Von wegen Job-Killer
Interview mit Florian Butollo: Warum KI Arbeitnehmer mehr belastet, statt sie zu ersetzen
Manager träumen von gesparten Personalkosten, Angestellte bangen um ihre Arbeitsplätze. Der Soziologieprofessor Florian Butollo räumt mit Irrtümern auf und klärt, warum weder KI noch Automation den Fachkräftemangel beheben und wie man weiterhin notwendige Arbeit besser verteilen könnte.
Künstliche Intelligenz ist als Job-Killer berüchtigt. Millionen würden arbeitslos, weil ihre Tätigkeit künftig von Algorithmen und Maschinen erledigt werden könne. Derartige Versprechen treiben zwar Aktienkurse der KI-Branche in die Höhe, soziologischen Untersuchungen zur Realität im Arbeitsalltag halten sie jedoch nicht stand.
Während Tech-Konzerne von AGI – Artifical General Intelligence, also eine KI, die menschliche Denkfähigkeit universell ersetzen könnte – und Massenautomatisierung träumen, beobachtet Florian Butollo, Soziologieprofessor an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, etwas anderes: mehr Anpassungsdruck, mehr Komplexität und oft mehr Arbeit. Angesichts der Alterspyramide spricht Butollo in seinem aktuellen Buch „Das knappe Gut Arbeit“ darüber, warum Digitalisierung und KI das Grundproblem nicht lösen, dass wir künftig zu wenige Arbeitskräfte haben werden – besonders für wichtige Arbeiten, etwa in der Pflege und zur Betreuung von Kindern, Alten und Kranken.