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c't 13/2026
S. 34
Aktuell
Gefälschte SSDs

Fälschers Liebling

Gefälschte Samsung-SSDs im Umlauf

Die Verpackung stimmt, der erste Augenschein auch – doch unter dem Samsung-Aufkleber verbirgt sich Billighardware aus der Ramschkiste. Wir klären auf.

Von Lutz Labs

Die Speicherkrise lässt die Kassen der Hersteller klingeln, aber Betrüger wollen mitverdienen: Wer alte Ramsch-Hardware mit falschen Aufklebern billig veredelt, kann sich eine goldene Nase verdienen. Besonders gut klappt das, wenn man Produkte eines Markenherstellers fälscht. Diesmal trifft es Samsung.

Erste Fälschungen traten vor ein paar Monaten in Asien auf, doch nun treiben die Ganoven wohl die Internationalisierung voran. Unsere „Samsung SSD 990 Pro“ mit 2 TByte kaufte ein Leser bei dem deutschen Hardwarehändler Mindfactory, welcher seit vergangenem Jahr wie c’t zur heise group gehört.

Der Geschäftsführer des Unternehmens sagte uns, dass ihm der Lieferant bekannt sei. Diesem sei die Ware untergeschoben und mit korrekter Ware gemischt worden. Dies sei schon vor Monaten geklärt worden und seitdem sei bei Mindfactory keine fehlerhafte Ware mehr eingetroffen. Doch zurück zur Hardware – und vor allem, wie man eine gefälschte Samsung-SSD erkennen kann.

Auf den ersten Blick echt

Der Karton wirkt unauffällig. Der Aufdruck ist nahezu identisch zum Original, allenfalls ist das Weiß beim Original einen Tick weißer. Die gefälschte Verpackung ist etwa einen halben Millimeter dünner als unsere Originalverpackung aus dem Jahr 2022, aber seitdem kann auch Samsung etwas daran verändert haben.

Allenfalls am Verpackungsgewicht könnte man Original und Fälschung auseinanderhalten: Im Originalkarton befindet sich eine dicke Papierbeilage mit Garantie- und Einbauhinweisen, auf welche die Betrüger verzichtet haben. Der Unterschied fällt jedoch nur im direkten Vergleich auf.

Die Verpackung ist mit dem Samsung-typischen schwarzen Klebeband versiegelt, und auch beim Auspacken der SSD gibt es noch keinen sichtbaren Hinweis auf eine Fälschung. Das weiße Plastik-Case der SSD sieht dem Original zum Verwechseln ähnlich, selbst die Prüfnummern sind identisch.

Die ersten Asien-Fälschungen waren nach dem Auspacken sofort entlarvt: Statt der Samsung-üblichen schwarzen Platinen nutzten die Betrüger eine blaue Leiterplatte. Unser Exemplar ist jedoch schwarz. Der Aufkleber nennt Samsung als Hersteller und SSD 990 Pro als Modellbezeichnung, er ist vom Original nicht zu unterscheiden. Die Seriennummer stimmt mit der auf der Verpackung überein.

Legt man eine originale 990er daneben, fallen kleine Unterschiede an der Platine und ihrer Bestückung auf: Die Service-Pins am Ende der Platine sitzen auf der falschen Seite und die Anzahl der Bausteine ist anders. Der Aufkleber auf der Rückseite ist etwas anders gestaltet als bei unserem älteren Original, hat aber dieselbe Größe und dasselbe Design. Verräterisch ist jedoch eine unten links aufgedruckte Zeile, welche wohl vom Hersteller der Platine stammt: Diese Zeichenfolge verweist auf den SSD-Controller, für den diese Platine designt wurde – und der stammt nicht von Samsung.

Software-Helfer

Sicher lässt sich die Fälschung einer Samsung-SSD unter Windows mit einem Samsung-Tool erkennen: Der Magician, Samsungs SSD-Tool, blendet hinter dem SSD-Namen die Warnung „Non-Samsung“ ein. Auch das herstellerunabhängige CrystalDiskInfo erkennt solche Fakes mittlerweile, dieses schreibt die Fake-Warnung vor die SSD-Bezeichnung (Download der Tools über ct.de/yncv). Aus der Anzeige von CrystalDiskInfo lassen sich auch bei älteren Versionen Hinweise auf die Fälschung entnehmen: Die Firmwareversion 5B2QGXA7 ist lediglich für die Samsung-SSD 980 Pro gültig, die 990 Pro läuft mit Version 8B2QJXD7. Weiterhin passen Übertragungsmodus (PCIe 3.0 x4 vs. PCIe 4.0 x4) und NVMe-Version (1.4 vs. 2.0) nicht zum Original. Auch der Programmierer des SMART-Tools Hard Disk Sentinel hat auf unsere Anregung hin eine Fake-Warnung in seine Software eingebaut.

Samsungs SSD-Tool Magician erkennt, dass es sich nicht um eine SSD aus dem eigenen Haus handelt und verweigert Diagnosescan und Performanceoptimierung.
Samsungs SSD-Tool Magician erkennt, dass es sich nicht um eine SSD aus dem eigenen Haus handelt und verweigert Diagnosescan und Performanceoptimierung.

Achtung: Zur sicheren Erkennung benötigen die Tools einen direkten Zugang per PCIe, entweder über einen M.2-Slot im Rechner oder per Thunderbolt/USB4. Viele USB-Adapter funktionieren nicht.

Die genannten Tools laufen nur unter Windows. Linuxer können NVMe- und Firmwareversion über die smartmontools herausfinden. Weiterhin geben die smartmontools die PCIe-Vendor-ID aus, welche einen Hinweis auf den Hersteller gibt: Während Samsung die ID 0x144D nutzt, meldet sich unsere SSD mit 0x10EC. Diese ID gehört zu Realtek (eine Datenbank mit PCIe-Vendor-IDs finden Sie über ct.de/yncv).

Das SMART-Tool CrystalDiskInfo blendet bei unserer Fake-SSD vor der SSD-Bezeichnung einen Warnhinweis ein. Auch der Übertragungsmodus passt offensichtlich nicht zum Original.
Das SMART-Tool CrystalDiskInfo blendet bei unserer Fake-SSD vor der SSD-Bezeichnung einen Warnhinweis ein. Auch der Übertragungsmodus passt offensichtlich nicht zum Original.

Verdeckte Hardware

Wer ganz sichergehen möchte, zieht den Aufkleber von der SSD ab – einfacher geht es, wenn der Kleber mittels Föhn etwas angewärmt ist. Unsere 2-TByte-SSD zeigt daraufhin den Controller sowie zwei Flash-Chips von Intel. Der Realtek-Controller RTS5766DL stammt aus dem Jahr 2020 und kennt höchstens PCIe 3.0, Intel hat sein Flash-Geschäft bereits 2021 an SK Hynix verkauft – die Komponenten stammen also von der Resterampe. Den bei Samsung-SSDs aus der Pro-Serie vorhandenen DRAM-Baustein gibt es nicht. Eine ähnlich bestückte SSD hatten wir mit der Adata Legend 710 bereits 2023 im Test.

Wir vermuten, dass der eigentliche Hersteller der SSD nicht der Betrüger ist. Wahrscheinlicher ist, dass die Gauner irgendwo möglichst billige SSDs einkaufen, die Firmware manipulieren sowie Aufkleber und Verpackung fälschen. Wie diese SSD dann in den deutschen Handel geraten ist, ist unbekannt. Samsung geht von einem Einzelfall aus, hieß es auf Anfrage. Dem Unternehmen lägen keine Hinweise auf vergleichbare Fälle in Deutschland vor.

Aufgrund der aktuell hohen Gewinnspannen gehen wir jedoch von einem erhöhten Aufkommen solcher Fälschungen aus. Bleiben Sie wachsam und informieren Sie uns bitte, wenn Sie ebenfalls betroffen sind. (ll@ct.de)

Downloads, Vendor IDs: ct.de/yncv

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