Zulassungszahlen 2/2018
Es läuft derzeit gut für die Autohersteller. Gegenüber dem gewiss nicht schlechten, ersten Halbjahr 2017 konnten sie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nochmals 2,9 Prozent mehr Neuwagen absetzen. Das ist vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte rund um Abgasnormen erstaunlich
Es läuft derzeit gut für die Autohersteller. Gegenüber dem gewiss nicht schlechten, ersten Halbjahr 2017 konnten sie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nochmals 2,9 Prozent mehr Neuwagen absetzen. Das ist vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte rund um Abgasnormen durchaus erstaunlich, zumal vor allem die privaten Zulassungen stiegen.
Sinkender Dieselanteil
Ein Trend, der sich schon seit längerer Zeit zeigt, setzt sich fort: Es werden immer weniger Neuwagen mit Dieselmotor gekauft. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum verlor der Selbstzünder nochmals 20 Prozent. Mit 32,1 Prozent treibt er nun nur noch knapp ein Drittel aller Neuzulassungen an. Einzelne Hersteller tragen mit ihrer Taktik, neue Autos erst kurz vor der gesetzlichen Pflicht auf neue Abgasnormen umzustellen, kräftig dazu bei. Ausgerechnet der Marktführer Volkswagen, der den Abgas-Skandal mit seinem Betrug ausgelöst hat, zeigt sich in dieser Hinsicht besonders zögerlich.
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(Bild: Pillau)
Für Kunden, die sich nicht selbst informieren, ist das ebenso ärgerlich wie für die Händler vor Ort. Denn die müssen bis Ende August alle Fahrzeuge, die maximal die Abgasnorm Euro 6b erfüllen, zugelassen haben – egal wie. Ab der 1. September 2018 können diese Autos in der gesamten EU nicht mehr erstmals zugelassen werden. Je näher die Umstellung der Produktion auf die neue Norm und die gesetzliche Frist liegen, desto schwieriger wird es für die Händler. Bis in das vierte Quartal 2018 hinein dürfte es deshalb ein breites Angebot an Tageszulassungen geben.
Benziner gefragt
Viele Kunden weichen nun nicht etwa auf alternative Antriebe aus, sondern kaufen Benziner, die einen Gesamtanteil von 63,1 Prozent haben. Das entspricht einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 16,3 Prozent. Doch auch hier droht Ungemach: Vielfach erfüllen diese Neuwagen ebenfalls nur die Abgasnorm Euro 6b. Für Direkteinspritzer wird mit der Umstellung auf die Euro 6c aber die maximal erlaubte Partikelanzahl reduziert. Die meisten Benzin-Direkteinspritzer werden dies nur mit einem Partikelfilter schaffen, der vielen Autos fehlt, die in den ersten zwei Quartalen erstmals zugelassen wurden. Diese Neuwagenkäufer fahren also bald ein Auto, das nicht mehr der aktuellen Abgasnorm entspricht.
Dieser Umstand könnte für sie bald ziemlich ärgerlich werden, denn der erhöhte Feinstaubanteil ihrer jungen Fahrzeuge wird mit einiger Sicherheit im Zentrum der nächsten Kampagnen von Umweltorganisationen stehen. Nicht zu Unrecht, denn der Feinstaub ist lungengängig und somit gesundheitlich höchst bedenklich. Ähnlich wie Euro-5-Diesel, die vor drei Jahren noch neu verkauft wurden, droht auch diesen Autos die baldige Abkanzelung als „ältere Benziner“, verbunden mit dem Hinweis, dass „diese Dreckschleudern doch recht bald entsorgt werden“ sollten.
Derzeit werben viele Hersteller damit, ihre gesamte Palette gleich auf die Abgasnorm Euro 6d-TEMP umzustellen, die für alle erstmals zugelassenen Autos ab dem 1. September 2019 Pflicht wird. Das ist löblich, allerdings stecken dahinter weniger Sorgen um Gesundheit oder Umwelt, sondern eine kühle Rechnung. Die Grenzwerte für Euro 6c und Euro 6d-TEMP sind identisch. Der Unterschied: In der Euro 6d-TEMP müssen die Autos die Grenzwerte erstmals nicht nur im Labor, sondern auch auf der Straße einhalten. Die Hersteller sparen sich also schlicht eine teure Homologation für eine Abgasnorm, die im nächsten Jahr schon wieder veraltet ist.
Alternativen bleiben Nischen
Die Zuwachsraten bei den alternativen Antrieben sehen gewaltig aus. Elektroautos legten um 69,1 Prozent zu, Hybridfahrzeuge um 62,3 Prozent. Doch selbst wer Gas-, E- und Hybridautos zusammenzählt, kommt insgesamt nur auf 87.849 Neuzulassungen. Im Gesamtbild von insgesamt 1.839.031 neuen Pkw bleiben sie damit Nischenmodelle, auch wenn langsam Bewegung in dieses Segment kommt.
Bewegung ist auf den ersten Blick auch anderer Stelle zu erkennen. Kompaktwagen liegen mit rund 22 Prozent in der Gunst der Kunden noch immer vorn, doch die SUV-Klasse (18,9 Prozent) holt stetig auf. Allerdings muss diese Aufholjagd relativiert werden. Zwar unterscheidet das KBA noch immer zwischen SUV und Geländewagen, wobei die Hersteller entscheiden, in welche Kategorie ihr Modell einsortiert wird. Doch es gibt, anders als in der Kompaktklasse, bei SUVs und Geländewagen keine Größenunterschiede. So landen ein Audi Q3 und ein BMW X6 ebenso in einer Klasse wie ein Lada Niva und ein Tesla Model X. Anders ausgedrückt: Die großzügige Zusammenfassung der „Hochbeiner“ trägt auch zu ihrem Wachstum bei.
Gewinner und Verlierer
Bei den deutschen Marken verzeichnete Smart im ersten Halbjahr mit 17,5 Prozent den größten Zuwachs, gefolgt von Porsche (+8,9 Prozent), Mini und VW (mit jeweils +8,6) und Ford (+5,7). Die weiteren deutschen Marken bilanzierten in der Statistik mit einstelligen Rückgängen. VW war sich mit einem Anteil von 19,7 Prozent in den ersten sechs Monaten insgesamt die stärkste Marke auf dem deutschen Neuzulassungsmarkt.
Bei den Importmarken erreichten DS (+28,7 Prozent) und Dacia (+24,6) die höchsten Steigerungen. Für Tesla zeigte das erste Halbjahr mit -33,8 Prozent den deutlichsten Rückgang. Skoda verbuchte mit 5,8 Prozent (+8,1) den größten Neuzulassungsanteil, gefolgt von Renault (3,7/-2,8) und Seat (3,3/+16,4). (mfz)