auch sein, dass die Berichterstattung anfing, als Mechatroniker Jason Hughes am 9. Oktober Elon Musk antwitterte, das Problem töte einen großen Prozentsatz dieser Einheiten (“@elonmusk, you really need to tell the engineers to fix the logging wear in /var. It‘s literally killing a huge percentage of these units.“) Vielleicht häufen sich also die Defekte gerade. Sicher weiß man nichts. Tesla gibt keine Daten heraus, und wer eine MCU tauschen musste, kann vom Flash-Fehler betroffen sein, kann aber auch ein anderes Problem haben. Und wer zu Jason Hughes geht wegen eines Defekts, der hat einfach nicht viel Auswahl an Werkstätten, die vergleichbare Dienstleistungen anbieten. Teslas Service Center tauschen nur komplette MCUs.

Die Hauptursache liegt im System-Logging. Jede kleinste Aktion des Systems, zum Beispiel eine beliebige Eingabe am Touchscreen, erzeugt Dutzende von Meldungen, die Tesla alle nach /var/log schreibt. Im Lauf eines Tages fallen so unter Umständen hunderte von MByte an, in unzähligen Schreibvorgängen. Normalerweise sorgt das interne Speicher-Management dafür, dass die einzelnen Flash-Zellen gleichmäßiger genutzt werden (Wear Leveling).

Doch nach einigen System-Updates ist der 8 GByte große Flash-Speicher der MCU1 so voll, dass dazu kein Raum bleibt. Die einfachste Abhilfe besteht also darin, einen größeren Speicher aufzulöten und einzulernen, sodass Wear Leveling wieder funktioniert. Elon Musks knappes „Should be much better now“ ist so zu verstehen, denn das System-Logging bleibt auch in den neuesten Versionen der Software eingeschaltet. Das bedeutet, dass irgendwann auch die MCU2 mit ihrem größeren Speicher betroffen sein wird, wenn Tesla nichts am Logging ändert. Das hat zwei Gründe. Erstens sind ständige Schreibvorgänge auf Flash immer ein Problem im Embedded-Bereich, in dem die Geräte lange Zeit unter schwierigen Umweltbedingungen halten sollen. Und zweitens wird sich auch in der MCU2 mit jedem Update, jeder Funktionserweiterung der nötige Platz für die Systemdateien vergrößern, was stetig weniger Platz fürs Wear Leveling lässt.

Warum Tesla das Problem nicht behebt, ist unbekannt. Das System-Logging hat auf einem Endbenutzer-Produkt keinen Nutzen. Niemand wertet diese Daten aus, auch keine Maschine. Die tatsächlich verwendeten Fahrzeug-Log-Daten speichert Tesla auf eine entnehmbare SD-Card. Der schlaueste Weg, die Ursache zu beheben, liegt also darin, das System-Logging abzuschalten, wie es Phil Sadow tut. Andere haben damit experimentiert, die Logs auf ein RAM-Drive umzuleiten, was aber kostbaren Arbeitsspeicher kostet. Es würde auch nichts fehlen, wenn man den Datenmüll auf das Null-Device (/dev/null) leitete.

Wenig. Tesla orientiert sich an der restlichen Automotive-Branche in Sachen „Kunde repariert selber“. Die wenigen US-Bastler haben sich all ihr Wissen in hartem Reverse Engineering erarbeiten müssen. Autohersteller wollen aus verschiedenen Gründen nicht, dass Endkunden selber Autos reparieren. Noch weniger wollen sie Informationen über ihre Technik preisgeben, am wenigsten über ihre Software-Technik. Es gibt zwar seit März 2019 einen (kostenpflichtigen) Online-Zugriff auf die Werkstattbücher bei Tesla, eine Reparatur von Elektronik sieht der Hersteller darin jedoch nicht vor.

Es bleibt nur der teure Tausch einer defekten MCU. Im März 2018 kündigte Elon Musk ein mögliches Update von älteren MCUs auf die MCU2 an. Da die neuere Einheit mehr Speicher hat, hält sie dem Logging-Beschuss länger stand. Bis jetzt gibt es aber diesen versprochenen Update-Pfad noch nicht. Tesla könnte das ursächliche Problem mit vernachlässigbarem Aufwand lösen, indem die Ingenieure das System-Logging abschalten. Den deutschen Endkunden bleibt derzeit nur die Hoffnung auf ein Update, das eben das tut.

Update: Mit dem Firmware-Update 2019.32.12.7 hat sich die Anzahl der Logging-Einträge in der MCU1 offenbar stark reduziert.

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