Vorstellung: VW Tiguan Allspace | heise autos

Vorstellung: VW Tiguan Allspace

VW stellt sich in den USA neu auf. Atlas und Tiguan Allspace sollen das richtige Mittel sein, um dem auch dort grassierenden SUV-Fieber zu begegnen. Dafür muss der Allspace groß und günstig sein, was ihm hierzulande das Leben mit dem Skoda Kodiaq erschweren wird

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VW Tiguan Allspace
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Inhaltsverzeichnis

In den USA sind die Vorstellungen darüber, welches das rechte Maß für ein Auto ist, bekanntermaßen ein gutes Stück von europäischen Idealmaßen entfernt. Dort drüben darf es gern etwas wuchtiger sein – und günstig. Damit ist ein Problem in der Modellpalette von VW auch schon klar umrissen: Die Tiguan – in Europa sehr erfolgreich – war für den amerikanischen Geschmack etwas zu klein, der größere Touareg zu teuer. Diese Lücke soll nun unter anderem ein längerer Tiguan füllen, den VW Allspace genannt hat. Überraschungen gibt es bei seiner Vorstellung auf der Messe in Detroit eigentlich kaum, denn fast alles ist vom baugleichen Skoda Kodiaq bereits bekannt.

Die Abmessungen sind nahezu identisch mit dem Skoda. Der VW ist mit 4704 ganze sieben Millimeter länger als der Kodiaq, der Radstands mit 2791 mm exakt gleich. Üppig ist der Zuwachs gegenüber dem „normalen“ Tiguan. Den gibt VW mit einer Länge von 4486 mm an. Der Allspace hat zwischen den Achsen (+ 114 mm) und ganz hinten zugelegt. Der Hersteller verspricht damit 60 mm mehr Beinfreiheit in der zweiten Reihe. Erstmals ist im Tiguan auch eine dritte Reihe lieferbar, die in Europa Aufpreis kosten wird. Das Kofferraumvolumen gibt VW mit 730 Litern an. Skoda nennt für den Kodiaq 650 bis 835 – dort ist die Rückbank verstellbar. Wir erwarten, dass dies im Allspace auch so sein wird, auch wenn VW sich diesbezüglich noch nicht äußert.

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VW stellt auf der Messe in Detroit den Tiguan Allspace vor. Der ist deutlich größer als der schon bekannte Tiguan, aber nicht viel teurer - wichtig auf dem US-Markt.

Das Armaturenbrett ist vom kurzen Tiguan bereits bekannt. Die Langversion bekommt ab dem Start die neue Infotainment-Generation, die kürzlich im Rahmen des Golf-Faceliftes vorgestellt wurde und im Laufe des Jahres auch ihren Weg in den 4,49-Meter-Tiguan finden wird. Dabei gibt es eine der wenigen Überraschungen. Bei der Vorstellung im Golf wurde VW dafür gescholten, dass die Lautstärke nun über zwei Tasten und nicht mehr über einen Drehregler verstellt wird. Aus Erfahrungen, die wir damit bei anderen Marken gemacht haben, können wir uns dieser Kritik nur anschließen. Im Tiguan Allspace sind nun wieder zwei Drehregler eingebaut. Falls das eine Reaktion auf die Kritik im Golf war: Chapeau VW, für dieses Tempo.

Zum Start in der zweiten Jahreshälfte 2017 wird VW sechs Motoren anbieten. Die drei Diesel leisten 150, 190 und 240 PS und sind bestens bekannt. Die stärkste Ausbaustufe bleibt dem VW vorbehalten, Skoda wird sie auf absehbare Zeit im Kodiaq nicht anbieten. Wir gehen davon aus, dass VW alle Selbstzünder mit einem SCR-Kat ausstatten wird. Eine peinliche Panne wie im Falle des Seat Ateca wird sich sicher nicht wiederholen.

Ein klein wenig spannend macht es VW bei den Benzinern. Der kurze Tiguan hat an der Basis noch die alten 1,4-Liter-TSI. Inzwischen hat diese Maschine aber einen Nachfolger mit 1,5 Litern Hubraum bekommen. Von dem sind bislang zwei geplante Ausbaustufen mit 130 und 150 PS bekannt. Diese Maschine wird, in Vorbereitung auf die Abgasnorm Euro 6c, wohl von Anfang an einen Partikelfilter bekommen, um das Feinstaub-Problem direkteinspritzender Benziner in den Griff zu kriegen.

Der große Tiguan bekommt Benziner mit 150, 180 und 220 PS. Wahrscheinlich wird die Einstiegsmotorisierung auf den neuen Motor umgestellt. Auf dem US-Markt setzt VW auf einen 186-PS-Benziner, den es nur mit Automatik gibt.

Nur bei den beiden 150-PS-Motoren hat der europäische Käufer die Wahl zwischen Front- und Allradantrieb. In Verbindung mit allen anderen Motoren ist der Allradantrieb serienmäßig. Was bislang vollkommen fehlt, sind Alternativen zu Benzin- und Dieselmotoren. Nicht einmal ein Hybridantrieb scheint derzeit geplant, obwohl er auf dieser Plattform ohne größere Anstrengungen zu machen sein sollte. Vielleicht hat VW aber noch nicht alles verraten. Für einen Neuanfang auf dem für VW schwierigen US-Markt würde er sich jedenfalls gut machen. Sollte nichts in dieser Richtung kommen, wäre das eine arge Enttäuschung.

VW nennt noch keine genauen Preise. Das Basismodell soll bei rund 30.000 Euro liegen, was auf den ersten Blick doch sehr optimistisch wirkt. Schließlich gibt es das im Prinzip baugleiche Modell von Skoda derzeit ab 25.490 Euro. Doch der hat nur 125 PS, der schwächste Tiguan schon 150. Wird der Tscheche vergleichbar motorisiert, sind schon 28.590 Euro fällig. Allerdings hat er dann auch einen Allradantrieb. Einen Kodiaq in der Kombination 150-PS-Benziner, Schaltgetriebe und der Basisausstattung ist derzeit nicht zu haben.

Und so wird es am Ende unter Umständen so sein wie schon öfter mal: Im Einzelfall kann es sein, dass der VW nicht viel teurer als ein Derivat ist – eben weil der Konzern mit einem geschickten Spiel von möglichen Varianten sich keine allzu harte Konkurrenz ins Haus holen will. In den USA droht die schließlich auch durch den größeren Atlas, der ebenfalls in diesem Jahr zu den dortigen Händlern kommt. In Westeuropa hat der Tiguan Allspace solch einen Gegner vorerst nicht zu fürchten. Doch in den USA lastet auf ihm ein gewaltiger Druck: Werden Allspace und Atlas kein Erfolg, wird Volkswagen sein Ziel, der größte Autohersteller der Welt zu werden, nur schwerlich erreichen können. (mfz)