Vorstellung: Ford Fiesta
Der neue Ford Fiesta soll sich in vielerlei Hinsicht vom ähnlich großen Ford Ka+ absetzen. Dafür scheut Ford keine Mühen, doch die Strategie ist nicht ohne Risiko. Denn die Kunden müssen diese Höhenpositionierung mittragen
(Bild: Ford)
Einst war der Fiesta eine Erweiterung des Angebotes nach unten, nachdem der Escort zu groß wurde und Ford eine Antwort auf Audi 50 und VW Polo brauchte. Doch mit einem möglichst günstigen Modell hat spätestens die neue Version nichts mehr zu tun. Für preissensible Kunden ist der kaum kleinere Ford Ka+ gedacht, der Fiesta soll höhere Ansprüche befriedigen.
Gewachsen
Optisch reiht sich der neue Fiesta in die bekannte Linie von Ford ein. Eine Revolution gegenüber dem bisherigen Modell ist das nicht, vielmehr wurde der Kleinwagen auf den ersten Blick nur sanft verändert. Allerdings wird er deutlich größer als bisher. Leider hält sich Ford derzeit mit Angaben noch etwas zurück. Verraten wurde, dass die Gesamtlänge um 71 mm zugelegt hat. Bisher war der Dreitürer 3969 mm lang, der Fünftürer 3982 mm. Beide dürfte also erstmals die Vier-Meter-Marke knacken. Den Ford Ka+ übertrifft der fünftürige Fiesta so um mehr als 12 cm.
Vorstellung: Ford Fiesta (17 Bilder)

(Bild: alle Ford)
Der Abstand zwischen den Achsen wuchs dagegen nur um ganze vier mm. Dank neuer, schlankerer Sitze soll es hinten 16 mm mehr Beinfreiheit geben als im noch aktuellen Modell. Angesichts des Zuwachses der Gesamtlänge ist das allerdings wenig. Der Ford Ka+ ist trotz kompakterer Gesamtabmessungen zwischen den Achsen kaum kleiner, was für eine geschicktere Raumausnutzung spricht. Vielleicht kompensiert Ford das mit einem deutlich größeren Fiesta-Kofferraum – dessen Volumen wurde noch nicht verraten.
Sync 3
Die Abgrenzung zu Einstiegsmodell soll unter anderem mit einer besonders hochwertigen Materialauswahl und einer sorgfältigen Verarbeitung gelingen. In beiden Punkten hatte der bisherige Fiesta zu den besten seiner Klasse durchaus noch etwas aufzuholen. Gleiches gilt für die Unterhaltungselektronik. Kleine Displays, verschachtelte Menüs, dazu zum Teil absurd teuer: In diesem Bereich hat Ford großen Nachholbedarf. Der Fiesta bekommt das neue Infotainmentsystem Sync 3, das im Mondeo gerade einen erheblich besseren Eindruck macht als der direkte Vorgänger. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass das auch keine Kunst ist. Die Bedienung erfolgt bei dem teuersten System über einen Acht-Zoll-Touchscreen. Neu bei Ford ist ein Soundsystem von Bang & Olufsen mit 675 Watt. Nun müssen große Namen oder hohe Leistungsversprechen nicht immer tollen Klang bedeuten, aber wir haben von dieser Firma schon Anlagen gehört, die wirklich gut sind. In seiner Klasse könnte der Fiesta sich damit also absetzen – wenn die Chance genutzt wurde.
Das Kombiinstrument bleibt ein klassisches mit Zeigern, eine Version mit einem Display für alle Informationen scheint derzeit nicht geplant. Zwischen Tacho und Drehzahlmesser sitzt ein 4,2-Zoll-Bildschirm. Gut gefällt mir, dass Ford auch an eine Anzeige für die Kühlmitteltemperatur gedacht hat. Bleibt zu hoffen, dass es nicht eine Pseudoanzeige wie im aktuellen Focus ist, die von „Null“ auf „Betriebstemperatur“ innerhalb von ein paar Sekunden wechselt. Erstmals wird es im Fiesta ein beheizbares Lenkrad geben. Außerdem kehrt die Option auf ein Schiebedach zurück: Nachdem das jahrelang gar nicht mehr angeboten wurde, gibt es nun ein sehr großes Glasdach, welches sich auch öffnen lässt.
Helfer
Selbst in dieser Klasse tritt keine Neuvorstellung mehr ohne allerlei Assistenten an, schon gar nicht, wenn ein preiswerter, ähnlich großer Konkurrent im eigenen Haus um Kunden buhlt. Also dann: Der Fiesta bietet eine Verkehrsschilderkennung, Müdigkeits- und Distanzwarner, Fernlicht-, Toter Winkel, Fahrspur- und Fahrspurhalte-Assistent sowie eine Warneinrichtung vor Fahrzeugen, die sich seitlich nähern, wenn man aus einer Parklücke fährt. Was davon serienmäßig und was extra bezahlt werden muss, wird sich zeigen – eine Preisliste gibt es noch nicht. Der Fiesta soll Mitte 2017 auf den Markt kommen.
Kuddelmuddel bei den Motoren
Bei den Motoren beendet Ford ein ziemliches Kuddelmuddel – um gleich im Anschluss ein neues anzurichten. Bisher hab es in den unteren Leistungsstufen Dreizylinder mit 65 und 80 PS und parallel dazu zwei 1,25-Liter-Vierzylinder mit 60 und 82 PS. Damit ist nun Schluss: Ford verbaut im Fiesta ab sofort zwei neue 1,1-Liter-Dreizylinder, die ohne Turbolader 70 und 85 PS abliefern. Sie leisten damit so viel wie die 1,2-Liter-Vierzylinder im Ford Ka+. Warum Ford sich da zwei Maschinen leistet und das nicht vereinheitlicht, wird nicht so recht klar, denn auch die Vierzylinder im Ka+ sind laut Ford „neu konstruiert“. Dort hinterließ sie stärkere Version einen eher zähen Eindruck – vielleicht wollte Ford das den anvisierten Premium-Kleinwagen-Käufern nicht zumuten.
Darüber gibt es den bekannten Einliter-Dreizylinder-Benziner mit 100, 125 und 140 PS. In der Vergangenheit war der Fiesta bereits mit der 100-PS-Version bestens bestückt – so dürfte es auch im Nachfolger sein. Anfang 2018 soll dieser Motor eine Überarbeitung bekommen. Ford verspricht mit einer Zylinderabschaltung einen Verbrauchsvorteil von sechs Prozent. Vorerst nur für die Version mit 100 PS wird es eine Sechsgang-Automatik geben – näheres dazu verrät Ford noch nicht.
Andernorts wird bereits heftig über das Ende des Dieselmotors in Kleinwagen spekuliert, denn die Abgasnachbehandlung wird gerade in Bezug auf Stickoxide nicht billiger und der Selbstzünder war in Kleinwagen nie ein großer Renner bei den Kunden. Ford behält vorerst zwei Diesel im Fiesta-Programm: Der 1,5-Liter-Diesel wird mit 85 und 120 PS angeboten. Die vorläufigen Angaben im NEFZ belaufen sich auf 82 und 89 Gramm CO2 je Kilometer.
SUV?
Künftig soll es vier Ausstattungsversionen geben, die sich recht deutlich voneinander unterscheiden. Titanium wird die neue Basis, ST soll mit sportlichen Details überzeugen und Vignale luxuriös sein. Ganz neu ist die Variante Active, die mit reichlich verteiltem, unlackiertem Kunststoff, geringfügig mehr Bodenfreiheit und einer Dachreling irgendwie vom SUV-Boom profitieren soll.
Ob der nächste Fiesta wieder ein Erfolg wird, hängt wohl maßgeblich davon ab, ob die Kunden bei der geplanten Höherpositionierung mitmachen. So wie es aktuell aussieht, bedeutet das nämlich einen Wegfall der Einstiegsversionen, was in dieser Klasse mutig erscheint. Denn im nächsten Jahr betritt nicht nur der Fiesta die Bühne, sondern auch ein neuer VW Polo. Gut möglich also, dass Ford früher als geplant doch wieder mit preiswerteren Versionen nachhelfen muss. Es wäre in der langen Geschichte des Fiestas nicht das erste Mal.
(mfz)