Musikalische Müllentsorgung
Warum die EU-Kennzeichnungspflicht die KI-Musikflut nicht aufhalten kann
Die EU fordert eine robuste Kennzeichnung von KI-Songs, aber niemand muss sie kontrollieren. Währenddessen wächst der KI-Slop auf Streamingplattformen weiter. Wir zeigen, warum es so schwierig ist, ihn zuverlässig zu kennzeichnen und zu detektieren.
Noch nie ließ sich Musik so schnell und billig produzieren: Ein kurzer Prompt genügt, und wenige Minuten später steht der nächste Popsong bereit. Entsprechend rasant füllen KI-Generatoren die Kataloge der Streamingdienste: Bei Deezer gehen täglich rund 90.000 vollständig synthetische Titel ein. Sie machen inzwischen mehr als die Hälfte aller neuen Uploads aus. Spotify löschte innerhalb eines Jahres mehr als 75 Millionen Spam-Tracks. Tidal wird ebenfalls geflutet und vergütet vollständig KI-generierte Stücke inzwischen nicht mehr.
Diese Müllproduktion im industriellen Maßstab bedroht inzwischen die Vergütungs- und Empfehlungssysteme der Streamingdienste. Ab August verlangt nun die europäische KI-Verordnung, dass Anbieter KI-generierte Musik als solche kennzeichnen und detektierbar machen; Nachzügler haben bis Anfang Dezember Zeit. Das klingt einfacher, als es ist. Denn Produzenten haben wegen der Demonetarisierung keinerlei Interesse daran, ihre Songs freiwillig mit KI-Metadaten zu markieren. Also müssen robuste Wasserzeichen und zuverlässige Detektoren her.