KI: die Büchse der Pandora?
Der Gebrauch von generativer künstlicher Intelligenz stellt sich in eine Reihe mit Naschen, Rauchen, Drogenkonsum und anderen Dingen, die Menschen machen, obwohl sie es besser wissen. Besonders wenn es ums Programmieren geht, gibt es drei Lager: die, die bewusst Abstand halten, die, die es probieren und der Sache nichts abgewinnen können, und die, die es verwendet haben und nicht mehr davon lassen können.
Letztere kann man bemitleiden, so wie Obelix, der als Kind in den Zaubertrank fiel und jetzt Hinkelsteine in seinen Hosentaschen tragen könnte, wenn die Taschen es nur aushalten würden. So fühlt sich KI heute an, wie eine Superkraft. Einmal gekostet und für nützlich befunden, wird man nicht mehr von ihr lassen wollen – Suchtfaktor garantiert, weil mit Erfolgserlebnissen verbunden.
Die Skeptiker halluzinieren von permanenten Fehlgriffen, schlechtem Stil und unsicherem Code. Wer KI bereits größere Programme schreiben ließ, kennt das Potenzial und wird es weidlich ausnutzen. Sie ist kein Ersatz für Entwickler, sondern eine Produktivitätsverbesserung für alle Programmierer, die sich darauf einlassen und sie als Werkzeug annehmen wollen. Es erledigt die lästigen Routineaufgaben und schafft Raum für Kreativität.
Das steigert die Produktivität, mit fatalen Folgen: Plötzlich werden Eskapaden möglich, denen zuvor die nötige Fleißarbeit im Weg stand. Der Programmier-Obelix sieht überall Römer, denen er noch eins überziehen kann und vergisst, dass er gern auch Wildschweine vertilgt. Das verbesserte Werkzeug sorgt gleich für einen doppelten Produktivitätsschub: Es geht schneller und die Mehrarbeitsbereitschaft steigt.
Den unsympathischen Druiden Samix, Dariox und Jensenix und ihre Trittbrettfahrer Elonix, Markix und Satyax ist das aber nicht genug. Sie versuchen, die KI jedem unterzujubeln, ob er will oder nicht, und pflastern den Planeten bar jeder Vernunft mit energiehungrigen Rechenzentren. Deswegen und weil das Suchtpotenzial, das von dem KI-Gebräu ausgeht, unübersehbar ist, fühlt es sich heute überhaupt nicht gut an, diese Superkraft zu nutzen – Faszination hin oder her.
Peter Siering